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Thema: Gesundheitsreform

  1. #1
    Administrator Avatar von Dr.BrainFister
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    ob und wie gesund die kürzlich beschlossene gesundheitsreforum für deutschland ist, lässt sich momentan nur anhand der dazu lesbaren texte beurteilen. ich denke ja immer, daraus kann man außer extrem offensichtliche problemen nicht viel erkennen, weil so etwas ohne im alltäglichen leben integriert zu sein, selbst für spekulatiionsweltmeister im letztlichen effekt noch kaum nachspürbar ist.

    einige ideen sind grundsätzlich gut-allerdings würden sie ohne eine entlastende ausgleichende idee für den kranken ausschließlich belastung darstellen. in manchen fällen ist diese ausgleichsidee gegeben, in anderen nicht oder zumindest nicht offensichtlich.
    allerdings kann man sich bei gesetztestexten wie schon gesagt nicht allein auf die offensichtlichkeit verlassen. besonders wenn der blick auf die texte von den in den letzten monaten durch medien aufgebauschten hiobsbotschaften getrübt ist.

    davon unbeeinflusst -wie seht ihr die situation jetzt, da man diese reform als beschlossen sehen kann und sich nicht mehr auf medienwillkür verlassen muss?


    die änderungen in äußerst knapper form:


    Eintrittsgeld

    Krank sein wird teuer: Wer seinen Hausarzt konsultiert, zahlt künftig ein "Eintrittsgeld" von zehn Euro für den Besuch - allerdings nur einmal im Quartal. Wird direkt und ohne Überweisung ein Facharzt konsultiert, fallen bei jedem Arztbesuch zehn Euro an.

    Zudem zahlen Patienten bei Krankenhausaufenthalten künftig zehn Euro pro Behandlungstag - maximal aber 280 Euro. Für alle Zuzahlungen gilt zusammen eine Obergrenze von zwei Prozent des Brutto-Jahreseinkommens, für chronisch Kranke ein Prozent. Kinder sind von den Gebühren befreit. Obendrein können Eltern je Kind einen Freibetrag von 3500 Euro anrechnen.

    Insgesamt werden die Versicherten durch die Zuzahlungen mit 3,3 Milliarden Euro belastet.


    Zahnersatz

    Strittig bis zum Schluss war der Zahnersatz: Seehofer und Schmidt haben sich nun darauf geeinigt, dass Versicherte ab 2005 eine separate Zusatz-Versicherung für die "Dritten" abschließen sollen. Diese Leistung soll sowohl von gesetzlichen als auch von privaten Kassen angeboten werden. Für den Zahnersatz gilt eine Versicherungspflicht. Die Kosten für die Versicherten dürften pro Jahr bei 90 Euro oder mehr liegen.


    Krücken und Brillen

    Für Heilmittel wie Krücken oder Rollstühle sind künftig zehn Euro Zuzahlung fällig. Brillen werden nicht mehr bezuschusst. Sehhilfen erstattet die Kasse nur noch für Jugendliche bis 18 und schwer Sehbehinderte.

    Obendrein werden Taxifahrten zum Arzt nur noch in Ausnahmefällen erstattet. Gestrichen aus dem Kassen-Katalog werden auch Sterbegeld, Sterilisation aus nicht-medizinischen Gründen und Entbindungsgeld. Künstliche Befruchtung wird nur noch eingeschränkt bezahlt. Eine Reihe von rezeptfreien Medikamenten wird nicht mehr bezahlt.


    Tabaksteuer

    Um einen Teil der Reform zu finanzieren soll die Tabaksteuer in den Jahren 2004 und 2005 in drei Stufen um insgesamt einen Euro je Päckchen Zigaretten angehoben werden.

    Mit den Einnahmen sollen versicherungsfremde Leistungen, wie Sterbegeld oder Sterilisation, finanziert werden, die bisher von der gesetzlichen Kassen übernommen werden.


    Krankengeld

    Das Krankengeld soll künftig von den Arbeitnehmern allein finanziert werden. Der neue "Sonderbeitrag" entspricht 0,5 Beitragspunkten und soll ab 2007 erhoben werden.

    Der Beitrag der Arbeitnehmer steigt damit um fünf Milliarden Euro - so viel kostet das Krankengeld. Bisher hatten Arbeitnehmer und Arbeitgeber die Beiträge jeweils zur Hälfte getragen.


    Medikamente

    Die Pillenflut wird nicht gestoppt: Die geplante Positivliste für Medikamente wurde gekippt. Mit ihr wollte Schmidt die Zahl der Medikamente, die von den Kassen bezahlt werden, auf 20.000 halbieren.

    Einziger Wehrmutstropfen für die Pharma-Lobby: Nicht verschreibungspflichtige Medikamente sollen künftig aus dem Leistungskatalog der Kassen gestrichen werden. Das Sparpaket sieht weiterhin vor, die Rabatte der Hersteller für verschreibungspflichtige Arzneimittel 2004 von sechs auf 16 Prozent auszuweiten. Neue, aber wenig nutzbringende patentgeschützte Arzneimittel werden zudem mit einem Festpreis belegt.


