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Thema: Existenzangst

  1. #1
    DerBademeister
    Gast

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    Ach herrje, wo bleibt denn dein Kampfgeist? Fidel wird jetzt jeden tag älter und älter, greiser und greiser, und so langsam weiß jeder was für ´n Arsch er ist. Wahrscheinlich kriegt er das nicht mal selber mit. Che Guevara hat schnell erkannt das regieren nicht für ihn ist und ist irgendwo in Bolivien ermordet worden. Tja Herr Kandidat, wie würden sie entscheiden? Ein langes Leben, in dem sie so vor sich hin leben, oder der schnelle Tod mit noch so etwas wie ´ner Vision im Kopf? Also ich kann auf ein ersteres verzichten. Ist aber Ansichtssache, ich weiß.
    Deine Assoziationsexzesse helfen Dir auch nichts mehr, wenn dann ein paar Schreiben vom Anwalt ins Haus flattern. Denen ist Deine Schreibtischphilosophierende Träumerei nämlich herzlich egal.

    Palavern kann jeder - wie gesagt: Das ist einfach. Wenn Du in der Situation bist wo es dann wegen einer Belanglosigkeit mal um Deine Existenz geht, dann siehst Du das etwas weniger durch die idealistische Brille.

  2. #2
    Administrator Avatar von Dr.BrainFister
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    Standard

    hab mir mal erlaubt, einen beitrag von herrn bademeister aus diesem thread
    herauszuschnippeln und aus dem für mich darin ersichtlichen kernthema eine diskussion zu eröffnen.

    is` recht, bade?
    ok.

    herr bade zitiert meinen mod-kollegen loser und macht ihn auf etwas aufmerksam, das den tagesablauf vom großteil der menschheit zu bestimmen scheint: existenzangst.
    die angst, seine existenz zu gefährden, zu schädigen... bishin sie zu verlieren. weg isse dann, die existenz. und was passiert nun? bewegen wir uns dann im luftleeren raum? in einem nichts, so wie vor dem urknall? fängt alles von vorne an oder ist alles vorbei? landen wir einfach auf der straße, dreht phoenix eine doku über uns?

    fragen über fragen... sicher sieht das bei jedem anders aus. ein selbstständiger handwerker betrachtet seinen betrieb als existenz. alles scheint daran gebunden. mit zusammenbruch des betriebes bricht seine existenz zusammen. selbstmord? oder... gibt es vielleicht eine andere art, weiter zu existieren? wie stehts mit der alternative. ist die existenz, die man hegt und plegt und schützt wie sein erstes schamhaar die einzig wahre, einzig mögliche, einzig lebenswerte?

    auswandern?
    naja, vielleicht im fernsehen.
    aber was sagt das wirkliche leben.
    hmmm, da fällt mir auf... die meisten hier im forum sind, was das betrifft sicherlich noch ziemlich grün hinter den ohren. ich meine, wann hatt es an eurer existenz schonmal gerüttelt? im großen und ganzen sind wir kinder wohlhabender eltern und hatten unsern popo immer schön im trocknen. dann vielleicht bei den eltern? hat deren existenzangst einfluss auf unser denken gehabt? haben sie uns infiziert? ja, angst ist ansteckend. paranoia sowieso.

    bademeister z.b. erzählt uns in dem eingangs erwähnten thread, dass er sich eins der ältesten und anständigsten gewerbe der menschheit (bzw. eine abwandlung davon) zunutze machte und ein erotik-forum betreibt. nun hatte ich noch nicht das vergnügen, sein sicher sehr originelles etablissement zu begutachten, jedoch bin ich überzeugt: es ist voll ok. bademeister schreibt weiterhin, er muss sich mit einer 30000,- EUR-klage rumplagen. das erotik-forum ist teil seiner existenz. warum will ihm jemand an die existenz? warum alles kaputt machen?
    bestimmt geht es ihm aber weniger ums erotik-forum. sicher schade um alle die schönen bilder...

