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Thema: Auch im Vietnamkrieg wütete der Yankee, da werden

  1. #1
    DerBademeister
    Gast

    Standard

    Ich werde den folgenden Artikel mal entgegen meiner Gewohnheiten komplett abkopieren. Ich würde ihn nämlich gerne dauerhaft auf einem Forum sichern (Spiegel verschiebt seine Artikel ja nach 2-3 Monaten in ein kostenpflichtiges Archiv).

    Als ich seinerzeit (vor 6 Wochen, vor dem Folterskandal) diesen Beitrag durchlas, musste sogar ich mir eingestehen, von der Schilderung dieser Vorfälle doch überrascht worden zu sein. Man meint ja, was Amerika angeht, dass einen nichts mehr schocken kann, aber DAS HIER?

    Wenn ich das mit irgendwas vergleichen will, fallen mir nur noch die SS-Totenkopfverbände und ihre Metzelzüge in Italien und Griechenland ein. Nur dass die bei Bekanntwerden gehängt wurden, während unsere Yankee-schlächter heute als Rentiers oder ganz normale Angestellte in ihrem schönen freien Land leben und arbeiten, statt gesiebte Luft zu atmen.

    Andererseits ist die lasche Behandlung von Kriegsverbrechern in den USA nichts Neues. Lt. William Caley, der Kommandant der Einheit die das wohl "berühmteste" Vietnamkriegsmassaker in My Lai beging (200 alte Männer, Frauen und Kinder wurden abgeschlachtet), wurde seinerzeit von Pres. Nixon nach 3 Jahren Haft begnadigt und freigelassen. Irgendwie traurig, ein Ladendieb kriegt lebenslänglich, und ein Menschenschlächter drei Jahre. Muss wohl daran liegen, dass es nur um wertlose Schlitzaugen ging. Also nicht um echte Menschen. Dann ist's ja nicht so tragisch, oder?

    Die Amerikaner machen es mittlerweile selbst einem differenziert denkendem Menschen, der nicht mit der üblichen antiamerikanischen Basherei in einen Topf geworfen werden will, sehr, sehr schwer, sie zu mögen. Bzw. nicht anzufangen eine Abneigung zu zeigen deren Weg zu Hass nicht mehr weit ist.
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    http://www.spiegel.de/panorama/0,1518,295224,00.html

    Die Männer der Tiger Force mähten wehrlose Bauern nieder, schnitten ihren Opfern die Ohren ab und enthaupteten Babys: Monatelang recherchierten Journalisten der amerikanischen Lokalzeitung "Toledo Blade" die blutige Spur der US-Eliteeinheit im Vietnam-Krieg. SPIEGEL ONLINE hat den Report übersetzt, der jetzt mit dem Pulitzer-Preis ausgezeichnet wurde.


    AP
    US-Soldat, vietnamesische Zivilisten: "Gott vergebe euch"
    Quang Ngai, Vietnam - Die zehn älteren Bauern hatten auf dem offenen Reisfeld keine Chance. Auf der einen Seite der Fluss, auf der anderen die Berge. Dazwischen rückten die Soldaten immer näher: eine amerikanische Elitetruppe, bekannt unter dem Namen Tiger Force.

    Die Bauern waren unbewaffnet, doch das machte keinen Unterschied. Am 28. Juli 1967, dem Tag, an dem die Sondertruppe den Ort erreichte, war niemand sicher.

    Niemand.

    Als die Kugeln flogen, fiel einer nach dem anderen, die Flucht erschwert durch das Dickicht an Grünpflanzen und den Schlamm. Binnen Minuten war alles vorbei. Vier waren tot, weitere verwundet. Einige überlebten, weil sie regungslos im Schlamm verharrten.

    Später erinnerten sich vier der Soldaten an den Überfall: "Wir wussten genau, dass die Bauern unbewaffnet waren", sagte einer, "aber wir haben sie trotzdem erschossen."

    Der grundlose Überfall ist einer von vielen, den die hoch dekorierte Militäreinheit im Vietnam-Krieg ausführte. Das ergaben achtmonatige Nachforschungen von "The Blade", einer Regionalzeitung im US-Bundesstaat Ohio.

    Das Platoon - ein kleiner, hervorragend ausgebildeter Trupp von 45 Fallschirmjägern, der ursprünglich als Spähtrupp gedacht war - geriet zwischen Mai und November 1967 völlig außer Kontrolle.

    Sieben Monate lang zog die Tiger Force über das vietnamesische Zentral-Hochland und metzelte dabei Dutzende unbewaffneter Zivilisten nieder. Einige Opfer wurden gefoltert und verstümmelt. Diese Gewalttaten waren der amerikanischen Öffentlichkeit bislang unbekannt.

    Die Männer der Elitetruppe warfen Handgranaten in unterirdische Bunker, in denen sich Frauen und Kinder versteckt hielten, und schufen so Massengräber. Sie erschossen unbewaffnete Zivilisten, die um ihr Leben flehten. Oft folterten und erschossen sie ihre Gefangenen, dann schnitten die Soldaten ihren Opfern die Ohren ab oder skalpierten sie - als Souvenir.

    Eine Durchsicht von Tausenden von geheimen Armeedokumenten, Unterlagen aus US-Nationalarchiven und Funk-Aufzeichnungen geben Einblicke in die Praktiken einer Kampfeinheit, die die umfangreichste Serie von Gräueltaten im Vietnam-Krieg beging. Die verantwortlichen Kommandeure sahen einfach weg.

    Die Recherchen der US-Armee erstreckten sich über viereinhalb Jahre, zahlreiche Augenzeugen wurden ausfindig gemacht, die die Kriegsverbrechen der Einheit bestätigten. Schließlich wurden die Akten jedoch in den Archiven vergraben - drei Jahrzehnte lang. Niemand wurde dafür jemals zur Rechenschaft gezogen.




    "The Blade"

    Den diesjährigen Pulitzer-Preis für investigativen Journalismus verdankt die Lokalzeitung "Toledo Blade" aus Ohio nicht nur hartnäckiger Recherche. Mindestens ebenso wichtig war, dass die Chefredaktion des Blattes die vermeintlich unpatriotische Reportage über amerikanische Kriegsgräuel in Vietnam trotz Gegenwinds veröffentlichte.
    WEITER
    Keiner weiß genau, wie viele unbewaffnete Männer, Frauen und Kinder dieser Truppe vor 36 Jahren zum Opfer fielen. Die Unterlagen sprechen von mindestens 81 Opfern, die Schuss- oder Stichwunden erlagen. Aber viele weitere wurden umgebracht - unter eindeutiger Verletzung der US-Militärgesetze und der Genfer Konventionen von 1949.

    Bei über 100 Interviews, die "The Blade" mit ehemaligen Soldaten der Tiger Force sowie vietnamesischen Zivilisten führte, stellte sich heraus, dass in diesen sieben Monaten Hunderte von unbewaffneten Zivilpersonen ihr Leben verloren.

    "Keiner hat Buch geführt", so der ehemalige Gefreite Ken Kerney, heute Feuerwehrmann in Kalifornien. "Ich wusste, was wir taten, war nicht richtig, aber so war es eben."

    Viele Einzelheiten der Geschehnisse im fraglichen Zeitraum sind unbekannt: Unterlagen aus den Nationalarchiven sind verschwunden, Täter und Zeugen sind verstorben. In vielen Fällen erinnern sich die Soldaten zwar an die begangenen Taten und den ungefähren Ort, jedoch nicht an genaue Daten.

    Nur eines ist klar: Fast vierzig Jahre später können noch immer viele die brutalen Verbrechen an den Bauern nicht vergessen - weder die vietnamesische Dorfbewohner noch die ehemalige Tiger-Force-Soldaten.

    "Wir waren total außer Rand und Band", erklärte der damalige Sanitäter Rion Causey, 55. Causey ist heute Atomingenieur und fragt sich selbst: "Auch wenn das alles 30 Jahre her ist - wie können manche Leute ruhig schlafen?"

    Die Zeitung "Toledo Blade" fand heraus:


    Die Kommandeure waren sich über die Gräueltaten der Truppe 1967 durchaus im Klaren und ermutigten in einigen Fällen die Soldaten sogar weiterzumachen.


    Zwei Soldaten, die sich gegen die Untaten aussprachen, wurden von ihren Befehlshabern verwarnt, den Mund zu halten, bevor sie in eine andere Einheit versetzt wurden.


    Zwischen Februar 1971 und Juni 1975 ermittelte die US-Armee in 30 Verdachtsfällen von Kriegsverbrechen gegen Mitglieder der Tiger Force, mit dem Ergebnis, dass insgesamt 18 Soldaten derartiger Verbrechen bezichtigt wurden, darunter Mord und tätliche Übergriffe. Keiner der Schuldigen wurde je formell angeklagt.


    Sechs Soldaten, die Kriegsverbrechen verdächtigt wurden, darunter ein Offizier, wurde gestattet, während der Nachforschungen in den Ruhestand zu treten. Damit konnten sie sich dem Bereich militärischer Ermittlungen entziehen.


    Den Unterlagen zufolge gelangten die Ergebnisse der Recherchen bis in die Reihen der obersten Heeresführung, auch der Verteidigungsminister selbst hatte Kenntnis. Dennoch geschah nichts.