    Apotheken

    Relativ ungeschoren kommen auch die Apotheken davon: Der Versandhandel mit Medikamenten soll nur mit Einschränkungen zugelassen werden. Zudem sollen Apotheker künftig bis zu vier Apotheken besitzen dürfen. Ketten bleiben aber weiter verboten

    Bürokratie

    Von der angekündigten "Strukturreform" ist nicht mehr viel übrig geblieben: Nicht durchsetzen konnte sich Schmidt mit dem Vorschlag, direkte Honorarverträge zwischen Ärzten und Kassen zuzulassen, um so das Monopol der kassenärztlichen Vereinigungen (KV) zu brechen. Im Gegenteil: Mit der Verrechnung des neuen "Eintrittsgeldes" bei Arztbesuchen bekommen die KV-Bürokraten noch eine weitere Aufgabe.

    Auch das geplante "Zentrum für Qualität in der Medizin", das die Qualität und Wirksamkeit von Medikamenten und ärztlichen Leistungen unter die Lupe nehmen sollte, wird anders als angedacht nicht als unabhängige Institution eingerichtet. Der neue "Medizin-TÜV" soll nun unter das Dach der Selbstverwaltung von Krankenkassen und Ärzten kommen - also unter die Aufsicht jener, die eigentlich kontrolliert werden sollten.


    Entlastungen

    Mit ihrem Konsens wollen Regierung und Opposition bis 2007 stufenweise 23,1 Milliarden Euro im Gesundheitswesen einsparen. Dafür soll der durchschnittliche Beitragssatz der gesetzlichen Krankenkassen von derzeit rund 14,4 auf 13 Prozent im Jahr 2006 sinken.

    Die Faustregel: Pro 1000 Euro Verdienst fallen pro Monat 3,50 Euro weniger Krankenkassenbeitrag an. Davon profitiert aber nur, wer nicht krank wird.


    Patientenrechte

    Patienten sollen durch einen Patientenbeauftragten besser vertreten werden und beim Arzt auf Wunsch eine Quittung bekommen. Eine fälschungssichere Patientenkarte soll 2006 eingeführt werden. Bei nachgewiesener Vorsorge sollen die Krankenkassen einen finanziellen Bonus einräumen dürfen. Auch Tarife mit Beitragsrückerstattung oder Selbstbehalt bei niedrigerer Prämie sollen für freiwillig Versicherte möglich sein. Ambulante Behandlungen im EU-Ausland werden bezahlt. Nur für Klinikaufenthalte ist Genehmigung der Kasse nötig.

    ...
    "Wissen sie woraus der Leberkäs gemacht wird? Aus den Resten der Knackwurst. Und die Knackwurst? Aus den Resten vom Leberkäs. So geht das ewig weiter: Leberkäs, Knackwurst, Leberkäs, Knackwurst..." - Simon Brenner (Josef Hader) in "Silentium"

  2. #2
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    Es geht leider nicht anders, denn wir leben zur zeit eindeutig über unsere Verhältnisse. In anbetracht der Tatsache, dass die Alterspyramide bis 2030 eine totale Schieflage hinlegen wird (Mehr Rentner als Arbeiter) kann man nur noch von einer Gnadenfrist sprechen. Wenn wir es bis dahin nicht schaffen, die Systeme und vor allem die Einstellung der Menschen in Bezug auf Kinder zu ändern, wird unser System unweigerlich zusammenbrechen. Ich will gar nicht an die Untaten denken die notwendig sein werden um dies zu verhindern.

    Damit habe ich auch schon das Hauptproblem und der Primärgrund für unsere jetzige Lage benannt.

    Diese Reform wird besonders die Mittelschicht und alles darunter treffen. Ich nehme mal das Beispiel Zahnersatz: Der Zahnersatz ist in Deutschland praktisch unbezahlbar. Aus den Grund wird man den Sozialen Status eines Menschen schon bald wieder am Gebiss ablesen können.
    Die neue Zusatzversicherung für die Zähne sorgt nur für eine Grundausstattung. Wer gedacht hat er kann sich jetzt das Gebiss vergolden lassen hat sich geschnitten. Wir bekommen weniger Leistungen als jetzt für mehr Geld.

    Noch schlimmer wird es Menschen treffen, die Operiert werden müssen. Eine OP kostet in Deutschland selten weniger als ein Kleinwagen.

    .................................................. ..............

    Heute geht es uns schlechter als gestern, aber besser als morgen...

  3. #3
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    Zum Thema Zahnersatz:
    Mir wird ganz schlecht, wenn ich an eine private Versicherung diesbezüglich denke. Denn garantiert wird es so sein, daß die Versicherungskosten mit zunehmendem Alter erhöht werden oder es gibt gleich Risikoaufschläge, wenn man mal was gehabt hat. So war das jedenfalls, als ich mal paar Jahre privat krankenversichert war. *grusel*

    Ich denke auch, daß das Hauptproblem darin besteht, daß die Grundeinstellung zum Kinderkriegen geändert werden muß. Es müssen einfach unheimlich große Anreize her. Meiner Meinung nach wäre das die Hauptaufgabe überhaupt, auch wenn es ohne dieses Rumdoktern an den Symptomen vermutlich nicht geht.

  4. #4
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    @Roac: Du bist also jetzt ohne Krankenversicherung? Es ist nämlich fast unmöglich von der Privaten wieder in die Gesetzlichen zurückzukommen.

    Unsere liebe Gesundheitsministerin hat heute übrigens gesagt, dass die jetzigen Reformen höchstens bis 2010 greifen werden.