    ...aber nein, es geht ja ums geld!
    ok, ich habe verstanden: geld ist existenz.
    müsste er die kohle berappen, dürfte er nicht mehr so ganz existieren. halt noch ein bisschen. sozusagen eine mini-existenz, existenz light... umso weniger geld, desto weniger existenz.

    dann gibts da nochwas, das diese formel stört... ein kumpel von mir lebt in einem wohnwagen. nicht falsch einschätzen: das ist kein lustiger surfer-gag von ihm, um unentschlossene muschies abzuschleppen. nee, er wohnt nicht am strand. außerdem geht er bereits auf die 60 zu. die masche ist es also nicht. mir kommts bei ihm vor als sei es überhaupt keine masche. nein, das ist seine existenz. er unterrichtet in einer schule, verdient gutes geld, hat ein durchwachsenes leben, ist hochqualifiziert, nahm an expeditionen (z.b. antarktis) teil... und das alles mit einer existenzgrundlage, die sich stets erneuerte, wandelte, korrigierte... wie auch immer. ich hatte seit ich ihn kenne nie das gefühl, er bange um sein existenz. hat er geld wie heu? er hat geld. aber nicht wie heu. ich erlebte eine phase, da war seine finanzielle situation recht unklar. trotzdem bewahrte er ruhe, verließ sich auf sich selbst. auf das eben, was seine definition von existenz ausmacht: leben.

    was das ist? leben...
    hmmm...
    was ist unser leben? sagt mal, wie siehts aus bei euch?
    job, studieren, mama, papa, tv, kino, alkohol, schick essen, party-freunde, sex, klamotten...
    durchschnitt?
    alles das gleiche. ein allgemein gelebtes modell von existenz?
    erstes geld ---> auto ---> schnieke wohnung ---> geldanlage ---> ...

    wann in eurem leben habt ihr schon mal den sprung zur seite gewagt? ja, seitensprung! die klar definierte existenz betrügen. fremdgehen... mit der "vision". loser spricht von der "vision". bademeister spricht von "schreibtischphilosophierende Träumerei" und "idealistische Brille".
    ich bin 23. bademeister ist etwas jünger als ich. sind wir aber beide schon zu alt für visionen?
    dürfen menschen mit einer soliden existenz bzw die, die sie sich schaffen, nicht träumen? visionslos, jeder tag mustergültig. deswegen kiffen also so viele in meinem umfeld. deswegen die flucht in sex, gefummel, medienlandschaften... wer keine visionen haben darf, muss wenigstens einen geschmack davon bekommen. ein häppchen. leckerlie.
    aber ohne belohnung.

    oder doch?
    natürlich...
    denn immerhin bleibt die existenz.
    DIE existenz.

    und:
    warum keine andere?
    "Wissen sie woraus der Leberkäs gemacht wird? Aus den Resten der Knackwurst. Und die Knackwurst? Aus den Resten vom Leberkäs. So geht das ewig weiter: Leberkäs, Knackwurst, Leberkäs, Knackwurst..." - Simon Brenner (Josef Hader) in "Silentium"

  3. #3
    DerBademeister
    Gast

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    bademeister z.b. erzählt uns in dem eingangs erwähnten thread, dass er sich eins der ältesten und anständigsten gewerbe der menschheit (bzw. eine abwandlung davon) zunutze machte und eine pornoseite betreibt. nun hatte ich noch nicht das vergnügen, sein sicher sehr originelles etablissement zu begutachten, jedoch bin ich überzeugt: es ist voll ok. bademeister schreibt weiterhin, er muss sich mit einer 30000,- EUR-klage rumplagen. das porno-forum ist teil seiner existenz. warum will ihm jemand an die existenz? warum alles kaputt machen?
    bestimmt geht es ihm aber weniger ums porno-forum. sicher schade um alle die schönen bilder...
    Mal ein kleiner Einwurf.
    Ich würde Erotik nicht mit Pornographie gleichsetzen, auch wenn das viele etwas einfachere Gemüter besonders jüngerer "Kids" gerne machen.

    Vielen Dank.

    Edit:
    Habe ordnungsgemäß umgändert: Porno ---> Erotik

    schade, dass du sonst nix zu sagen hast.

    Der Schrott-Mod

  4. #4
    DerBademeister
    Gast

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    Ich könnte noch eine banale Weisheit meines Vorgeborenen zum Besten geben, die da lautet:

    "Das Leben ist kein Picknick".
    Der Spruch
    "Nur die Harten kommen in den Garten"

    gefällt mir übrigens auch ganz gut.