    Spitzenleute im Weißen Haus, so auch John Dean, ehemaliger Chefberater von Präsident Richard Nixon, erhielten regelmäßige Berichte über die Fortschritte der Ermittlungen.


    Bis heute verweigern die Ermittler der US-Armee die Herausgabe von Tausenden von Unterlagen, die aufklären könnten, was genau geschah und warum die Sache unter den Teppich gekehrt wurde. Armeesprecher Joe Burlas erklärte in der vergangenen Woche, es sei möglicherweise schwierig gewesen, die Anklage zu verfolgen. Fehler in den Ermittlungen könne er sich jedoch nicht erklären.

    Die Armee befragte 137 Zeugen und machte ehemalige Tiger-Force-Mitglieder in über 60 Städten weltweit ausfindig. Dennoch war der Fall in den letzten 30 Jahren nicht einmal eine Fußnote wert in den Annalen eines der umstrittensten Kriege der USA.

    Dreißig Jahre nachdem die US-Truppen aus Vietnam abzogen, leben die alten Bauern im Song-Ve-Tal mit Erinnerungen an das Platoon, das vor so langer Zeit durch ihre Dörfer zog. Nguyen Dam, 66, erinnert sich noch gut, wie er um sein Leben rannte, als die Soldaten an jenem Sommertag 1967 in das Reisfeld schossen. "Ich bin heute noch zornig", erklärt er, heftig gestikulierend, "unsere Nachbarn hatten es nicht verdient, so zu sterben. Wir waren Bauern, keine Soldaten. Wir haben niemandem etwas zu Leide getan."

    William Doyle, ehemaliger Sergeant in der Tiger Force, der heute in Missouri lebt, sieht dennoch kaum Gründe, sich für die Aktionen von damals entschuldigen zu müssen. Wie Doyle selbst sagt, tötete er während des Vietnam-Kriegs derart viele Zivilisten, dass er diese nicht mehr zählen konnte.

    "Wir haben immer von einem Tag zum anderen gelebt und nicht damit gerechnet zu überleben. Keiner da draußen, der ein wenig Verstand hatte, glaubte wirklich daran, dass wir überleben", sagt Doyle. "Alles was wir machten, haben wir getan, um zu überleben. Und die einzige Chance zu überleben war das Töten - denn von einem Toten hatte man nichts mehr zu befürchten."

    Kampferprobte Eliteeinheit für Spezial-Mission

    Die Quang-Ngai-Provinz zieht sich ostwärts von den üppig grünen Bergen bis zu den weitläufigen weißen Stränden des südchinesischen Meeres.

    Für die Einheimischen war diese Region schon seit Generationen nicht nur das Stück Land, das sie liebten, sondern vor allem auch das Land, das sie bewirtschafteten und von dem sie lebten. Für die Nordvietnamesen dagegen war die Provinz die Hauptnachschublinie für die Guerillas, die für die Wiedervereinigung des Landes kämpften.

    Für die US-Militärs hingegen war die Provinz ein Landstrich voller Dschungel und Flussbetten, der dringend unter ihre Kontrolle gebracht werden musste, um die kommunistische Infiltration von Südvietnam aufzuhalten. General William Westmoreland, Kommandeur der US-Streitkräfte in Vietnam, hatte 1967 hierfür eigens eine speziell ausgebildete Eingreiftruppe ("Special Task Force") initiiert.

    Für den Fall eines größeren Konflikts mit heftiger Gegenwehr von Guerilla-Kämpfern brauchten die amerikanischen Streitkräfte eine Eliteeinheit, die sich schnell im Dschungel bewegen, feindliche Stellungen aufspüren oder Hinterhalte vorbereiten konnte. Diese Aufgabe fiel der Tiger Force zu, einem Elite-Ableger der 101. Luftlande-Divison. Die 1965 gegründete Einheit agierte meist in kleinen Gruppen, die - gekleidet in Tarnanzüge mit Tigerstreifen und ausgestattet mit 30-Tage-Essensrationen - den Feind im Dschungel ausspähten.

    Nicht jeder wurde bei diesem Platoon angenommen. Zum einen mussten sich die Soldaten freiwillig für die Tiger Force melden, zum anderen über Fronterfahrung verfügen und sich einer ganzen Reihe von Fragen stellen - darunter Fragen zu ihrer Einstellung zum Töten. Die Mehrzahl dieser Männer stammte aus kleinen Städten wie Rayland in Ohio, Globe in Arizona oder Loretto in Tennessee.

    Vor ihrer Ankunft in der Quang-Ngai-Provinz am 3. Mai 1967 hatte die Tiger Force bereits weiter südlich in My Cahn und Dak To schwere Gefechte geführt. Doch dies hier war ein ganz anderer Ort - ein Ort, an dem die Menschen tief mit ihrem Land verwurzelt waren und ihre Freiheit vehement verteidigten. Und in dieser unbekannten Umgebung begannen die Dinge außer Kontrolle zu geraten.

    Niemand weiß genau, was die Aktionen auslöste, die zum Tod von unzähligen Zivilisten und Gefangenen führen sollten. Bereits wenige Tage nachdem die Tiger Force ihre Zelte in der Region aufgeschlagen hatte, begannen die Soldaten, Kriegsgesetze zu missachten.

    Es fing alles mit den Gefangenen an.

    Während einer Morgenpatrouille am 8. Mai entdeckten Tiger-Force-Mitglieder zwei vermeintliche Vietcong am Song-Tra-Cau-Fluss - die örtliche Miliz stellte sich gegen die US-Intervention in Vietnam. Einer der Männer entkam durch einen Sprung ins Wasser und verschwand durch einen Unterwasser-Tunnel.

    Der andere wurde jedoch gefasst. Da dieser Mann deutlich größer und muskulöser war als die meisten Vietnamesen, ging man davon aus, dass er Chinese sei. In den kommenden zwei Tagen wurde er wiederholt verprügelt und gefoltert. Wie spätere Zeugenaussagen unter Eid belegen, diskutierten die US-Soldaten auch einmal darüber, den Gefangenen in die Luft zu sprengen.

    Einer der damaligen Soldaten, Specialist William Carpenter, erklärte nun gegenüber "The Blade", er habe damals versucht, den Gefangenen zu retten. "Doch ich wusste, seine Zeit war abgelaufen", so Carpenter. Nachdem man dem Gefangenen gesagt hatte, er sei frei und ihn daraufhin angewiesen hatte wegzurennen, war dieser von den US-Soldaten erschossen worden.

    Diese Art der Behandlung Gefangener - Quälen und Exekutieren - sollte in den folgenden Monaten zum gängigen Prozedere der Einheit gehören.

    Immer wieder sprachen Mitglieder der Tiger Force von so vielen Exekutionen von gefangenen vietnamesischen Soldaten, dass die Ermittler später große Schwierigkeiten hatten, eine Gesamtzahl der Getöteten festzustellen.

    Im Juni hatte der Gefreite Sam Ybarra einem Gefangenen mit einem Jagdmesser die Kehle durchgeschnitten und dann skalpiert. Den Skalp hängte er ans Ende eines Gewehrlaufes, sagten Soldaten in beeideten Stellungnahmen. Gegenüber Armee-Ermittlern verweigerte Ybarra später jede Aussage zu diesem Vorfall.

    Einem anderen Gefangenen war befohlen worden, einen Bunker zu graben. Wie Akten belegen, wurde er dann mit einer Schaufel zusammengeschlagen und schließlich erschossen. Dieser Mord veranlasste den Sanitäter Barry Bowman dazu, sich an einen Geistlichen zu wenden: "Es erschütterte mich so sehr, ihn sterben zu sehen", sagte Bowman vor kurzem "The Blade". Ein anderer Tiger-Force-Soldat, Sergeant Forrest Miller, erzählte Ermittlern der US-Armee, dass die Ermordung von Gefangenen "ein ungeschriebenes Gesetz" gewesen sei.

    Und die Elite-Soldaten exekutierten nicht nur Kriegsgefangene, sondern begannen auch damit, unbewaffnete Zivilisten hinzurichten. Im Juni wurde ein älterer Mann in einer schwarzen Robe erschossen, nachdem er sich bei den US-Soldaten über die schlechte Behandlung der Dorfbewohner beschwerte. Wie Platoon-Soldaten später den Ermittlern erklärten, war dem getöteten Mann - der vermutlich ein buddhistischer Mönch war - eine Handgranate untergeschoben worden, um den Eindruck zu erwecken, er sei ein feindlicher Kämpfer.

    Im selben Monat erschoss Ybarra den Akten zufolge einen 15 Jahre alten Jungen in der Nähe des Dorfes Duc Pho. Ybarra hatte seinen Kameraden später erzählt, den Teenager seiner Sportschuhe wegen getötet zu haben.

    Die Schuhe passten Ybarra nicht - was ihn allerdings nicht davon abhalten sollte, ein inzwischen übliches Ritual auszuführen: Nach Aussagen von Carpenter schnitt Ybarra die Ohren des toten Jungen ab und legte diese in eine Proviant-Tüte. Im Laufe der US-Armee-Ermittlungen gegen die Tiger Force sollten später 27 Soldaten aussagen, dass das Abtrennen von Ohren eine gängige Praxis war. Der Grund dafür: Vietnamesen einzuschüchtern.