    Ich werde jedenfalls sehen, dass ich so schnell wie möglich aus Europa rauskomme. Die Unzufriedenheit der Menschen steigt mit einer bedrohlichen Geschwindigkeit (Besonders in Deutschland und Frankreich). Solche zustände haben seit Menschengedenken immer zu einer überhöhten Reizbarkeit geführt. Menschen sind zudem zu unfassbaren imstande wenn sie nichts mehr zu verlieren haben. Das ist sowohl im positiven als auch im negativen gemeint.

    Falls der Zerfall der Lebenswichtigen Systeme mit gleichbleibender Geschwindigkeit voranschreitet, ist die Bundesrepublik Deutschland ab 2030 in ihrer jetzigen Form nicht mehr Lebensfähig. Außer man führt bei 40 Millionen Rentnern eine Verjüngungskur durch

  5. #5
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    @John
    Nee, ich war während meines Studiums vorübergehend verbeamtet und mußte mich da privat versichern. Als das Beamtenverhältnis zu Ende war bin ich automatisch wieder in die gesetzliche gekommen (verdien leider nicht soi viel ... B) )

    Was deine Auswanderungsgedanken betrifft: wo stellst du dir denn außerhalb Europas bessere Bedingungen vor? Das würde mich echt mal interessieren ...

  6. #6
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    In der Weltwirtschaft ist insgesamt ein Aufschwung zu spüren, dieser wird aber dank unserer Regierung so gedämpft, dass man kaum etwas spürt. Die US-Wirtschaft ist dagegen im Plus. Ich denke das sich daran nicht mehr viel ändern wird und deshalb wären die USA meine erste Wahl. Ihre Sozialsysteme sind zwar unter aller Sau, aber dort weiß man noch wofür man arbeitet. Hier ist es völlig gleichgültig, denn wer Arbeitet hat Geld und wer nicht Arbeitet hat auch Geld.

  7. #7
    DerBademeister
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    Hmm John....daher wohnen auch alle Sozialhilfeempfänger in ner 100 qm Wohnung, haben PC mit Flatrate, 3 Autos und fahren 2 Mal im Jahr in Urlaub.

    Vielen Dank für die Erleuchtung, ich bin gleich wieder da, muss mich beim nächsten Sozialamt melden gehen...

  8. #8
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    Der Liebe Bademeister braucht wieder etwas aufmerksamkeit, daher gebe ich sie ihm...

    @Bademeister: Der Durchschnittssozialhilfeempfänger bekommt im Monat nicht mehr als 400€ Sie bekommen zwar die Wohnung bezahlt, aber jeder weiß, dass alleine pro Woche mindestens 80€ für Nahrungsmittel drauf gehen. Da bleibt in der Regel nicht viel über.

    Ich rede vielmehr von der Tatsache, dass jede Arbeitsfähige Person keinen anspurn hat, wirklich arbeiten zu gehen. Die Sozialhilfe ist für bedürftige, die kaum noch eine Chance haben ins Berufsleben zurückzukehren. Die Sozialhilfe sollte für Arbeitsfähige Personen auf 5 Jahre begrenzt sein, danach sollten nur noch Essensmarken drin sein.

    Sorry, aber wer in 5 Jahren keinen Job gefunden hat, sit entweder zu blöd, oder hat sich nicht wirklich bemüht. Man hat 24 Stunden am tag Zeit bewerbungen nach ganz Europa abzuschicken. Die Zeit reich also locker um über 40.000 Bewerbungen zu schreiben.

  9. #9
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    @John: Da frag ich mich doch, was du arbeitest und wo du wohnst, daß die Arbeitssuche bei dir so einfach ist...

    Ehrlich mal, bei so'ner Aussage könnt ich gleich ausrasten. Ich kenn' viele Leute, die viele Bewerbungen schreiben... Aber die machen das ja nur so aus Spaß und wollen eigentlich gar nicht arbeiten. Sozialschmarotzer ist ja dein Lieblingsschlagwort.

    Ich komm hier aus Sachsen - ursprünglich aus dem Erzgebirge, da haben wir 'ne Arbeitslosenquote von um die 18 %! Und mehr Arbeit is da nicht! Und nicht jeder ist jung, dynamisch und flexibel (bei gleichzeitig 20 Jahren Berufserfahrung), um sich rund um die Welt zu bewerben!
    Vinnis Goldene Regel Nr. 11:
    Betrüge jeden, nur nicht dich selbst!

    Zorthans Freistatt

  10. #10
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    Mir ist auch klar, dass es nicht einfach ist einen Job bzw. eine Lehrstelle zu finden. Ich bin jedoch der Meinung das es einige Leute übertreiben. Wenn ich nach meinen persönlich gemachten Erfahrungen gehe, ist es leider so, dass recht viele Leute gar keinen bock mehr haben arbeiten zu gehen. Ich brauche nur einen der vielen Nachbarn zu nehmen:

    Eine große Wohnung mit Balkon und Kabelfernsehen (Haben wir nicht, jawohl meine Eltern schuften und Kabelfernsehen ist uns untersagt worden&#33. Dann steht noch eine prachtvolle Marihuanapflanze auf den Balkon und die Nutten gehen dort ein und aus. Der Typ hat in der Woche mindestens 4 verschiedene Weiber. Da er sich keinen Vorhang leisten will, kann man bei den Spielchen sogar noch zugucken.

    Laut eigener Aussage hat er keinen Bock zu arbeiten (er ist vielleicht mal Anfang 30). Der Rest ist nicht viel besser.