    Ich weiss nicht was Loserli beruflich macht, wie er sein Geld verdient. Irgendwoher wird's ja kommen, sonst könnte er es sich nicht hier mit uns beim Eierkraulen vor'm Forumskamin gemütlich machen.

    Ich pers. habe wenig Bock, wegen einem Abzockerverein zu Beginn meiner Berufsausbildung gleich mal gepfändet zu werden, und meine Zukunft versaut zu bekommen.
    Weiss aber nicht ob der ein oder andere Idealist das nachvollziehen kann. Ich würde ja auch gerne auf Takatukaland wohnen, und mich einfach von Kokosnüssen und gebratenen Papageien ernähren und mit den Frauen auf der Insel ein bischen "Blaue Lagune" spielen, aber leider geht das ja nicht. Pech wenn man in Deutschland wohnt.

    Sehr viel mehr kann man dazu nicht sagen, da mit dem Rest Deines Beitrags ausnahmsweise mal wenig anzufangen ist. Zumindest für mich. Vielleicht fällt Loser ja mehr dazu ein, er ist da augenscheinlich erfahrener.

    Danke übrigens für den Erotikedit. Zur Belohnung schicke ich Dir mal ein richtig schönes Nippelbild, dass Mouse neidisch werden würde (auch wenn er sicher auch nette Nippel hat, doch es ist eben nicht dasselbe). Aber per PM, damit die Talibanpolizei in der Kaserne bleibt.

  5. #5
    Homer Sapiens
    Gast

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    Existenzangst, ein interessantes Thema, gerade weil ich ihm erst kürzlich ausgesetzt war.

    Ich bin immer wieder aus tiefsten Herzen traurig über die Menschen die jahre, sogar Jahrzehntelang, ihren Buckel für den meistens mies gelaunten Chef krumm gemacht haben, fast als erstes ihre Sachen packen würden, wenn es darum geht die Ausgaben zu minimieren um die Auftragsflaute auszugleichen. Ich sage fast als erstes weil kurz vorher noch gerade frisch übernommene Ausgebildete und Auszubildende gefeuert werden, was meiner Meinung nach ein katastrophaler Fehler ist.

    Selbst wenn die Aussichten alles andere als rosig wären, mit einer frischen und noch unverbrauchten Arbeitergemeinschaft läßt sich aus meiner Erfahrung mehr anfangen als mit Menschen, die bereits innerlich aufgegeben haben und nur noch die Hetzerei ihrer Vorgesetzten aushalten um die exzessiven Einkaufsgelüste ihrer Frau und den faulen Studentensohn zu finanzieren. Aber so denkt in Deutschland ja niemand, warum sollte ich denn schon in die Jugend setzen wenn ich auch alte Arbeitskräfte habe, denen ich schon gehörig den Marsch geblasen habe. Eine Weiterführung des Arbeitsverhältnis der jüngeren Generation würde doch nur erneut Zeitaufwand und Eigeninitiative für den Chef bedeuten um diesen Jungspunden zu zeigen wer das Sagen hat.

    Ich persönlich arbeite ja am liebsten in einer Ich-Ag, jeder ist sich selbst der nächste. Man kann sich zwar keinen Sündenbock suchen wenn man mal so richtig Scheisse gebaut hat aber dafür gibt es individuelle Arbeitszeiteinteilung, exklusive weibliche Kundenbetreuung und man weiß zu jeder Zeit welcher Depp nichts für sein Geld tut.

  6. #6
    DerBademeister
    Gast

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    Das ist ein recht ambivalentes Thema.
    Insofern, da wir einerseits eindeutig gerontokratische Tendenzen haben in unserer Arbeitsgesellschaft (Bevorzugung älterer Arbeitnehmer), andererseits in vielen Fällen das Gegenteil der Fall ist. Da gilt dann ein regelrechter Jugendkult.

    So ist es nicht zu rechtfertigen, dass Menschen die mit 50 arbeitslos werden, keinen Job mehr kriegen. Die Personalchefs rechtfertigen dass dann mit der Begründung, dass sie zu alt wären, und somit nicht mehr so belastbar wie ihre jüngeren Konkurrenten.
    Studien haben nur bewiesen dass dies überhaupt nicht der Fall ist, und sie zudem durch die größere Erfahrung sogar Vorteile haben können - was aber die Einsteller der Republik nicht zu tangieren scheint.
    50 ist noch harmlos, in vielen Jobs bist Du ja schon mit 40 zu alt.