    Den Akten zufolge hatten Platoon-Soldaten die abgetrennten Ohren zudem nicht nur gesammelt, sondern auf Schnürsenkeln aufgereiht um den Hals getragen. "Es gab eine Zeit, in der praktisch jeder eine solche Ohren-Kette um den Hals trug", erzählte der einstige Tiger-Force-Sanitäter Larry Cottingham den Ermittlern. Und die Unterlagen belegen eine weitere grausame Praxis: Toten Zivilisten traten die Soldaten die Zähne aus, um an deren wertvolle Goldfüllungen heranzukommen.

    Dorfbewohner widersetzen sich Umsiedelungs-Befehlen

    Die Kämpfe in der Quang-Ngai-Provinz waren für die Tiger Force völlig unberechenbar. Als die Platoon-Soldaten in den ersten drei Mai-Wochen unbekannte Pfade auskundschafteten, lagen sie unter stetigem Heckenschützen-Feuer. Hügel und Strände waren übersät mit versteckten Sprengladungen.

    Am 15. Mai geriet die Einheit in einen nordvietnamesischen Hinterhalt, der als "Muttertags-Massaker" bekannt werden sollte. Von 11 Uhr morgens bis 17.45 Uhr war das Platoon unter heftigem gegnerischen Feuer in einem Tal eingeschlossen. Zwei Tiger-Force-Soldaten starben, 25 wurden verwundet.

    In den kommenden Wochen veränderte sich das Platoon personell. Mit Lieutenant James Hawkins sollte die Einheit einen neuen Kommandeur bekommen; zusätzlich wurden zwei Dutzend Tiger-Force-Soldaten von neuen Kollegen abgelöst.

    Die Neulinge stießen zur Truppe, als diese gerade in das Song-Ve-Tal vordrang. Dort sollten die Einheimischen zum Verlassen ihrer Dörfer und zur Umsiedlung in Flüchtlingslager gezwungen werden; womit auch der Anbau von Reis unterbunden werden sollte, der wiederum feindlichen Truppen als Nahrung diente.

    Wie sich herausstellte, war dieses Unterfangen jedoch alles andere als einfach.

    Viele Dorfbewohner weigerten sich, in die Umsiedlungslager zu ziehen. Diese von Betonmauern und Stacheldraht umgebenen Camps, die stark an Gefängnisse erinnerten, kritisierte 1967 auch schon das US-Außenministerium; vor allem wegen des Mangels an Lebensmitteln.

    Die US-Armee warf zudem von Hubschraubern aus Flugblätter ab, mit denen die 5000 Einheimischen dazu aufgefordert wurden, sich in die Lager zu begeben. Die meisten ignorierten diese Anordnung jedoch. "Die Leute wollten einfach auf ihrem Land bleiben", erinnerte sich der Bauer Lu Thuan, 67. "Wir standen in diesem Krieg auf keiner Seite."

    Dorfbewohnern und Historikern zufolge war das von der dichter besiedelten Küste entfernt gelegene und nur über schmale Schlammpfade zu erreichende Song-Ve-Tal im Gegensatz zu den vielen anderen Teilen der Provinz nie eine Rebellen-Hochburg. "Wir wollten einfach nur unsere Ruhe haben", sagt Lu Thuan.

    Lieutenant exekutiert unbewaffneten alten Mann

    Doch sie wurden nicht in Ruhe gelassen: Das Song-Ve-Tal - rund sechs Kilometer breit und zehn Kilometer lang - wurde in den kommenden zwei Monaten das Operationszentrum der Tiger Force.

    Um die Leute zur Umsiedlung zu bewegen, begannen die Soldaten damit, Dörfer niederzubrennen. Aber selbst das hatte nicht immer die erhoffte Wirkung. Mitunter flohen Dorfbewohner in andere Dörfer. Oder sie versteckten sich einfach.

    Für die Soldaten wurde das Tal damit ein immer frustrierenderer Ort. Tagsüber trommelten sie Einheimische für die Umsiedlungslager zusammen. Nachts suchten sie in ihren Lagern auf dem Boden kauernd Schutz vor den Granaten, die feindliche Soldaten aus den Bergen abfeuerten.

    Die Grenze zwischen Zivilisten, die sich einfach nur weigerten, ihr Land zu verlassen, und feindlichen Kämpfern verschwamm für die Tiger-Force-Krieger immer mehr.

    Eines Nachts trafen Platoon-Soldaten auf den alten Schreiner Dao Hue, der gerade den seichten Song-Ve-Fluss überquerte. Hue lebte schon immer hier im Tal und kannte den Weg am Fluss entlang zu seinem Dorf so gut wie seine Westentasche.

    In dieser Nacht, es war der 23. Juli, sollte er es dennoch nicht bis nach Hause schaffen. Obwohl Hue um sein Leben flehte, wurde er von den US-Soldaten getötet - fünf Amerikaner erinnerten sich später im Rahmen des Ermittlungsverfahrens an seine Erschießung.

    Die Tötung Hues war von den Talbewohnern als deutliches Zeichen aufgenommen worden, dass niemand mehr sicher war. Hunderte flohen daraufhin.

    Nachdem das Platoon das Tal durchkämmt hatte, schlug die Tiger Force ihr Lager in einem verlassenen Dorf auf. Hubschrauber versorgten die Soldaten dort mit Bier. Bei Einbruch der Dämmerung sollen einige betrunken gewesen sein.

    Wenig später erhielt das Platoon den völlig unerwarteten Befehl, den Fluss zu überqueren und einen Hinterhalt vorzubereiten. Was dann folgte, war ein Schusswechsel, der die Soldaten noch sehr lange nach ihrem Vietnam-Aufenthalt beschäftigen sollte.

    Kaum hatte Dao Hue die andere Seite des Song-Ve-Flusses erreicht, lief der alte Mann mit dem grauen Bart Sergeant Leo Heaney in die Arme. Sofort warf der 68-Jährige seine Schultertrage mit zwei Körben voller Gänse auf den Boden. "Er war völlig verängstigt, faltete seine Hände und begann, mit lauter, hoher Stimme um Gnade zu bitten", erklärte Sergeant Heaney gegenüber Ermittlern der US-Armee.

    Wie Heaney weiter aussagte, sei sofort zu erkennen gewesen, dass von dem alten Mann keine Gefahr ausging. Heaney eskortierte Dao Hue dann zu den Platoon-Führern, Lieutenant Hawkins und Sergeant Harold Trout. Zitternd vor Angst, plapperte der alte Mann laut vor sich hin, worauf Lieutenant Hawkins den Vietnamesen schüttelte und anschrie. Wie Zeugen berichteten, schlug Trout den Vietnamesen schließlich mit seinem M-16-Gewehr nieder. Blutüberströmt sank der Alte zu Boden.

    Als der Sanitäter Barry Bowman versuchte, Dao Hues Kopfwunde zu versorgen, hob Hawkins den knienden Mann auf und schoss ihm mit einem Karabiner ins Gesicht. "Der alte Mann fiel rückwärts zu Boden und Hawkins schoss erneut auf ihn", erklärte Specialist Carpenter unter Eid. "Ich wusste sofort, dass er tot war, denn sein halber Kopf war weggeblasen." Gegenüber Armee-Ermittlern sagte Carpenter zudem, dass er Lieutenant Hawkins damals erklärt habe, dass der alte Mann "nur ein Bauer war und keine Waffen trug".

    Lieutenant Hawkins wies bei einer Befragung von Armee-Ermittlern am 16. März 1973 alle Anschuldigungen von sich. In einem kürzlich mit "The Blade" geführten Interview gab Hawkins die Erschießung von Dao Hue allerdings zu. Er habe den Vietnamesen getötet, da dieser mit Absicht so laut gewinselt hätte, um die feindlichen Truppen auf sich aufmerksam zu machen. "Und das habe ich dann auf der Stelle abgestellt", so Hawkins.

    Wie vier weitere Soldaten aussagten, hätte es jedoch bessere Möglichkeiten gegeben, den Alten zum Schweigen zu bringen. Außerdem hätten die Schüsse die Position der US-Einheit erst recht verraten, was dann auch zu einem Schusswechsel führte. "Es gab keinen Grund dafür, Dao Hue zu erschießen", sagte Bowman den Ermittlern.

    Heute, fast vier Jahrzehnte nach diesem Ereignis, sagen die Dorfbewohner, die damals Dao Hues Leiche fanden, dass sie sofort wussten, dass er von den Amerikanern getötet wurde. Seine Nichte, Tam Hau, heute 70 Jahre alt, war eine der ersten Personen, die Daos leblosen Körper am nächsten Tag am Fluss entdeckten.

    Gemeinsam mit Bui Quang Truong, einer anderen Verwandten, schleppte sie die Leiche ihres Onkels ins Dorf. "Er hatte Schusswunden am ganzen Körper", erinnert sich Hau. "Das war für uns alle sehr traurig."

    Soldaten intensivieren Attacken im Song-Ve-Tal

    Vier Tage nach der Erschießung von Dao Hue wurden vier Tiger-Force-Soldaten bei Granaten-Angriffen der Guerilla verletzt. Der Gegenschlag des US-Platoons sollte prompt folgen: In den kommenden zehn Tagen zogen die Soldaten ohne jede Rücksicht marodierend durch das Tal.