    Ein anderer lässt sich sein Ganja sogar beim Treppenputzen schmecken!
    .................................................. ............

    Familien mag es ja an vielen fehlen, aber für Singles ist absolut jede arbeit zumutbar, egal ob Abgangszeugnis oder Abitur.

  11. #11
    Mittlerer SpacePub-Besucher
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    Trotzdem kein Grund gleich zu verallgemeinern und von den abschreckenden Beispielen, die du vor der Nase hast, auf alle Arbeitslosen zu schließen...
    Vinnis Goldene Regel Nr. 11:
    Betrüge jeden, nur nicht dich selbst!

    Zorthans Freistatt

  12. #12
    Administrator Avatar von Dr.BrainFister
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    ich wusste gar nicht, dass ich bei john nebenan wohne.
    er hätt mir doch mal zuwinken können, während er bei meinen spielchen zuschaut.
    ach übrigens... vorhänge kann und will ich mir schon leisten, aber die sind dauernd in der reinigung-wegen dieser flecken... du weißt schon welche ich meine.

    falls du mal eine von meinen freundinnen näher kennen lernen möchtest, keine sorge, deinen geldbeutel würde ich sogar einen schongang verschaffen -z.b. könntest du einen fetten zuschauerrabatt bekommen.
    wär das was, hm?


    zum thema:


    Einzelne Krankenkassen müssen Beiträge erhöhen
    Von Thorsten Denkler (Berlin)

    Kaum hatten die Spitzenverbände der Kassen gestern eine grundsätzliche Senkung ihrer Beiträge zum 1. Januar 2004 zugesagt, platzt die Nachricht der Bild-Zeitung ins gesundheitspolitische Berlin: 20 Betriebskrankenkassen würden zum 1. August ihre Beiträge erhöhen. Die Deutsche Presseagentur meldet wenig später, ihre liege eine entsprechende Liste mit 17 Kassen vor. Die Aufregung ist groß. Das Bundesgesundheitsministerium reagiert verstimmt. Staatssekretär Klaus Theo Schröder erinnert verärgert die Versicherten an ihr Sonderkündigungsrecht bei Beitragserhöhungen.

    Vermeintliche Sünder
    Zu den vermeintlichen Sündern und Konsensbrechern zählen unter anderem die BKK Essanelle und die BKK Karstadt-Quelle, die ihre Sätze von 11,9 Prozent auf 12,8 Prozent beziehungsweise von 14,2 Prozent auf 14,9 Prozent erhöhen wollen. Oder die BKK Krupp-Thyssen, die ihren Beitragssatz offenbar von 14,2 Prozent auf 14,9 Prozent anheben will, und die Siemens-BKK (von 13,9 auf 14,7 Prozent). Aber selbst nach dieser Erhöhung sind die BKK noch günstig. Ihr Beitragsschnitt liegt bei 13,7 Prozent. Alle anderen Kassen haben einen Schnitt von 14,5 Prozent.

    Beitragserhöhungen lange bekannt
    Dabei sind die Beitragserhöhungen der benannten Kassen seit langem bekannt. Dass etwa die Essanelle BKK erhöhen würde, konnte T-Online schon am 15. Juli vermelden. Spontane Beitragserhöhungen, wie einige jetzt argwöhnen, gibt es nicht. Ihnen gehen wochenlange Genehmigungsverfahren voraus.

    Quasi Behörden
    Hintergrund:
    Die Kassen sind als Körperschaften öffentlichen Rechtes quasi Behörde. Sie dürfen keine Gewinne machen und müssen sich eine strenge Aufsicht der Landesversicherungsämter - bei bundesweit geöffneten Kassen des Bundesversicherungsamtes - gefallen lassen. Der Beitragssatz berechnet sich aus der Einnahme- und Ausgabensituation einer Kasse. Steigen die Ausgaben bei gleichen Einnahmen, muss die Kasse ihren Beitragssatz erhöhen, ob sie will oder nicht. So geschehen in den vorliegenden Fällen.

    Falsche Versprechen
    Zum BKK Bundesverband gehören 250 eigenständige Kassen mit zum Teil höchst unterschiedlichen Strukturen. Manchen versorgen nur knapp 500 Mitglieder, andere müssen sich um Hunderttausende Versicherte kümmern. Allein schon deswegen kann der Vorsitzende des BKK Bundesverbandes, Wolfgang Schmeinck, Beitragssatzsenkungen ab 2004 nicht ruhigen Gewissens versprechen, auch wenn er genau dies in einer Absichtserklärung mit unterschrieben hat. Er kann schlicht nicht die wirtschaftliche Lage jeder einzelnen Mitgliedkasse aus dem Stegreif bewerten.

    Telefonkonferenz reicht
    Andere Spitzenverbände mit zum Teil achtstelligen Mitgliederzahlen haben weniger Probleme, Versprechen abzugeben. AOK-Chef Hans Jürgen Ahrens spricht nur für die 17 Landes-AOKs. Der Verbandschef der Ersatzkassen, Herbert Rebscher, hat gerade mal sieben Kassen zu koordinieren, darunter Barmer, Technikerkrankenkasse oder die DAK. Da reicht eine Telefonkonferenz, um die Marschroute festzulegen.