    Ich persönlich arbeite ja am liebsten in einer Ich-Ag, jeder ist sich selbst der nächste. Man kann sich zwar keinen Sündenbock suchen wenn man mal so richtig Scheisse gebaut hat aber dafür gibt es individuelle Arbeitszeiteinteilung, exklusive weibliche Kundenbetreuung und man weiß zu jeder Zeit welcher Depp nichts für sein Geld tut.
    Der Begriff "Ich-Ag" ist für mich schon ein Witz, da die Ich-Ag nur ein illusionäres Konstrukt ist, welches Herrn Clement dazu dient, die reale Arbeitslosigkeit massiv zu drücken, indem er hunderttausende Bürger in solche AG's transferiert. Man halte sich vor Augen, dass die reale Arbeitslosenzahl in unserem Land ohne Papier Ich-AG's, ABM's etc. bei über 6 Millionen Menschen liegt. Das muss man den Politikern lassen, 1,5 Millionen Menschen einfach aus den Statistiken verschwinden zu lassen ist eine Leistung, die selbst Winston "Ich glaube keiner Statistik die ich nicht selber gefälscht habe" Churchill vor Neid erblassen lassen würde.

    Nennen wir es lieber Selbstständigkeit. Und da macht unser Staat seinen Bürgern es ja auch alles andere als leicht. Die Eröffnung eines Unternehmens dauert mit den Formalismen in Deutschland 30 Tage. In Dänemark, unserem schnuckeligen kleinen nördlichen Nachbarn, geht man in die nächste Arbeitsagentur (und die heißen anders als hier nicht nur vom Namen so), stellt die nötigen Unterlagen mit einem Kundenbetreuer (Kunden, nicht Bittsteller) zusammen, und verlässt das Gebäude drei Stunden später als frischgebackener Unternehmer.
    Nicht ohne Grund ist die Existenzgründungsquote ein Witz, und der Mittelstand bricht immer mehr ein, weil die massiven mittelständischen Insolvenzen (dieses Jahr 40000) nicht mehr kompensiert werden. Und da verpulvert Gerd keine werbewirksamen (letztendlich effektlose) 100 Mio Steuergelder wie bei Holzmann.

  7. #7
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    Vielleicht fällt Loser ja mehr dazu ein, er ist da augenscheinlich erfahrener.
    Vielleicht. Aber ja, mir fällt dazu einiges ein. Allerdings nichts für ´ne sachliche Diskussion. Denn es ist doch so bei diesen Themen: Entweder schreibt man ´n Haufen persönliches Zeug, was keinen zu interessieren hat, oder man klinge wie ´n Schreibtischtäter der von Nichts ´ne Ahnung hat. Bilde ich mir zumindest ein, und darauf kommt es ja an.

    Irgendwo hab hier ich mal vor langer Zeit geschrieben das die Leute sich nicht immer über ihren Beruf definieren soll. Bei dem bleib ich aber. In dem Zusammenhang find ich folgenden Bericht aus der Sueddeutschen recht interessant:

    5 Euro 40 Cent / "Das ist ein Hungerlohn!"

    Interessant ist ja das trotz einer BILDkampagne zum Thema Billigjobs kein Gesetz zum Thema verabschiedet wurde. Dabei ist es sicherlich nicht witzig für 5,40 zu arbeiten. Aber mittlerweile glaubt wohl auch der BILDleser was für ´s faules, verwöhntes, überversorgtes und vollgefressenes Pack in Deutschland lebt.

    Ein anderes Thema? Nicht unbedingt.

    Auch folgendes passt wahrscheinlich nur bedingt. Ein Filmtipp:

    After Life

    heißt er, kommt aus Japan und zu verdanken hat man ihn Hirokazu Kore-eda.

    Der Film spielt größtenteils in einem netten Gebäude und die Protagonisten sind allesamt Beamte. Am Anfang jeder Woche kommt eine Reihe von Leuten zu Besuch um die sie sich kümmern müssen. Bleiben tun die Kunden aber nur 7 Tage. Dann reisen sie weiter.