    Die Gegend war zur "Feuer-frei-Zone" erklärt worden - eine spezielle Bezeichnung dafür, dass US-Truppen auch ohne die Zustimmung von ihren Kommandeuren oder südvietnamesischen Offiziellen feindliche Soldaten angreifen konnten. Wie ehemalige Platoon-Mitglieder bestätigen, nahmen die Tiger-Force-Soldaten diesen Begriff wörtlich und schossen auf alles, was sich bewegte: Männer, Frauen und Kinder.

    Zwei fast blinde Männer, die man beim Wandern im Tal aufgegriffen hatte, waren zum Song-Ve-Fluss geführt und dann erschossen worden. Zwei andere Dorfbewohner, darunter ein Teenager, wurden exekutiert, weil sie nicht in Umsiedlungslagern waren.

    Am 28. Juli eröffneten Platoon-Soldaten das Feuer auf zehn ältere Bauern, die auf einem Reisfeld arbeiteten. Das Bild von überall verstreuten Leichen auf der weiten grünen Fläche sollte einigen Soldaten und den Bewohnern des Dorfes Van Xuan noch lange im Gedächtnis bleiben.

    Dabei dachten die Bauern, sie seien sicher. Einerseits waren sie zu alt dafür, beim Militär zu dienen; andererseits standen sie in dem Konflikt - zumindest öffentlich - auf keiner Seite.

    Auf dem Reisfeld wurden vier Bauern getötet - alle vier Erschießungen waren späteren Aussagen von mehreren Tiger-Force-Mitgliedern zufolge völlig ungerechtfertigt. Den Akten zufolge kam der Befehl, das Feuer zu eröffnen, von Lieutenant Hawkins, der die Patrouille anführte.

    Ein Dorfbewohner erinnerte sich kürzlich, dass die Bauern von den Schüssen völlig überrascht wurden. Kieu Trac, heute 72 Jahre alt, sagte, er habe hilflos beobachten müssen, wie sein Vater und andere Bauern in das Reisfeld fielen. Erst Stunden später traute sich Trac, im Schutz der Dunkelheit in das Reisfeld zu krabbeln und seinen Vater zu suchen. Er drehte einen leblosen Körper nach dem anderen herum, bis er seinen Vater, Kieu Cong, 60, fand. Zusammen mit seiner Frau Mai Thi Tai trug er die Leiche zur Bestattung ins Dorf. Die drei anderen Bauern, Le Muc, Phung Giang und eine ältere Frau aus der Trang-Familie, wurden später von ihren Angehörigen beigesetzt.

    "Die Bauern haben lediglich auf dem Feld gearbeitet und nichts getan [...] Sie haben die Soldaten nicht verletzt", sagt Kieu Cong während er auf die Stelle zeigt, an der sein Vater und die anderen Bauern erschossen wurden. "Sie dachten, die Soldaten lassen sie in Ruhe."

    Lu Thuan, ein anderer Dorfbewohner, der die Attacke von einem nahe gelegenen Hügel aus beobachtete, sagt, er könne sich nicht mehr daran erinnern, wie viele Bauern verletzt wurden. "Einige waren verwundet und konnten nicht weglaufen", sagt Lu Thuan, heute 67. "Andere stellten sich einfach tot."

    Einer aus der Tiger-Force-Patrouille, Specialist William Carpenter, besteht heute darauf, dass er seine Waffe nicht abgefeuert hat. "Diese Aktion war falsch", sagt Carpenter. "Es gab keinen Grund für mich zu schießen, denn diese Leute hatten niemandem etwas getan." Doch er habe große Angst davor gehabt, seine Meinung zu äußern, sagte Carpenter den Ermittlern. In der Einheit habe es mit der Zeit als völlig in Ordnung gegolten, Zivilisten zu erschießen - und die Kommando-Führer hätten Carpenter zufolge streng darüber gewacht, dass alle Soldaten Stillschweigen bewahrten. Vier andere Ex-Tiger-Force-Soldaten erzählten den Militär-Ermittlern ebenfalls, dass sie die Gräueltaten aus Furcht vor ihren Vorgesetzten nicht an höhere Militärstellen meldeten.

    Ken Kerney, damals Gefreiter in Vietnam, erinnert sich noch ganz genau an die Anweisungen, die er beim Eintritt in die Tiger Force erhielt. "Die Kommandeure sagten zu mir: 'Was hier passiert, bleibt hier. Du erzählst niemandem, was bei uns vor sich geht. Wenn wir herausfinden, dass du dennoch geredet hast, wirst du das bereuen'", so Kerney. "Man hat mir zwar nicht genau gesagt, was man mit mir machen würde, aber ich wusste es. Daher hatte man Angst, überhaupt den Mund aufzumachen."

    Dorfbewohner berichten jetzt in einem Interview, dass sie Dutzende Massengräber ausheben mussten, nachdem die US-Soldaten durch das Tal gezogen waren. Nguyen Dam, 66, erinnert sich an die grauenvolle Aufgabe, seine in den Feldern zurückgelassenen Nachbarn und Freunde zu begraben. "Wir konnten nicht mal mehr essen wegen des Gestanks", sagt der Reisbauer. "Ich fühlte mich manchmal, als könnte ich nicht mehr atmen. So viele Leute aus dem Dorf wurden getötet, dass wir sie nicht einzeln, sondern nur alle gemeinsam in Massengräbern bestatten konnten."

    Das Platoon zieht nach Norden, konzentriert auf "Body count"

    Tage nach der Attacke auf die Reisbauern flogen amerikanische Flugzeuge über das Song-Ve-Tal und warfen Tausende Liter Entlaubungsmittel ab. Damit sollte sichergestellt werden, dass niemand während des Krieges Reis anbauen konnte.

    Für die Tiger Force war der Song-Ve-Feldzug beendet. Am 10. August zog das inzwischen mit Nachschub und Verstärkung versorgte Platoon auf Lastwagen in die gut 50 Kilometer nördlich gelegenen Provinz Quang Nam; ein großer und unübersichtlicher Landstrich voller dichter Dschungel und verwinkelter feindlicher Tunnel.

    Als Ziel der Tiger Force in Quang Nam galt es, die Provinz unter Kontrolle zu halten - jedoch nicht im Sinne militärischer Landgewinnung.

    Das Platoon entwickelte in dieser Schlacht eine Gewohnheit, die zum Mantra des Vietnam-Krieges wurde: Body count, die explizite Zählung getöteter feindlicher Soldaten. Der Erfolg einer Schlacht wurde nun anhand der Zahl der getöteten Vietnamesen gemessen und nicht etwa danach, ob ein Dorf erobert wurde, so die eidesstattlichen Aussagen von elf ehemaligen Offizieren.

    Am 11. September startete die US-Armee die "Operation Wheeler", die eine der blutigsten Perioden des Jahres 1967 einleiten sollte.

    Das Kommando über die Tiger Force hatte inzwischen Bataillons-Kommandeur Lieutenant Colonel Gerald Morse übernommen, der neben der Tiger Force drei andere Einheiten leitete. Der 38-Jährige, als aggressiver Anführer bekannte Soldat, bewegte sich vor allem im Helikopter fort und hielt gewöhnlich Funkkontakt mit seinen Einheiten im 1. Bataillon, 327. Infantrie-Division.

    Nur Tage nachdem Morse die Führung übernommen hatte, änderte er die Namen der drei Kompanien: Fortan nannten sich die drei Kompanien nicht mehr A, B und C, sondern Assassins (Mörder), Barbarians (Barbaren) und Cutthroats (Verbrecher). An den Bataillons-Hauptquartieren wurden entsprechende Namensschilder angebracht. Morse nannte sich außerdem "Ghost Rider".

    Unter seinem Kommando durchkämmte die Tiger Force Dutzende kleiner Dörfer in der Provinz. Wie die Soldaten sehr schnell erfahren sollten, war dies ein wesentlich schwierigeres Unterfangen als im Song-Ve-Tal, denn hier traf man nicht nur auf die Vietcong, sondern auch auf die gut ausgerüstete Zweite Division der nordvietnamesischen Armee.

    Nachdem sich die Truppen aus dem Norden eine Zeit lang in den Annamese-Bergen versteckt hatten, bewegten sie sich nun in Richtung Chu Lai, der immer weiter auswuchernden amerikanischen Militärbasis, auf der auch die Tiger Force beheimatet war.

    Ab Anfang September stellten die Vietnamesen den US-Truppen Fallen und versuchten, sie in Hinterhalte zu locken - darunter auch die Tiger Force. "Plötzlich stand uns der Feind Auge in Auge gegenüber", erinnert sich der damalige Specialist Carpenter, der nun im Osten Ohios lebt. "Es schien fast so, als würden wir jeden Tag getroffen." In den ersten drei Wochen im neuen Operationsgebiet starben fünf Tiger-Force-Kämpfer, zwölf wurden verletzt. Die verbliebenen Soldaten waren entsprechend verbittert und wütend.



    AP
    Verletzte US-Soldaten in Vietnam: Rache für die gefallenen Kameraden
    In Splittergruppen von vier bis sechs Soldaten sann die Tiger Force nun auf Rache und attackierte die Dörfer. "Alle waren damals blutrünstig, jeder wollte es den Vietnamesen heimzahlen und die Zahl der gefallenen Kameraden begleichen", erklärt Ex-Sanitäter Rion Causey. Ihre Aggressionen ließen die Soldaten, Causey zufolge, an unbewaffneten Zivilisten aus, die sich weigerten, ihre Häuser zu verlassen.