    Nur die Hälfte der BKK kann senken
    Prompt muss Schmeinck zurückrudern: Er geht jetzt davon aus, dass gut die Hälfte der Betriebskrankenkassen ihre Beiträge um 0,4 bis 0,7 Prozent wird senken können. Andere werden ihre Beiträge stabilisieren, einige wenige werden möglicherweise trotz der erwarteten Einsparungen von zehn Milliarden Euro auch 2004 ihre Beiträge erhöhen müssen.


    Niemand will sich festlegen
    Aber selbst die großen Kassen wollen sich auf einen bestimmten Senkungssatz nicht festlegen lassen. In der gemeinsamen Erklärung der Spitzenverbände heißt es lediglich, die Beiträge würden gesenkt. Um wie viel, bleibt offen. Das sei "abhängig von der finanziellen Situation der einzelnen Kassen", heißt es in dem Papier. Eine weitere Voraussetzung: Schuldenstreckung. Die Gesetzlichen Kassen schieben ein Defizit von rund sieben Milliarden Euro vor sich her. Das soll nicht auf einen Schlag sondern über mehrere Jahre abgebaut werden. Aus dem Bundesgesundheitsministerium wird Wohlwollen signalisiert.

    Versicherungsaufsicht kann Beitragssenkung erzwingen
    Der Vize-Chef des Innungskassen-Verbandes, Gernot Kiefer, kann also nur den kleinsten gemeinsamen Nenner ankündigen: "Wo finanzielle Spielräume sind, werden die Krankenkassen diese an die Versicherten weitergeben." Im Grunde eine Binsenweisheit. Weil die gesetzlichen Kassen keine Gewinne machen dürfen, kann die Versicherungsaufsicht sie sogar dazu zwingen, Beiträge zu senken, wenn es die wirtschaftliche Situation der Kasse erlaubt.

    Tatsächliches Sparvolumen entscheidet
    Letztlich hängt also jede Beitragssenkung davon ab, ob die von Regierung und Opposition vereinbarten Sparmaßnahmen so greifen, wie gewünscht. Da aber haben Experten erhebliche Zweifel. Weder ist ein möglicher, kosten treibender Anstieg der Zahl der niedergelassen Ärzte noch die Preisentwicklung bei den Arzneimitteln im Sparprogramm berücksichtigt. Weil diese Kostenrisiken kaum abschätzbar sind, lassen sich auch Beitragssenkungen, wird es sie denn geben, nicht auf den Punkt genau vorhersagen.

    ...
    "Wissen sie woraus der Leberkäs gemacht wird? Aus den Resten der Knackwurst. Und die Knackwurst? Aus den Resten vom Leberkäs. So geht das ewig weiter: Leberkäs, Knackwurst, Leberkäs, Knackwurst..." - Simon Brenner (Josef Hader) in "Silentium"

  13. #13
    DerBademeister
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    Wie sagte ein Bekannter von mir doch so schön.
    "Ich finde es gut, das sie den Zuschuss für Brillen streichen - dann muss ich wenigstens meine Zähne nicht mehr sehen!"

  14. #14
    Kleiner SpacePub-Besucher
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    Wenn ich bedenke, was ich jetzt schon für die Krankenkasse bezahle und "wieviel" ich für meine Beiträge in Bezug auf Zahnersatz und Brille bekomme, dann muss ich sagen: für mich ändert sich da nicht sehr viel.

    Vor knapp vierzehn Jahren brauchte ich eine Brücke (knapp nach der Ausbildung bekam ich nur eine 20-Std.-Stelle). Ich verdiente 998 DM netto, der anteilige Betrag von 40 % betrug 936 DM. Ich lag damals knapp 5 DM über dem Sozialsatz, der nach dem Brutto-Gehalt berechnet wurde. Das ich Sozialabgaben wie Lohnsteuer etc. zahlen musste, hat niemanden interessiert, auch nicht meine 500 DM Fixkosten für Miete, Versicherungen, GEZ usw.

    Oder meine jetztige Brille kostete mich vor einem halben Jahr knapp 140 Euro pro Glas extra, weil ich sie entspiegelt haben wollte (ist beim Autofahren äußerst sinnvoll) und dünner als normal (meine Sehstärke ist -5, durch "normale" Brillengläser habe ich verkleinerte Augen) haben wollte.

    Erst letztens brauchte ich ein Medikament. Zuzahlung 4 Euro (das Medikament kostet grad mal 9 Euro). Dieses Medikament bekomme ich zur Vorbeugung vom Arzt verschrieben (ich könnte es auch ohne Rezept bekommen), damit eine mögliche Infektion vermieden wird. Denn die Behandlung mit dieser Infektion (ist nichts dramatisches, nur unangenehm) kostet mich mehrerr Arztbesuche und andere teuere Medikamente. Im Falle eine Infektion würde es die Krankenkasse mehr kosten, als die Vorbeugung. Doch selbst für die Vorbeugung muss ich selbst zahlen.

    Was mich persönlich aufregt, ist die Tatsache, dass die Gesundheitsreform den Mittelstand am meisten schmerzen wird. Die extrem armen Leute wie Sozialhilfeempfänger werden auch in Zukunft die Kosten vom Amt bezahlt bekommen.