    Während der ersten 3 Tage müssen die Beamten den Kunden dabei helfen den schönsten Augenblick in deren Leben zu finden. Denn die Kunden sind allesamt tot. Der schönste Moment in ihrem Leben wird dann später nachgespielt. Am Ende der 7 Tage gehen die Besucher dann, sie werden alles vergessen, und von da an werden sie diesen einen Moment im Leben für immer wieder erleben dürfen.

    Da gibt es z. B. dieses eine Mädchen das mit großen Augen erzählt wie schön der eine Tag in Disneyland war. Sie muss dann aber erfahren, dass schon viele vor ihr dasselbe gesagt haben. Wieso verliert er dann plötzlich so an wert? So viel sei verraten, sie entscheidet sich für etwas viel schöneres.

    Klingt alles kitschig, wird aber verblüffend nüchtern präsentiert.

    Ja, das hat was mit Existenz zu tun. Schließlich kann das Leben schneller vorbei sein als man denkt. Also ich will nicht das es mir so wie dem alten Mann geht, dem einfach nichts Schönes einfällt, und verbittert zurückguckt.

    Aber ich weiß, bei all dem sind sich die Menschen meist einig. Bloß ändern tut doch eh kaum einer etwas. Wir machen einfach so weiter. Außer man hat das Glück / Pech und wird ordentlich aus der Bahn beworfen. Erst dann ändert sich alles und man fragt sich wieso man vorher so ein Feigling war.
    "Both destiny's kisses and its dope-slaps illustrate an individual person's basic personal powerlessness over the really meaningful events in his life: i.e. almost nothing important that ever happens to you happens because you engineer it. Destiny has no beeper; destiny always leans trenchcoated out of an alley with some sort of Psst that you usually can't even hear because you're in such a rush to or from something important you've tried to engineer."

  8. #8
    DerBademeister
    Gast

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    Interessantes Posting, wenn auch nur minimal mit dem bisherigen, eher ökonomisch und weniger soziologisch angehauchten Thema, verwandt.

    Vielleicht. Aber ja, mir fällt dazu einiges ein. Allerdings nichts für ´ne sachliche Diskussion. Denn es ist doch so bei diesen Themen: Entweder schreibt man ´n Haufen persönliches Zeug, was keinen zu interessieren hat, oder man klinge wie ´n Schreibtischtäter der von Nichts ´ne Ahnung hat. Bilde ich mir zumindest ein, und darauf kommt es ja an.
    Ohne ein gewisses Maß an Persönlichem scheint es ja irgendwie nicht zu gehen bei gewissen Themen, wenn ich an den Frauen/Männerthread denke. Zumal persönliche Erfahrungen auch für Diskussionspartner wertvollere Informationen sein können als irgendwelche Linkverweise auf Spiegel und Süddeutsche.

    Interessant ist ja das trotz einer BILDkampagne zum Thema Billigjobs kein Gesetz zum Thema verabschiedet wurde. Dabei ist es sicherlich nicht witzig für 5,40 zu arbeiten. Aber mittlerweile glaubt wohl auch der BILDleser was für ´s faules, verwöhntes, überversorgtes und vollgefressenes Pack in Deutschland lebt.
    "Teile und Herrsche" - ein uraltes Machtprinzip was N. Machiavelli lediglich in eine kohärente Form goß. Politiker, Medienmagnaten und Wirtschaftsbosse (also die Klasse reicher und mächtiger Bonzen) reiben sich die Hände. Sie hetzen die Bevölkerung gegeneinander auf. Die Arbeitenden gegen die Arbeitssuchenden, die Arbeitssuchenden gegen die Arbeitslosen. Und während der Arbeitende auf den 6 Millionen vermeintlicher Schmarotzer (die existieren, aber nur einen Bruchteil ausmachen - die meisten Menschen würden dem Papst für 'nen Job die Füße küssen) rumhackt, entgeht ihm das Wesentliche. Das wir nämlich vier Bonzenparteien haben, die nur noch Politik für ihres Gleichen machen: Reiche Bonzen. Dass wir Wirtschaftsbosse haben, die sich ihre Gehälter in der letzten Dekade um 100 % erhöht haben, während die Gehälter ihrer Angestellten nur um 40 % stiegen. Mitunter sogar Leute wie Herrn Esser, die 9 Monate bei einem Unternehmen arbeiten, sich mit 30 Millionen Euro Aktionärsvermögen kaufen lassen, somit 10000 Existenzen (von Leuten die da länger als 9 Monate gearbeitet haben) vernichten, und das hinterher "Werteschaffung" nennen und sich noch darüber beschweren, dass ihre Belohnung für diese Wohltat nur ein Hundertstel des branchenüblichen Satzes gewesen sei, und man ihnen für ihre Bescheidenheit eigentlich jede Menge Respekt schulde.
    Solange Leute wie Esser, Schröder, Ackermann oder Frau Merkel schön die Menschen gegeneinander aufhetzen, die eigentlich alle im selben Boot hocken (die normale arbeitende/nicht arbeitende Bevölkerung), solange können sie sich fröhlich weiter die eigene Tasche mit Macht und Geld stopfen.