    "So etwas habe ich noch nie gesehen. Wir sind da einfach rein gegangen und haben die Zivilbevölkerung ausgelöscht", sagt Causey, heute 55 Jahre alt und Nuklear-Ingenieur in Kalifornien. "Und das haben wir jeden Tag gemacht."

    Immer wieder hatte die US-Armee auch Flugblätter über den Dörfern abgeworfen und die Bewohner dazu aufgefordert, sich in die Umsiedlungslager zu begeben. "Diejenigen, die dennoch blieben, wurden getötet", so Causey.

    Um die Erschießungen zu vertuschen, gingen die Platoon-Führer nun auch dazu über, getötete Zivilisten als feindliche Kämpfer zu zählen, so fünf ehemalige Soldaten gegenüber "The Blade". Armee-Akten bestätigen diese Berichte: Gemäß den Aufzeichnungen sollen die Platoon-Soldaten in den zehn Tagen, die auf den 11. November folgten, 49 Vietcong getötet haben - wie die Unterlagen belegen, wurden in 46 Fällen keinerlei Waffen gefunden.

    Causey erinnert sich auch noch an eine Meldung an die Kommandeure: "Wir gaben Funksprüche durch wie: 'Sieben Vietcong rannten aus einer Hütte. Wir haben alle erschossen'", so Causey. "Dabei sind diese Leute, verdammt noch mal, nicht weggerannt. Und wir wussten auch nicht mal, ob sie Vietcong waren."

    Sergeant James Barnett erzählte den Ermittlern, dass er einmal gegenüber Hawkins seine Bedenken wegen der Tötung unbewaffneter Vietnamesen äußerte. "Hawkins sagte nur, ich solle mir keine Sorgen machen", so Barnett. "Um die Waffen können wir uns immer noch später kümmern."

    Wie Armee-Unterlagen zeigen, begingen die Soldaten in dieser Phase ihre brutalsten Gräueltaten: Ein 13-jähriges Mädchen wurde missbraucht, danach wurde ihr die Kehle durchgeschnitten. Eine junge Mutter wurde erschossen, nachdem man ihre Hütte abgebrannt hatte. Ein unbewaffneter Teenager wurde in den Rücken geschossen, nachdem ein Platoon-Sergeant ihn aufgefordert hatte, sein Dorf zu verlassen. Ein Tiger-Force-Soldat köpfte ein Baby - weil er dessen Halskette mitnehmen wollte.

    Joseph Evans, ein Ex-Gefreiter, der im Zuge der Armee-Ermittlungen gegen die Tiger Force seine Aussage bislang verweigerte, sagte nun gegenüber "The Blade", dass viele Vietnamesen, die während des Krieges vor den US-Soldaten flohen, keinerlei Bedrohung für die Amerikaner darstellten. "Die rannten einfach nur, weil sie panische Angst hatten", so Evans. "Wir haben viele Leute getötet, die nicht hätten getötet werden sollen."

    Granateneinsatz gegen Zivilisten in Bunkern

    Für die Dorfbewohner war das Verstecken in unterirdischen Schutzbunkern längst Routine. In jedem kleinen Dorf gab es diese von Bambus gestützten und mit Blättern getarnten Höhlen, in denen sich die Zivilisten ebenso vor den Amerikanern wie vor den Nordvietnamesen versteckten.

    So suchten auch die Bewohner eines kleinen Dorfes 32 Kilometer westlich von Tam Ky, Zuflucht in einem Erdbunker, als Tiger-Force-Soldaten plötzlich auf einem Pfad zu ihrem Dorf auftauchten. Tiger-Force-Soldaten erzählten Ermittlern später, dass sie dort Frauen und Kinder in die Eingänge kriechen sahen.

    Keiner wusste genau, wie viele Menschen sich in dem unterirdischen Bunker versteckten. Doch das interessierte auch niemanden. Als die Soldaten die Zugänge erreichten, wussten sie, "was zu tun war", erinnerte sich der Gefreite Ken Kerney gegenüber den Militär-Ermittlern. Ohne auch nur ein Wort mit den Menschen im Untergrund zu wechseln, warfen die Soldaten entsicherte Handgranaten in die Höhle hinein.

    Nicht weit davon entfernt schlugen die Soldaten später ihre Zelte auf, wo die ganze Nacht Schreie aus den unterirdischen Bunkern drangen.

    Aber keiner machte sich die Mühe zu helfen.

    Platoon-Soldat Charles Fulton kam es so vor, als würde diese Nacht nie enden. "Wir hörten ständig die menschlichen Laute, die aus der Richtung der Bunker kamen", erklärte Fulton den Ermittlern. "Das waren die Stimmen von Verletzten, die um Hilfe riefen. Wenn auch schwach, waren diese doch klar zu verstehen."

    Wie andere Ex-Soldaten aussagten, wurden die Leichen schließlich von den Dorfbewohnern weggebracht. In den Bunkern wurden Augenzeugenberichten zufolge keine Waffen oder sonstige Hinweise darauf gefunden, dass diese Leute eine Bedrohung für die US-Soldaten dargestellt haben könnten. Am nächsten Tag sahen Soldaten im Dorf die Leichen von Frauen und Kindern auf der Straße liegen.

    Zielvorgabe erreicht: 327 Vietnamesen getötet

    In der letzten Phase der "Operation Wheeler" wurde die Lust am Töten sogar noch größer. Wie sich Jahre später sieben Soldaten erinnerten, kam eines Tages per Funk der Befehl, 327 Vietnamesen zu töten. Diese Zahl war deshalb von Bedeutung, weil sie gleichzeitig die Kennungszahl des Bataillons war, die des 327. nämlich. Drei ehemalige Soldaten schworen später einen Eid darauf, dass diese Zielvorgabe von "Ghost Rider" kam - diesen Spitznamen benutzte Colonel Morse im Funkverkehr.

    Wie Armee-Akten belegen, wurde diese Marke auch tatsächlich erreicht. Am 19. November meldete Tiger Force den 327. getöteten Vietnamesen.

    Colonel Morse, der 1979 in den Ruhestand versetzt wurde, stritt in einem Interview mit "The Blade" ab, diesen Befehl jemals gegeben zu haben und bezeichnete die Vorwürfe als "lächerlich". "Ich hätte so etwas niemals getan", so Morse.

    Der Ex-Gefreite John Colligan erklärte im Rahmen einer Befragung von Armee-Ermittlern jedoch, dass dieser Befehl sehr wohl erteilt wurde. Außerdem sollte Colligan zufolge derjenige, der den 327. Vietnamesen tötete, "irgendeine Belohnung erhalten". Auch Sergeant Barnett sagte den Ermittlern, dass er den Funkbefehl von einer Person gehört habe, die sich als "Ghost Rider" identifizierte.

    Drei andere Ex-Soldaten erklärten gegenüber "The Blade", dass der "Body count" von 327 getöteten Vietnamesen nur erreicht werden konnte, weil auch viele Dorfbewohner erschossen wurden.

    Zahl der Todesopfer weiter unbekannt

    Niemand weiß genau, wie viele unbewaffnete Zivilisten tatsächlich zwischen Mai und November 1967 durch die Tiger Force ums Leben kamen. Dem ehemaligen Sanitäter Rion Causey zufolge sollen die Soldaten des Platoons alleine in einem Monat 120 Dorfbewohner getötet haben. Causeys Sanitäterkollege Harold Fischer erinnert sich daran, dass die meisten Soldaten der Einheit, "auf allen Seiten, rechts wie links, Leute erschossen haben", so Fischer. "Wir gingen einfach in die Dörfer und erschossen alle Einwohner. Wir brauchten dafür nicht mal einen Grund. Wer sich dort aufhielt, der war praktisch schon tot", sagt Fischer.

    Im Zuge der Ermittlungen der US-Armee gegen die Tiger Force konnten 18 Soldaten während ihrer Aktionen im zentral-vietnamesischen Hochland 20 Kriegsverbrechen nachgewiesen werden. Gegenüber "The Blade" beschrieben ehemalige Mitglieder der Elitetruppe nun elf weitere Kriegsverbrechen, darunter:


    In einem kleinen Dorf in der Nähe von Tam Ky wurden zwei ältere Männer ohne ersichtlichen Grund getötet. Einer wurde enthauptet; der andere war verwundet und erhielt von Sanitäter Barry Bowman den "Gnadenschuss", so Bowman.


    In der Nähe von Chu Lai erschoss der Gefreite Colligan einen älteren Mann - wie Sanitäter Harold Fischer sagt, wollte Colligan seine neue Pistole, Kaliber 38, an einem beweglichen Ziel testen.


    In einem kleinen Dorf in der Nähe von Chu Lai erschossen dem ehemaligen Gefreiten Douglas Teeters zufolge Tiger-Force-Soldaten zahlreiche Dorfbewohner. Die Vietnamesen winkten den Soldaten mit Flugblättern zur Umsiedelung zu. Als von einer anderen Seite feindliche Schüsse abgefeuert wurden, eröffneten die US-Soldaten das Feuer in alle Richtungen.