    Mehrere weibl. Bekannte meiner Mutter sind nie berufstätig gewesen, aber über den arbeitenden Mann versichert. Das klingt logisch und sinnvoll, vor allem wenn kleine Kinder im Haushalt sind. Allerdings gehen Frauen öfters zum Arzt (zumindest bei den Paaren, die ich so kenne), z.B. Frauenarzt fällt bei Männern nie an. Diese Paare bezahlen also genauso viel Beiträge wie mein Mann, doch zwei Personen nutzen die Beitragszahlungen. Auch Kinder benötigen den Arzt öfters, vor allem wenn sie noch klein sind (wir sind immer noch bei dem Beispiel, wo nur einer die Krankenkassebeiträge zahlt&#33. Wenn ich falsch liegen sollte, korrigiert mich bitte.
    Ich will Familien nicht diskriminieren, denn immerhin sind wir in einem Sozialstaat. Aber manches stinkt mir gewaltig.

    Achja, leider kenne ich ähnliche Beispiele wie John. Bekannte, bei denen der Mann zu faul ist zum Arbeiten (sagt es selbst) und die restl. Familie (Frau u. drei Kinder) Sozialhilfe bekommt. Seltsamerweise hat diese Familie einen Internet-Anschluss mit Flatrate, mehrere PCs (okay, einer ist auf dem aktuellen Stand, zwei wurden aus "Resten" zusammengebastelt), einen Schrebergarten, eine knapp 100 qm Wohnung (bei 5 Personen evtl. gerechtfertigt), Premiere und 4 (&#33 Handys (die Kinder und Mutter, alle auf Vertrag&#33. Inwieweit nebenbei noch "schwarz" gearbeitet wird, darüber lässt sich keiner aus (so blöd sind die ja nun auch nicht).
    Dies ist ein extrem schlechtes Beispiel für Sozialhilfeempfänger und schürt den Hass eines Arbeitenden mit niedrigem Gehalt auf Leute, denen nichts anderes übrig bleibt, als den Staat anzubetteln. Sicherlich gibt es Leute, die tatsächlich am Rande des Ruins leben und nicht wissen, ob sie morgen noch genug Geld für Essen übrig haben.
    Doch leider kenne ich keinen Sozialhilfeempfänger, dem es tatsächlich so schlecht geht.

  15. #15
    Warmgepostet
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    Dies ist ein extrem schlechtes Beispiel für Sozialhilfeempfänger
    Das mit dem Premiere und einem Internetanschluss inklusive Riesen Wohnung ist sicher kein schlechtes Beispiel. Ich kenne viele Leute die von der Sozi-Leben und die haben ausnahmslos eine Flatrate und mindestens 1 Handy. Die meisten haben auch noch Premiere. Natürlich arbeiten die meisten nebenbei noch schwarz, aber es muss trotzdem etwas getan werden.

    Das eigentlich Problem ist nicht die Höhe der Sozialhilfe, sondern die Tatsache, dass die meisten Schwarzarbeiten. Ich bin eigentlich sicher, dass 90% der Arbeitsfähigen Sozialhilfeempfänger oft oder weniger oft schwarzarbeiten. Sonst könnten sich viele keinen Lebensstandard leisten, der über dem der Arbeitenden Bevölkerung liegt.

  16. #16
    Furie Avatar von Simara
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    Auch ich kenne so einen Fall und da ich zwei Jobs habe ärgere ich mich auch immer mal wieder darüber.

    Aber ist das eigentliche Thema dieses Threads nicht die Gesundheitsreform?

    Klar, das hängt irgendwie zusammen, da es ums Geld geht.

    Ich selbst habe mir letztes Jahr eine Krone zulegen müsse - also für die Zähne - und die hat mich damals schon 160 EUR gekostet.
    Vor ca. einem Monat kamen jetzt nochmal zwei Kronen auf mich zu. Der Eigenanteil diesmal 550,00 EUR. *schluck*
    Mein ganzes Erspartes war weg. Aber ich dachte mir, naja, kein Urlaub, aber wenigstens kannst du Essen.
    Tja, leider meint es Fortuna nicht gut mit mir, denn kurz nach den Kronen kam auch noch ein kaputter Auspuff dazu.
    Ergebnis ich bin ziemlich im Soll und werde vermutlich - trotz zwei Jobs - den Rest des Jahres damit verbringen, mich aus dem Soll rauzuarbeiten.
    Ich kann jetzt nur hoffen, dass ich nicht krank werde, denn jetzt zählt jeder Cent und da würde ich eher auf einen Arztbesuch verzichten und mich versuchen selbst zu kurieren.

    Meine Oma sollte sich ihre Zähne auch überkronen lassen. Kosten 2.000,00 EUR.
    Das kann sich meine Oma nicht leisten und sie wird sich von daher die Zähne nicht machen lassen. Solange es noch ohne Schmerzen geht .....
    Da fängt es schon an.

    von Xinau
    z.B. Frauenarzt fällt bei Männern nie an.
    Klar müssen Männer nicht zum Frauenarzt. Aber sie sollten zum Urologen. Früherkennung ist - wie bei allen Krebsarten - sehr wichtig.
    Leider gehen die Männer nicht gerne zur Vorsogeuntersuchung - wir Frauen ja auch nicht - naja, ich zumindest. Aber notwendig wäre es schon.
    Genauso notwendig wäre die Mammographie, aber ich fürchte auch diese Vorsorgeuntersuchungen werden jetzt unter den Tisch fallen.

    Ich finde das etwas kurzsichtig, denn eine Vorsorgeuntersuchung ist bestimmt nicht so kostspielig wie später dann eine Behandlung.