    Zum SZ-Artikel:
    Traurig und deprimierend. Es ist augenscheinlich, dass man beim Aufbau Ost eben den Karren von hinten aufgezäunt hat. Statt heute zuzusehen wie die wirtschaftliche Zwangslage sich ihren Niedriglohnsektor selber schafft, hätte der deutsche Staat vor 14 Jahren gesetzlich einen schaffen müssen. Dann ständen diese Regionen wo man jetzt selbst mit 8 Stunden Arbeit am Tag kein Essen mehr auf den Tisch bringen kann, nicht so beschissen da. Und irgendwie glaube ich nicht dass das Geld weniger wird, sondern lediglich mehr von unten nach oben verteilt wird. Habe mir gerade mal ausgerechnet, dass die ALDI-Brüder (Klaus und Theo Albrecht) ein Privatvermögen haben mittels dem sie 2.500.000 Bundesbürgern die Schulden (nach der Durchschnittlichen Pro Kopf Verschuldung) tilgen könnten. Zwei Männer. Zweikommafünfmillionen verschuldete Bürger.

    Bei dem bewundernswerten Mann der da für nen Appel und nen Ei arbeitet muss ich an ein Gedicht von Albert Schweizer denken:
    Ich will unter keinen Umständen ein Allerweltsmensch sein.
    Ich habe ein Recht darauf, aus dem Rahmen zu fallen, wenn ich es kann.
    Ich wünsche mir Chancen, nicht Sicherheiten.
    Ich will kein ausgehaltener Bürger sein, gedemütigt und abgestumpft, weil der Staat für mich sorgt.
    Ich will dem Risiko begegnen, mich nach etwas zu sehnen und es zu verwirklichen, Schiffbruch au erleiden und Erfolg zu haben.
    Ich lehne es ab, mir den eigenen Antrieb mit einem Trinkgeld abkaufen zu lassen.
    Lieber will ich den Schwierigkeiten des Lebens entgegentreten als ein gesichertes Dasein führen, lieber die gespannte Erregung des eigenen Erfolgs als die dumpfe Ruhe Utopiens.
    Ich will weder meine Freiheit gegen Wohltaten hergeben noch meine Menschenwürde gegen milde Gaben.
    Ich habe gelernt, selbst für mich zu denken und zu handeln, der Welt gerade ins Gesicht zu sehen und zu bekennen, dies ist mein Werk.



    Auch folgendes passt wahrscheinlich nur bedingt. Ein Filmtipp:

    After Life
    Die Geschichte kommt mir sehr bekannt vor, auch wenn ich nicht weiss ob ich den Film gesehen habe. Erinnerungen an Dead Like Me werden wach. Setze ich doch gleich mal auf meine "To Do" Liste.

    Da gibt es z. B. dieses eine Mädchen das mit großen Augen erzählt wie schön der eine Tag in Disneyland war. Sie muss dann aber erfahren, dass schon viele vor ihr dasselbe gesagt haben. Wieso verliert er dann plötzlich so an wert? So viel sei verraten, sie entscheidet sich für etwas viel schöneres.
    Die Sucht nach Einzigartigkeit, den einzigartiges hat immer einen besonderen Wert. Sobald sie erfährt dass sie nicht die erste ist, zerstört das die Einzigartigkeit ihrer Erinnerung.