    "Wir haben eine ganze Reihe von ihnen getötet. Wie viele es waren, weiß ich allerdings nicht mehr", so Teeters. "Aber ich erinnere mich daran, dass wir danach behaupteten, die Toten seien alle Vietcong gewesen; obwohl wir wussten, dass das nicht stimmte." Und die meisten Soldaten haben einfach geschwiegen, selbst wenn sie gar nicht beteiligt waren. "Man darf nicht vergessen, dass es da draußen im Dschungel keine Polizei gab, keine Gesetze, keine Richter", sagt Kerney. "Man konnte tun und lassen, was man wollte, es gab niemanden, der einen hätte hindern können. Also schauten wir zu und schwiegen. Aus heutiger Sicht ist das schrecklich, wir hätten etwas unternehmen müssen. Aber damals war jeder der Meinung, dass das schon alles okay ist, was wir da machten. Aber das war es nicht - und das ist sehr traurig."

    Der Krieg wendet sich, Truppen geraten in die Defensive

    Ende November war auch dieser lange Feldzug zu Ende.

    In einem Artikel für die Armee-Zeitung "Stars and Stripes" wurde der Tiger-Force-Soldat Sam Ybarra für den 1000. Toten der "Operation Wheeler" gewürdigt. Am 27. November 1967 wurden die Tiger-Force-Kämpfer im Rahmen einer Zeremonie auf der Phan-Rang-Militärbasis mit Orden ausgezeichnet. Darunter auch Sergeant Doyle, der die Exekution eines Bauern angeordnet hatte.

    In den folgenden Wochen zog sich die Tiger Force aus dem zentral-vietnamesischen Hochland zurück. Bis Ende des Jahres 1968 sollte sich der Krieg deutlich verändern. Die Nordvietnamesen starteten eigene Feldzüge - die "Tet Offensive" - und attackierten 100 Dörfer und Städte im Süden des Landes.

    Die Tiger Force wurde an die Grenze nach Kambodscha verlegt, um dort eine Militärbasis zu bewachen. Für den Sanitäter Rion Causey ging es damit im Vietnam-Krieg nun nicht mehr darum, Zivilisten zu töten, sondern eine amerikanische Hochburg zu halten; währenddessen marschierte der Feind immer weiter Richtung Süden auf Saigon zu.

    Als das Basislager von nordvietnamesischen Kriegern angegriffen wurde und US-Soldaten starben, kam er zu einer bitteren Erkenntnis: "Die einzigen Möglichkeiten, aus der Tiger Force auszusteigen, waren, entweder getötet oder schwer verwundet zu werden."

    Causey sollte Recht behalten: Am 6. März 1968 wurde er verletzt. Bei seinem Abtransport im Hubschrauber schaute der Sanitäter auf seine Mitstreiter der Tiger Force hinab.

    "Ich erinnere mich daran, dass ich da zu mir selbst sagte: 'Gott vergebe euch dafür, was ihr getan habt. Gott vergebe euch'."

    Michael D. Sallah, Mitch Weiss

    Mit freundlicher Genehmigung des "Toledo Blade"

    http://www.spiegel.de/panorama/0,1518,295224,00.html

  2. #2
    Moderator Avatar von Last_Gunslinger
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    Die Amerikaner machen es mittlerweile selbst einem differenziert denkendem Menschen, der nicht mit der üblichen antiamerikanischen Basherei in einen Topf geworfen werden will, sehr, sehr schwer, sie zu mögen. Bzw. nicht anzufangen eine Abneigung zu zeigen deren Weg zu Hass nicht mehr weit ist.
    Findest Du das ein "differenziert denkender Mensch" "Die Amerikaner" verurteilen sollte, weil eine Spezialeinheit Amok gelaufen ist?
    Kann man wohl nur den direkt beteiligten Soldaten, Offizieren und den später für die schlampige Verfolgung zuständigen Leuten vorwerfen, oder?

  3. #3
    Administrator Avatar von Dr.BrainFister
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    boah, bade, der beitrag ist echt der hammer. ich meine von der länge her. natürlich inhaltlich äußerst interessant und vielschichtig, aber irgendwie dachte ich beim überfliegen "kann man das nicht anders machen?". also im sinne von präsentieren. ich würde mir, wenn ich etwas in der länge reinstelle, überlegen, ob ich es nach gewissen schwerpunkten oder kernthesen unterteile und dann häppchen für häppchen zur diskussion stelle. ein beitrag nach dem anderen entsprechend der diskussionsentwicklung.
    so kann ich nun erstmal gar nix dazu sagen, völlig überladen von der unmenge an text zu einem thema zu dem ich, ehrlich gestanden, nicht das nötige detailwissen habe, um entsprechend reflektieren zu können.

    achja, weil du ja nicht willst, dass wir uns gegenseitig die eier kraulen und schultern klopfen bzw. vorm foren-kamin schmusen:
    du bist ein arschloch. wieso kamst du da nicht selbst drauf? der griff zur rhretorisch armen copy&paste-variante schließt doch ein bisschen kreativität plus entsprechender denkarbeit nicht aus.
    arschloch, du! runter von meinem kaminfell! (böser fickfinger-smiley)
    "Wissen sie woraus der Leberkäs gemacht wird? Aus den Resten der Knackwurst. Und die Knackwurst? Aus den Resten vom Leberkäs. So geht das ewig weiter: Leberkäs, Knackwurst, Leberkäs, Knackwurst..." - Simon Brenner (Josef Hader) in "Silentium"

  4. #4
    DerBademeister
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    Findest Du das ein "differenziert denkender Mensch" "Die Amerikaner" verurteilen sollte, weil eine Spezialeinheit Amok gelaufen ist?
    Kann man wohl nur den direkt beteiligten Soldaten, Offizieren und den später für die schlampige Verfolgung zuständigen Leuten vorwerfen, oder?
    Ich habe mich sehr intensiv mit dem Vietnamkrieg beschäftigt, und nur ein Narr glaubt, dass das damals die Ausnahme war, und nicht die Regel. Partisanenkrieg resultiert IMMER in ungerechtfertigter, massiver Gewalt gegen die unschuldige Zivilbevölkerung. Deshalb ist er ja auch so effektiv - weil die Zivilbevölkerung in jedem Krieg ein sehr wichtiger Machtfaktor ist. Bringt ein Besatzer die Bevölkerung gegen sich auf, erwachsen daraus riesige Probleme. Das galt damals als die Römer in Germanien einmarschiert sind, das galt in Italien und Griechenland im zweiten Weltkrieg, das galt in Vietnam, in Afghanistan und auch heute im Irak wird es immer relevanter.

    Man halte sich vor Augen, dass die Amerikaner in diesem Krieg zwei bis drei MILLIONEN Menschen getötet haben (bei 58000 Eigenverlusten). Nebst einer unbekannten Millionenzahl von Verletzten, Verkrüppelten und Traumatisierten. Die noch heute zerstörte Umwelt des Landes (Agent Orange, Napalm und Co sei Dank) nicht zu vergessen.

    Um auf Deine Frage zu antworten: Ja, ich finde dass man das sollte. Nicht jeden Amerikaner. Aber jeden Amerikaner der gegen folgendes ist:

    - umgehende Bestrafung der Kriegsverbrecher
    - Entschuldigung an Vietnam für 11 Jahre sinnloses Morden
    - Finanzielle Unterstützung beim Wiederaufbau des Landes, Reparationen an Nachkommen getöteter Zivilisten sowie vom Krieg geschädigter Zivilisten

    Mach' mal eine Umfrage und finde heraus wieviele Amerikaner das unterstützen. Alle die es nicht tun machen sich mitschuldig.

    boah, bade, der beitrag ist echt der hammer. ich meine von der länge her. natürlich inhaltlich äußerst interessant und vielschichtig, aber irgendwie dachte ich beim überfliegen "kann man das nicht anders machen?". also im sinne von präsentieren. ich würde mir, wenn ich etwas in der länge reinstelle, überlegen, ob ich es nach gewissen schwerpunkten oder kernthesen unterteile und dann häppchen für häppchen zur diskussion stelle. ein beitrag nach dem anderen entsprechend der diskussionsentwicklung.
    Deswegen hättest Du den Artikel auch auf der Spiegelhomepage lesen sollen, wo er strukturiert war, und nicht das Quote auf diesem Forum. Das habe ich nur angehängt damit der Beitrag dauerhaft archiviert ist, da er sonst nach einer Zeit aus dem kostenlosen Bereich verschwindet.

    Desweiteren bin ich dagegen, ein zusammenhängendes Thema in "Häppchen" zu unterteilen. Schließlich geht es hier nicht um eine Staffel GZSZ, sondern um die Schilderung von Kriegsverbrechen.
    Wer zu faul ist zum lesen ist dabei eben falsch, und mir ist es nur Recht, dass solche Personen nicht mitreden.

    achja, weil du ja nicht willst, dass wir uns gegenseitig die eier kraulen und schultern klopfen bzw. vorm foren-kamin schmusen:
    du bist ein arschloch. wieso kamst du da nicht selbst drauf? der griff zur rhretorisch armen copy&paste-variante schließt doch ein bisschen kreativität plus entsprechender denkarbeit nicht aus.
    arschloch, du! runter von meinem kaminfell! (böser fickfinger-smiley)
    Welche Art Denkarbeit kommt Dir dabei in den Sinn? Ich muss dazu sagen, ich habe das 1.) bereits in einem anderen Forum diskutiert, und 2.) Gibt es für mich dazu wenig mehr zu sagen. Es ist ein Thema was definitiv mehr zum lesen und verarbeiten als für eine kontroverse Diskussion mit gegensätzlichen Standpunkten geeignet ist. Schließlich halte ich es für unwahrscheinlich dass hier jemand die Position "Verbrechen gegen Zivilisten sind richtig, und zwar aus folgenden Gründen" vertreten wird.