    Ob die Gesundheitsreform notwendig ist? Ich weiß es nicht. Ich hab nur das Gefühl, dass jetzt an allen Ende Geld fehlt. Vielleicht hat es schon vorher gefehlt und es ist nur nicht so aufgefallen.
    Ich hoffe nur inständig, dass mir nicht noch ein Zahn absplittert und ich noch eine Krone brauche, denn die werde ich mir vorerst nicht machen lassen können .

    Liegt es an den Ärzten? *Achselzuck* Möglich.
    Liegt es an der Pharmaindustrie? .... Bestimmt auch zu einem gewissen Teil.
    Aber das hat mich als Kassenmitglied nicht zu interessieren.
    Gestern kam in den Nachrichten, dass die Verwaltungsgebühr für einen Patienten 157,00 EUR pro Jahr beträgt. Ich weiß nicht, ob das viel ist, aber daran allein wird es auch nicht liegen.

    Es liegt sicher an irgendwelchen Missbräuchen, aber ob die mit der jetzigen Gesundheitsreform aus der Welt geschafft werden, wage ich zu bezweifeln.
    Ich halte die Gesundheitsreform für den falschen Ansatz.

    Vielleicht sollte man Risikosportler, Raucher und Übergewichtige höhere Beiträge zahlen lassen. Das sind Dinge, die man abstellen kann. Aber ich halte das für Diskrimierung.

    Ich gehöre z. B. zur Gruppe der Übergewichtigen und es würde mir tierisch stinken, wenn ich deshalb höhere Krankenkassenbeiträge zahlen müsste, wie meine schlanke Kollegin, die aber aufgrund ihrer Allergie mehr beim Arzt ist, als ich.
    Was ist eigentlich aus der Idee geworden, Beiträge zurückzuvergüten, wenn wenig oder gar kein Arztbesuch in Anspruch genommen wurde? Wobei ich Krebsvorsorgeuntersuchungen davon ausschließen würde. Oder auch die Vorsorgeuntersuchungen beim Zahnarzt.
    Vorsorge ist besser als Heilen - und billiger.

    Naja, viel geschrieben und ein Fazit: Ich finde die Gesundheitsreform nicht gut. Zumindest, das was ich bisher gelesen habe.
    Das wars von mir.

    Über Sozialhilfemissbrauch sollte ein eigener Thread aufgemacht werden.


    Staffel II (2) dienstags im Nachtprogramm auf Pro7MAXX (Doppelfolgen)

    Staffel XII (12) montags 21:05 Uhr auf Pro7MAXX


    Staffel XIII (13) montags 20:15 Uhr auf Pro7MAXX

    Staffel XV (15) donnerstags auf CW

  17. #17
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    Das die Gesundheitsreform kommen musste war uns wohl allen klar, denn so ging und geht es nicht weiter. Ob sie nun gut oder schlecht ist kann man eh nicht sagen, bis man sieht was sie in der Praxis bringen wird und ob sich überhaupt etwas ändern wird.

    Vor ein paar Wochen habe ich meine Rechnung vom Zahnarzt bekommen für 5 Goldkronen und 4 oder 5 Füllungen. Mein Eigenantiel war 50% auf die erstattungsfähigen Leistungen (ja, nicht alles für Subventioniert) und betrug schlappe 1.400 €. Um das zahlen zu können musste ich meinen Bausparer plündern.
    Da ich auch noch eine neue Brille haben sollte und diese wie bei Xinau, auch einige Extras hat um es angenehmer zu machen, weiss ich noch nicht wie ich das finanzieren soll. Die kosten belaufen sich bei mir auf ca. 90 € pro Glas zzgl. der Fassung. Da meine Dioptrie noch ein wenig grösser ist, muss ich auch aus gesundheitlichen Gründen Spezialgläser nehmen, denn sonst wird das ganze zu schwer und drückt auf die Nasenflügel. Das kann wiederrum unangenehme Folgen haben.

    Seit diesem Monat bin ich nun privat Versichert, da ich selbständig bin und nicht auf eine Krankenversicherung verzichten möchte. Allerdings kann ich Roac nicht verstehen, denn ich bin froh endlich privat versichert zu sein. Zum einen erhalten ich für deutlich weniger Geld deutlich mehr Leistung. Auch kann man diese Steigerungen im alter abfangen. Bei mir kostet das jetzt 5 € im Monat mehr, damit ich später keine Alterszuschläge habe. Vielleicht hättest du dich beraten lassen sollen, denn ich habe rund 6 Monate lang Tarife verglichen und Erkundigungen eingeholt bis ich das hatte was ich wollte.

    Die Reform tut weh, aber ich denke nur so kann man einige aufrütteln. Wenn ich in meinem Kundenkreis schaue und mich da mal mit Ärzten unterhalte, dann wird mir manchmal schon ganz schön mulmig. Da sind Vorschriften zu finden, die unter aller Sau sind. So muss der Arzt z.B. einem Sozialhilfeempfänger das teure Medikament verschreiben und dem normalen Patienten das günstige. Kann mir einer sagen warum die Kassen das so verlangen? Ich nicht und ich seh darin auch keinen echten Sinn.

    Ein Problem ist sicher auch die Einstellung der Leute von heute. Bei einem kleinen Schnupfen rennt man sofort zum Arzt und lässt sich was verschreiben oder man schneidet sich und rennt auch sofort zum Arzt. Viele Besuche sind überflüssig, denn das könnte man alles mit einer guten Hausapotheke selber heilen. Das geht meist schneller und günstiger, als wenn man zum Arzt rennt.