    Ich musste dabei unweigerlich an den wunderbaren Film "Und täglich grüßt das Murmeltier" denken, wo ein Zyniker den schlimmsten Tag seines Lebens immer wieder erleben muss, bis er beschließt sein Leben endlich zu ändern.

    Also ich will nicht das es mir so wie dem alten Mann geht, dem einfach nichts Schönes einfällt, und verbittert zurückguckt.
    Einsam und allein und voller Reue über verpasste Gelegenheiten in einem Bett einen langsamen Tod zu sterben - es gibt nichts schlimmeres.

    Ja, das hat was mit Existenz zu tun. [...] Schließlich kann das Leben schneller vorbei sein als man denkt.

    Aber ich weiß, bei all dem sind sich die Menschen meist einig. Bloß ändern tut doch eh kaum einer etwas. Wir machen einfach so weiter. Außer man hat das Glück / Pech und wird ordentlich aus der Bahn beworfen. Erst dann ändert sich alles und man fragt sich wieso man vorher so ein Feigling war.
    Schlechte Zeiten bzw. sie begleitende / durch sie ausgelöste Erlebnisse sind die Zeiten wo wirkliche Weiterentwicklung stattfindet, wo Menschen über das was sie sind hinauswachsen, einfach weil sie Dinge überwinden die schwer sind. Warum gelangt die Literatur immer in Zeiten der Krise zu höchster Blüte? Gilt für die Gesellschaft wie für den einzelnen Menschen.
    Früher habe ich mir immer gewünscht die nicht erlebt zu haben, und genauso wie die normalen Menschen aufgewachsen zu sein. Bis ich erkannt habe (klingt natürlich arrogant, fuck it) dass die mich zu etwas Besonderem machen. Weil man dadurch die Guten Zeiten erst schätzt, und sie, besonders die Kleinigkeiten ("Le fabuleux destain d'Amelie Poulain" ist ein schöner Film über Kleinigkeiten) viel bewusster erleben und genießen kann als Menschen, denen die Vergänglichkeit nicht bewusst ist, und die einfach vor sich hin leben.
    Wenn Du mal fast den Löffel abgegeben hättest, wenn der Mensch den Du liebst um ein Haar völlig sinnlos draufgegangen wäre, dann wirst Du gezwungen über gewisse Dinge nachzudenken die Du normal weit von Dir schiebst. Nämlich dass das Leben etwas sehr zerbrechliches ist (das was man liebt kann 25 Jahre bis zum Blühen gebraucht haben, aber in 5 Sekunden ausradiert werden), schützenswert und kostbar. Und es jederzeit aus jedem beliebigen Grund (Blitz beim Scheissen) enden kann.

    Die ideale Lebensphilosophie ist die, jeden Tag so zu leben als wäre es sein Letzter. Das klingt weit hergeholt und etwas klischeebeladen, wie aus einem schlechten Hollywoodfilm. Man muss drüber nachdenken.
    Die meisten Menschen leben eben ihr Leben vor sich hin. Sie verharren in ihren Bequemzonen, riskieren nie etwas, sind sich des Augenblicks nich bewusst, und zu feige Gelegenheiten zu ergreifen. Sie haben zuviel Angst diese Bequemzonen zu verlassen, und kaschieren es mit Ausreden. Das sind die "Wenn _______ nicht wäre würde ich _____ tun". Gründe beliebig einsetzbar. "Wenn ich noch etwas warte und ich auf die richtige Gelegenheit warte hätte ich eine Chance bei der Kleinen um die Ecke." "Wenn ich nicht immer soviel zu tun hätte, würde ich meinen Chef auf die längst fällige Beförderung ansprechen." Wenn, würde, wäre. Ein Leben der Konjunktive. Ein Leben des "Kann ich morgen noch machen und des "Irgendwann mal".

    Ein Mensch hingegen der nach obiger Philosophie lebt kann sich das schlichtweg nicht leisten. Dieser Mensch kennt kein würde wäre, er tut das was er für richtig hält. Er ergreift die Gelegenheiten wenn sie sich bieten, er riskiert was. Er sagt sich nicht "könnte ich morgen machen", er sagt sich "Mach ich Heute". Denn ihm ist bewusst das es kein Morgen geben kann.
    Es ist irrelevant ob so ein Mensch 30 Jahre oder 60 wird, denn wenn er stirbt braucht er keine Reue über verpasste Gelegenheiten verlieren, und er kann jederzeit abtrete im Bewusstsein seine Angelegenheiten erledigt zu haben.