    Diese Menschen die das getan haben sind keine Monster. Denn viele denken sich ja dabei "Wie können Menschen sowas tun". Ja, das sind Menschen. Menschen wie Du und ich. Ich kann nicht den Richter spielen im Sinne von "Was sind das für Schweine, die sowas tun". Ja, natürlich sind es Schweine. Aber hätte man mich in diese Hölle geworfen, wäre ich wie jeder andere Mensch (denn jeder hat einen breakpoint) auch zu so einem gewissenlos handelnden Tier geworden.
    Dennoch muss man diese Soldaten bestrafen. Sie haben vermutlich tausende unschuldige Zivilisten ermordet. Und ich kann nachvollziehen wieso, auch wenn es nicht zu rechtfertigen ist. Denn so ist Krieg, und gerade Partisanenkrieg. Wenn nur einer von zehn Zivilisten ein Vietcong ist, ballert man lieber gleich alle ab, als zu riskieren das der 10te Mann einen der eigenen Leute erledigt. Lieber 10 von denen als einer von uns - eine menschliche Rechnung. Krieg, auch wenn unsere Generation ihn nie selber miterlebt hat (wofür wir den Gründervätern unseres geeinten Europas Dankbarkeit schulden), hat überhaupt nichts Heldenhaftes oder Glorreiches. Jegliche Moral wird irrelevant, wenn es um Leben oder Sterben geht. Da wird selbst der im normalen Leben friedlichste Mensch zum Mörder. Eine Rechtfertigung ist das nicht, nur eine Erklärung.

    Für mich sind, und waren schon immer, die wahren Schuldigen diejenigen, die zuhause im Warmen hocken und aus nichts mehr als der eigenen Machtgeilheit junge Menschen in den Tod schicken. Deswegen bin ich auch der Meinung, dass man George Bush lebenslang ins Gefängnis stecken soll. Schließlich hat der Mann nicht nur 10000 Iraker auf dem Gewissen, sondern auch über 800 amerikanische Soldaten. Und das nur deshalb, damit seine Freunde aus der Öl- und Waffenindustrie einen guten Schnitt machen. Der sollte an dem Haus jeder der 800 Familien denen er einen Sohn, Vater, Bruder, Tochter oder Schwester genommen hat Halt machen, und um Verzeihung bitten. Wird er aber nicht. Selbst wenn er deswegen nicht wieder gewählt wird, wird er nie zur Rechenschaft gezogen werden.
    Seine Regierung sabotiert ja nicht umsonst den Versuch ein Weltgericht zu schaffen. Nicht aus dem vorgeschobenen Grund, dass irgendwelche Drittweltstaaten aus Hass reihenweise Amerikaner als Kriegsverbrecher aburteilen, sondern aus Angst, dass er und seine Bande mal genauso vor dem Kadi landen, wie Slobo und Konsorten.

    Mir ist Krieg ja suspekt. Ich habe mir dafür meine eigene Analogie zurechtgezimmert, ein kleines Märchen.

    Ein Mann hat ein schickes Haus und ein schönes Grundstück, eine hübsche Frau und nette Kinder. Aber irgendwann blickt er zu seinem Nachbarn herüber, und ihm fällt auf: Auch der hat ein schickes Haus und schönes Grundstück. Ihm kommt eine Idee. Des nächstens holt er sein Gewehr, bricht ins Haus des Nachbarn ein, erschießt erst ihn, dann seine Frau, schließlich seine Kinder, und verbuddelt die Leichen im Garten. Anschließend zieht er auch in das zweite Haus ein, bewohnt beide, und gibt zur Einweihung eine Gartenparty in seinem neuen Domizil für die Nachbarschaft.
    Und warum?
    Um bei der nächsten Nachbarschaftsversammlung damit angeben zu können, das größte Grundstück zu haben.

    Fragt man nun einen Menschen was er von diesem Mann hält, wird er sofort sagen "Das ist ein gemeiner und feiger Mörder, der gehört ins Gefängni oder in die Hölle" (für die Religiösen).
    Man betrachte nun dieselbe Geschichte, nur nicht im Mikro- sondern im Makrokosmos. Die Nachbarn sind jetzt Regierungschefs. Häuser und Grundstücke sind Staaten, Frau und Kinder sind die Bevölkerung.
    Erzähle nun einem anderen Menschen die Geschichte mit den ausgetauschten Begriffen, und er wird Dir antworten: "Das ist ein Held - ich bewundere ihn für seinen Mut, seine Tapferkeit und seine kluge und weise Führung."


    Der einzige Unterschied zwischen dem Mann der rübergeht um seine Nachbarn umzubringen und jemandem wie George Bush ist der, dass letzterer zu feige ist die Waffe selbst abzudrücken.

  5. #5
    Moderator Avatar von Last_Gunslinger
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    Um auf Deine Frage zu antworten: Ja, ich finde dass man das sollte. Nicht jeden Amerikaner. Aber jeden Amerikaner der gegen folgendes ist:

    - umgehende Bestrafung der Kriegsverbrecher
    - Entschuldigung an Vietnam für 11 Jahre sinnloses Morden
    - Finanzielle Unterstützung beim Wiederaufbau des Landes, Reparationen an Nachkommen getöteter Zivilisten sowie vom Krieg geschädigter Zivilisten
    Dem kann ich mich schon eher anschließen. Nur ob eine Entschuldigung etwas wert ist wage ich zu bezweifeln. Ich glaube ehrlich gesagt das es dem gebeutelten Land ziemlich egal ist, ob sich die Amerikaner entschuldigen oder nicht.
    Oder geht es Dir dabei mehr um das Schuldeingeständnis der Vereinigten Staaten?

    Zu der Bestrafung der Verbrecher sagt der Text ja:

    Sechs Soldaten, die Kriegsverbrechen verdächtigt wurden, darunter ein Offizier, wurde gestattet, während der Nachforschungen in den Ruhestand zu treten. Damit konnten sie sich dem Bereich militärischer Ermittlungen entziehen.
    Wie ist den da die rechtliche Lage? Kann man als (Ex-)Sodat überhaupt für die Taten während eines Krieges von einen Zivil-Gericht angeklagt werden?
    wenn die sich durch den Abschied nämlich der Militärgerichtbarkeit entzogen haben, müßten dann nicht sogar vietnamesische Gerichte für die Verurteilung zuständig sein?


    Zum Artikel selber muß ich sagen, das er ich nicht sehr begeistert. Das soll jetzt nicht die Aussage herabwürdigen und ich möchte Ihnen auch nicht absprechen, das sie gute investigative Arbeit geleistet haben, aber an manchen Stellen erscheint er mir sehr reißerisch. Ich kann as jetz nur aus dem Kopf wiedergeben da ir gerade die Zeit fehlt die Stelle zu suchen und es ja schon etwas her ist das ich ihn gelesen habe.
    An einer Stelle wird doch z.B gesagt, das alle Mitglieder der Spezialeinheit vorher einen psychologischen Test machen mußten und dabei Fragen gestellt wurden, die ihre Einstellung zum Töten betreffen.
    Das wird einfach unkommentiert stehen gelassen als hätten sie extra Killer mit psychischen Problemen für die Einheit gesammelt.
    Solche Test sind aber absoluter Standart beim Militär und zielen nicht darauf ab besonders kaltblütige und brutale Menschen für die Streitkräfte zu gewinnen. Eher im Gegenteil.
    Da waren noch mehrere Stellen die mir etwas seltsam vorkammen, aber das ist jetzt die einzige die ich aus dem Stehgreif wiedergeben kann.
    Ich habe einfach gedacht das bei der Vergabe des Pulitzer-Preises solche Sachen auch eine Rolle spielen. Aber ich habe ich auch vorher noch nicht explizit mit dem Preis beschäftigt.
    Solche Themen scheinen bei denen auf jeden Fall beliebt zu sein. Vor 3 oder 4 Jahren hat nämlich schon mal ein ähnlicher Artikel den Preis geholt. Nur gings da um ein von US-Soldaten verübtes Massaker im Korea-Krieg.

  6. #6
    DerBademeister
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    Dem kann ich mich schon eher anschließen. Nur ob eine Entschuldigung etwas wert ist wage ich zu bezweifeln. Ich glaube ehrlich gesagt das es dem gebeutelten Land ziemlich egal ist, ob sich die Amerikaner entschuldigen oder nicht.
    Oder geht es Dir dabei mehr um das Schuldeingeständnis der Vereinigten Staaten?
    Dasselbe hätte man über Willy Brandts Kniefall in Warschau dann ja auch sagen können. Nur dass der für die Aussöhnung vermutlich bedeutender war als ein paar Milliarden Entschädigungen für die Zwangsarbeiter.