    Aber die Kassen sind auch selber schuld an dem Problem. Bei mir im Nachbarort ist eine Niederlassung der AOK - sorry, dort sind zwei Niederlassungen, eine für freiwillig Versicherte und eine für Pflichtversicherte. Dort sitzen rund 10 Leute in zwei Büros verteilt. Da ich in letzter Zeit öfter hin musste wegen meiner Abmeldung bei dem Verein, stellte ich fest, das höchsten 4 Leute was zu tun hatten und zwar je zwei pro Büro. Der Rest hat Papierumeinandergestapelt oder Schwätzchen gehalten.
    So lange, wie die Kassen einen solchen Bürokratieaufwand betreiben, der unnötiges Geld verschwendet, so lange werden die Beiträge steigen. Bis die Kassen mal nicht umstellen, wird sich da nicht viel ändern und jede weitere Reform wird für die Katz sein.

    Und noch so ein Beispiel für die Bürokratie der Kassen.
    Seit neuestem müssen ja alle Diabetiker zu diesen neuen Untersuchungen. Das ist ja schön und gut, aber mein Hausarzt hat mir mal gezeigt was er dafür tun muss.
    Jeder dieser Patienten muss untersucht werden mit allen Labortests, dann muss er von Hand (es gibt keine Software für die Formulare) einen 4seitigen Fragebogen ausfüllen und diesen an die Kasse schicken. Das muss er für jeden einzelnen Patienten machen und er muss auch noch für jeden einen Ordner anlegen.

    Bei Akupunkturen übrigens genau das gleiche. Ich habe da eine Behandlung erhalten und musste insgesamt 4 Unterschriften leisten, nur für Bögen, die an die Kassen geschickt werden.

    Noch Fragen wo das Geld hingeht?
    Tu erst das Notwendige,
    dann das Mögliche
    und plötzlich schaffst du das Unmögliche.
    Franz von Assisi


  18. #18
    DerBademeister
    Gast

    Standard

    Gestern kam in den Nachrichten, dass die Verwaltungsgebühr für einen Patienten 157,00 EUR pro Jahr beträgt. Ich weiß nicht, ob das viel ist, aber daran allein wird es auch nicht liegen.
    Es ist so wie mit allem in Deutschland. Die Bürokratie verwaltet sich selbst, und das lässt die Kosten explodieren.
    Es gibt in diesem Land 300 Krankenkassen, und jede leistet sich eigene Verwaltung, Hierarchien, Vorstände...
    Ersichtlich daran, das in anderen Ländern das Gesundheitssystem billiger ist, und trotzdem mehr Leistungen bietet, als in Deutschland. Und da jeder Vorstand einer Kasse bei einer Zusammenlegung der Kassen seinen Job verlieren würde, und Vorstände nun mal mächtige Lobbyisten sind, wird sich daran auch nichts ändern. Dies ist nur eine der Begleiterscheinungen der Überbürokratisierung, wie man sie bei allen planwirtschaftlichen Bürokratiestrukturen in Deutschland findet.

  19. #19
    Kleiner SpacePub-Besucher
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    Ich bin ja persönlich auch der Meinung, daß viel Geld in der Bürokratie auf Nimmerwiedersehen verschwindet, aber stellt Euch doch mal vor, alle tatsächlich überflüssigen (und vielleicht auch einige der nötigen) Bürokraten würden über Nacht rausgeschmissen: Haufenweise Arbeitslose, die auch wieder dem Staat und somit allen auf der Tasche liegen würden.
    So lange nicht die allgemeine Wirtschaftslage besser wird und allgemein mehr Arbeit für alle zur Verfügung steht, wird weder die Gesundheitsreform oder sonst eine geldumverteilende Maßnahme was nützen.
    Das marode Gesundheitswesen ist meiner Ansicht nach nur ein Symptom von vielen...
    Worte sind Luft. Aber Luft wird zu Wind, und Wind macht die Schiffe segeln.

    Zorthans Freistatt

  20. #20
    Administrator Avatar von Dr.BrainFister
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    07.10.2004
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    Standard

    alles zum thema "planwirtschaft" wurde in
    thread verschoben.

    sorry, aber es schweifte dann doch ein wenig zu sehr dahin ab. außerdem entwickelte sich daraus doch eine interessante diskussion, die einen eigenen rahmen verdient.

    folgender kommentar von minas tirith , der sich mit einem zu planwirtschaft überschnitt, wurde dabei mit verschoben:

    von minas tirith:
    @katsis
    Das ist schon richtig was du sagst, aber so einfach geht's nun auch nicht wieder. Man muss ein Mittelmaß finden und das bedeutet halt, das auch ein paar Bürokraten weg müssen. Ich kann nicht auf der einen Seite sagen, wir müssen die Kosten senken, aber auf der anderen Seite die Kostenerzeuger behalten. Das widerspricht sich leider ein wenig.
    "Wissen sie woraus der Leberkäs gemacht wird? Aus den Resten der Knackwurst. Und die Knackwurst? Aus den Resten vom Leberkäs. So geht das ewig weiter: Leberkäs, Knackwurst, Leberkäs, Knackwurst..." - Simon Brenner (Josef Hader) in "Silentium"

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