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Thema: Liebesbrief an einen Amokschützen

  1. #1
    Dauerschreiber
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    Standard

    Tja, was kann wohl mit so einer Überschrift gemeint sein?

    Also vor genau einem Jahr machte Herr S. aus E. einen Schulausflug. Sein Ziel war klar, er wollte sich seiner ehemaligen Mitschüler und Lehrer entledigen. Das ist wohl niemandem entgangen. Der mediale Trauerzug ist ja auch unübersehbar. Wenn die Verlogenheit bloß nicht so offensichtlich wäre ... und hätte er einfach Selbstmord begangen, dann hätte das keine Sau mitbekommen ... Man könnte jetzt was dazu schreiben. Das würde aber wahrscheinlich wieder in das ewige „Gesellschaft in einen Sack und draufprügeln“ - Spiel ausarten. Ich hab heute keine Lust dazu. Ein paar Berichte hab ich mir aber angetan. In einem hat Herr Heise, der gefallene Held von Erfurt, was Interessantes gesagt: Herr S. hätte keinen Freund / Freundin gehabt, der / die mit ihm durch dick und dünn geht, und so etwas wie ne echte Freundin erst recht nicht. Auch wenn es verpönt ist, ich hab ja noch immer Mitleid mit Herrn S. Merkwürdigerweise muss ich seitdem immer an eins denken, der hat bestimmt noch nie einen Liebesbrief geschrieben.

    Also, hat schon mal jemand einen Liebesbrief geschrieben? Nein, keine SMS oder sonstigen hippen Fortschrittskram und auch nicht das „Willste mit mir gehen“ Kreuzchenspiel. So in echt, mit eigenen Worten und allem drum und dran. Ich schon, einmal. Mein Gott war das peinlich. Dabei hat sie ihn gar nicht gekriegt. Da schreibt man 1 Stunde lang, ist irgendwie in Trance, nur um dann festzustellen was für ein Scheiß in den eigenen Gehirnwindungen rumschwimmt. Ich glaube damals ist mir zum ersten Mal bewusst gewesen wie gefährlich das Schreiben ist. Komisch, wenn man so miteinander redet, oder sich auch nur am Telefon unterhält, irgendwie ist da immer eine unsichtbare Barriere die einen dann doch zurückhält. Aber vor allem, man kann immer blöd grinsen, so tun als haben man nichts gehört und einfach weiterleben als sei nichts passiert. Ein Brief muss hingenommen werden. Der ist da, natürlich wird er gelesen und wenn dann auch ganz, der geht nicht einfach weg.

    Zwischendurch mal ein kleiner Blick in Richtung Fernseher:

    Ich glaube es war irgendwo auf sueddeutsche.de, da habe ich mal gelesen das bis 1960 über 90 % der Hollywoodfilme mit dem Thema Liebe zu tun hatten. Natürlich meist mit Happy End. Da war auch irgendwie die Rede von einem „... anspruchsvollen Parcours der romantischen Liebe ...“ der mit einem Heiratsversprechen endet. Das hat sich natürlich im Laufe der Zeit geändert. Heute wird das Vorspiel verkürzt, als Höhepunkt landet man fickend im Bett.

    Zurück im Leben ...

    ... muss man wohl feststellen das Filme wohl irgendwie doch die Wirklichkeit wiederspiegeln. In einem Forum habe ich letztens gelesen wie einige Leute über ihre Einsamkeit gejammert, böse formuliert, geklagt haben klingt besser. Kann ich nicht nachvollziehen, soll aber nicht das Thema sein. Wieso liest man offene Worte, was ja ohnehin selten genug der Fall ist, nur wenn es darum geht wie beschissen man sich fühlt?

    Jetzt mal ehrlich, meist, wenn es um Gefühlsduselei geht, das Wort an sich sagt ja schon alles, erwische ich mich dabei wie ich schlechte Witze darüber mache. Wäre ja noch erträglich, das Problem ist bloß das meine GesprächspartnerInnen dasselbe machen. Autsch, schon komisch wenn man das so liest.

    Um mal den Kreis zu schließen, ich will damit jetzt nicht sagen das alle, die noch nie einen Liebesbrief geschrieben haben, Amok laufen. Aber hätte Herr S. einen geschrieben, hätte er dann wohl seinen Schulausflug gemacht? Und wieso verpesten in der heutigen Zeit diese gräßlichen SMSs die Luft, hat den niemand mehr ein par Cent für einen echten Brief über?

    Aber ich sehe das wahrscheinlich eh falsch.
    "Both destiny's kisses and its dope-slaps illustrate an individual person's basic personal powerlessness over the really meaningful events in his life: i.e. almost nothing important that ever happens to you happens because you engineer it. Destiny has no beeper; destiny always leans trenchcoated out of an alley with some sort of Psst that you usually can't even hear because you're in such a rush to or from something important you've tried to engineer."

  2. #2
    Administrator Avatar von Dr.BrainFister
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    Standard AW: Liebesbrief an einen Amokschützen

    vielleicht hätte es diesem kunden auch geholfen, einen liebesbrief zu schreiben anstatt seinen einkaufswagen als "explosives gefährt" auszustatten:
    http://www.ad-hoc-news.de/sprengstof...ungen/20916452

    und natürlich stammt diese bizarre idee, wie immer, aus dem internet:
    http://www.youtube.com/watch?v=_L9o0ijBegA

    nicht falsch verstehen: ich finde diesen vorfall nicht lustig. aber gerade weil es eine recht unübliche art des amok-laufs ist, wirkt das ganze unwirklich und bizarr. explodierende einkaufswägen... würde das in einem film oder buch kommen, würde man dem autor glatt übertreibung vorwerfen. aber nichts ist so übertrieben und durchgeknallt (im wahrsten sinne des wortes) wie die wirklichkeit.

    was kommt als nächstes? explodierende bankautomaten?


    .
    "Wissen sie woraus der Leberkäs gemacht wird? Aus den Resten der Knackwurst. Und die Knackwurst? Aus den Resten vom Leberkäs. So geht das ewig weiter: Leberkäs, Knackwurst, Leberkäs, Knackwurst..." - Simon Brenner (Josef Hader) in "Silentium"

  3. #3

    Standard AW: Liebesbrief an einen Amokschützen

    Was Du noch für alte Kamellen ausgräbst.

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