    Warum also sollte man nur wegen Schmerzen, oder dem was Loser "Aus der Bahn werfen" nennt so sein wollen wie Menschen die zur Wäre Wenn-Gruppe gehören? Die können letztendlich 100 Jahre alt werden, und werden trotzdem dumm und unbefriedigt sterben.
    Deshalb ist meiner Meinung nach der Unterschied zwischen gewöhnlichen und außergewöhnlichen Menschen nicht in den ihnen von ihren Genen mitgegebenen Fähigkeiten zu suchen, sondern in der Art wie sie ihr Leben leben. Selbst so ein Genie wie Einstein würde heute keine Sau kennen, wäre der ein Wäre Wenn-Mensch gewesen. Da helfen alle grauen Zellen nix.

    "Wissen die Menschen die ich liebe, das ich sie liebe?"
    "Wissen die Menschen die ich hasse, dass ich sie hasse?"
    "Kennen die Menschen die ich kennen die Art wie ich gelebt habe?"
    "Habe ich meine Möglichkeiten ausgeschöpft, versucht das Beste aus mir zu machen?"

    Wenn man mal abtritt und das von sich sagen kann hat man einen guten Schnitt gemacht.

    Mein Lieblingsdichter Ralph Waldo Emerson hat das in bessere Worte gepackt, also werde ich mal wieder den Zitate-hammer auspacken. Ja ich weiss, Brain - selber denken.

    Lieblingszitat und Lebensmotto:
    To laugh often and much;
    To win the respect of intelligent people and the affection of children;
    To earn the appreciation of honest critics and endure the betrayal of false friends;
    To appreciate beauty, to find the best in others;
    To leave the world a bit better, whether by a healthy child, a garden patch or a redeemed social condition;
    To know even one life has breathed easier because you have lived.
    This is to have succeeded.
    Weitere Zitate:

    Finish each day and be done with it. You have done what you could; some blunders and absurdities have crept in; forget them as soon as you can. Tomorrow is a new day; you shall begin it serenely and with too high a spirit to be encumbered with your old nonsense.
    So spart man sich überflüssiges grübeln.

    A chief event of life is the day in which we have encountered a mind that startled us.
    Davor haben viele 'nen Heiden Schiss.

    All life is an experiment. The more experiments you make the better.
    Wahr.

    The reward of a thing well done, is to have done it.
    Weiss jeder der mal einen Berg besteigt, das "Mir tut alles weh ich will aufhören" besiegt was einem alle Glieder entgegenschreien, und anschließend den Blick vom Gipfel genießt.

    To fill the hour—that is happiness.
    Deswegen sind die wichtigsten Menschen die, mit denen man dies tun kann.

    Nothing great was ever achieved without enthusiasm.
    Auch wahr.

    Whatever you do, you need courage. Whatever course you decide upon, there is always someone to tell you that you are wrong. There are always difficulties arising that tempt you to believe your critics are right. To map out a course of action and follow it to an end requires some of the same courage that a soldier needs. Peace has its victories, but it takes brave men and women to win them.
    Ohne Menschen die auf die Einflüsterungen anderer pfeiffen säßen wir noch auf den Bäumen und würden Nüsse knacken. "Wieso gehst Du auf den Boden, hier auf den Bäumen ist es doch viel schöner, bleib doch hier?" "Vielleicht ist es auf dem Boden auch schön? Werde ich ja sehen wenn ich da bin" <- Fortschritt

    Extra für Loser:
    Make yourself necessary to someone.
    Musste sein. Zwinkersmiley bitte dazu denken.

    It was a high counsel that I once heard given to a young person, ‘Always do what you are afraid to do.’
    Dafür gilt dasselbe wie für den bestiegenen Berg.

    So, genug damit den Thread mit den geistigen Leistungen anderer zuzuhauen (die klingen aber einfach besser, und in Englisch sowieso - Englisch ist nun mal "cooler"), ich mach&#39; Feierabend.

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