    Wie ist den da die rechtliche Lage? Kann man als (Ex-)Sodat überhaupt für die Taten während eines Krieges von einen Zivil-Gericht angeklagt werden?
    wenn die sich durch den Abschied nämlich der Militärgerichtbarkeit entzogen haben, müßten dann nicht sogar vietnamesische Gerichte für die Verurteilung zuständig sein?
    Nun, vietnamesische Gerichte haben natürlich keine Rechtsgewalt über US-Soldaten. Auch bezweifle ich, dass ein Zivilgericht Befugnisse hat - die Verantwortung dafür wird wohl der Militärgerichtsbarkeit (Judge Advocate General, wer die "realistische" Serie JAG auf Sat.1 kennt) obliegen, da es ja auch in ihren Zuständigkeitsbereich fällt. Ob die Soldaten vom aktiven Dienst zurückgetreten sind dürfte dabei ziemlich egal sein.
    Ein Wiederaufrollen solcher Fälle läuft natürlich den Interessen des US-Militärs drastisch entgegen, daher ist mit so etwas kaum zu rechnen - zumal es sehr aufwändig wäre, da die Beweislage vor Ort (also in Vietnam) geklärt werden müsste, was für amerikanische Militärjustiz ja ein Novum wäre.

    Das wird einfach unkommentiert stehen gelassen als hätten sie extra Killer mit psychischen Problemen für die Einheit gesammelt.
    Solche Test sind aber absoluter Standart beim Militär und zielen nicht darauf ab besonders kaltblütige und brutale Menschen für die Streitkräfte zu gewinnen. Eher im Gegenteil.
    Kaltblütig ja (Du kannst Dir denken warum), brutal nein. Ich habe aber (es verwunderte mich selber, daher habe ich es auch im Gedächtnis behalten) mal gelesen, dass das Militär bei der Auswahl von Spezialkräften zumindest seinerzeit ganz bewusst Wert auf diesen "Killerinstinkt" legte. Ist ja auch logisch, die Arbeit von Spezialeinheiten (und das trifft unter Garantie auch auf unser KSK zu) bewegt sich deutlich in einer rechtlichen und moralischen Grauzone, und wird diese auch oft genug überschritten - erfordert Menschen die ohne große moralische Bedenken andere Menschen töten können.

    Ich las mal ein Interview mit einem ranghohen KSK-Soldaten, indem er über seine amerikanischen Kollegen in Afghanistan befragt wurde - der Mann antwortete, dass bei den Amerikanern die Einstellung "Erst schießen, dann fragen" vorherrsche.

    Ich habe einfach gedacht das bei der Vergabe des Pulitzer-Preises solche Sachen auch eine Rolle spielen. Aber ich habe ich auch vorher noch nicht explizit mit dem Preis beschäftigt.
    Solche Themen scheinen bei denen auf jeden Fall beliebt zu sein. Vor 3 oder 4 Jahren hat nämlich schon mal ein ähnlicher Artikel den Preis geholt. Nur gings da um ein von US-Soldaten verübtes Massaker im Korea-Krieg.
    Dass der Pulizerpreis investigativen Journalismus belohnt, ist ja auch folgerichtig. Man denke nur an Bob Woodward, welcher seinerzeit für Watergate mitverantwortlich zeichnete - der Mann ist einer der angesehensten Journalisten in den USA. Schaut man sich die Verhältnisse in Punkto Medienzensur und Meinungskontrolle in Amerika an, so sind diese Menschen nach wie vor der Hauptgrund, wieso das Land (noch) eine Demokratie ist, und keine evil nazi Diktatur.

  7. #7
    Treuer SpacePub-Besucher Avatar von Estefan
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    Die Taten, die amerikanische Soldaten in Vietnam vollbrachten, waren furchtbar, das steht außer Frage.

    Aber eins noch:
    Dennoch muss man diese Soldaten bestrafen. Sie haben vermutlich tausende unschuldige Zivilisten ermordet.
    Wenn man die Soldaten jetzt noch, 38 Jahre später, bestrafen würde, wäre das Rache. Meinem Rechtsempfen nach sollte eine Strafe aber dazu dienen, die Gesellschaft vor Verbrechern zu schützen - und die Übeltäter dazu erziehen, ihre Übeltaten nicht zu wiederholen.
    Die in Vietnam stationierten Soldaten sind alle längst außer Dienst, eine Gefahr für ihre Mitmenschen geht von ihnen nicht mehr aus. Eine Bestrafung halte ich daher für unnötig. Zudem finde ich es bedenklich, wenn Rache das Recht bestimmt.

    Knast wäre für einige Personen des gegenwärtigen amerikanischen Establishments sinnvoller, von denen aktuell Gefahr für Andere ausgeht. Angesichts der (Macht-)Verhältnisse dürften die derzeit aber kaum zur Rechenschaft gezogen werden.
    Radiaton... too much radiation...

  8. #8
    DerBademeister
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    Ach mein lieber Estefan, es gibt da so einen Passus im Recht der besagt:

    "Mord verjährt nie."

    Übrigens kann man mit Deiner Argumentation auch die mehr als 50 Jahre nach dem WK II erfolgten Entschädigungszahlungen der deutschen Wirtschaft und des deutschen Staates an die Zwangsarbeiter ablehnen, so wie jede Menge andere Begebenheiten.

    Mir fallen da z.B. die SS-Männer ein, die im Greisenalter für ihre Verbrechen in Italien vor Gericht stehen, weil erst vor Kurzem durch Zufall die entsprechenden belastenden Akten auftauchten.

  9. #9
    Treuer SpacePub-Besucher Avatar von Estefan
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    Gesetze sind für mich Buchstaben auf Papier, die zufällig auch mal mit meinen moralischen Vorstellungen übereinstimmen können. Bei dem von dir zitierten Passus ist das nicht der Fall. Das dort festgelegte Prinzip der ewigen Rache kann zu leicht dazu führen, dass Schlechtes mit Schlechtem vergolten wird.
    Die Prozesse gegen diese SS-Herren halte ich nach so vielen Jahren für verkehrt - eine Gefahr für Mensch und Demokratie sind die nicht mehr.

    Bei Entschädigungszahlungen sieht das meiner Meinung nach anders aus. Der einzelne Steuerzahler oder Betriebsangehörige merkt von den Zahlungen nichts, sie sind also für ihn keine Strafe. Dafür wird Menschen, denen einst Leid geschah, etwas Gutes getan. Das ist für mich etwas ganz Anderes als einfache Strafe und Rache, wo nur das Schlechte in der Welt vermehrt wird.
    Entschädigungen an vietnamesische Kriegsopfer und deren Angehörige würde ich begrüßen.
    Radiaton... too much radiation...

  10. #10
    DerBademeister
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    Gesetze sind für mich Buchstaben auf Papier, die zufällig auch mal mit meinen moralischen Vorstellungen übereinstimmen können. Bei dem von dir zitierten Passus ist das nicht der Fall. Das dort festgelegte Prinzip der ewigen Rache kann zu leicht dazu führen, dass Schlechtes mit Schlechtem vergolten wird.
    Die Prozesse gegen diese SS-Herren halte ich nach so vielen Jahren für verkehrt - eine Gefahr für Mensch und Demokratie sind die nicht mehr.

    In jedem Rechtsstaat ist das Prinzip der Vergeltung eines der Basisprinzipien des Strafrechts. Auf die Vergeltung zu verzichten wäre vollkommen absurd, da dann das Strafrecht kein Strafrecht mehr wäre, sondern ein reines Resozialisierungs/Therapierungs-recht.

    Mit demselben Argument könnte man jeden Affektmörder freisprechen, bei dem festgestellt wurde das keine Wiederholungsgefahr besteht.
    Bestraft wird man also nicht weil man etwas falsches getan hat, sondern nur dann, wenn weiterhin eine Gefahr für die Gesellschaft ausgeht.

    Vergeltung und Rache sind zwei verschiedene paar Schuh'. Der berühmte Nazijäger Simon Wiesenthal stellte sein Schaffen unter das Motto "Recht, nicht Rache". Ich für meinen Teil würde ja nicht zu Herrn Wiesenthal gehen und ihm erklären, dass das Aufspüren von Massenmördern wie Herrn Eichmann in schönen Ländern wie Argentinien und Co. falsch war und lediglich der Rache diente - schließlich ging von diesen Rentiers in ihren Rentnerparadiesen keine Gefahr mehr aus.

    Wen juckt's da wieviele Menschen die unter die Erde gebracht haben?
    Also die Angehörigen und Hinterbliebenen stört es sicher nicht dass sowas nach der Auffassung mancher Leute ungesühnt bleiben soll.

    Der einzelne Steuerzahler oder Betriebsangehörige merkt von den Zahlungen nichts, sie sind also für ihn keine Strafe
    Mhm, ich dachte immer die 10 Milliarden DM entstammten dem Volksvermögen (Vermögen der Industrie und des Staates), und wären nicht wie in Grimms Märchen vom Himmel gefallen, vom Esel gekackt oder aus Stroh gesponnen worden.
    Mea culpa.

    Das ist für mich etwas ganz Anderes als einfache Strafe und Rache, wo nur das Schlechte in der Welt vermehrt wird.
    Ja, die armen Massenmörder. Die Welt kann so gemein zu ihnen sein. Und diese bösen selbstsüchtigen Opfer, ewig nur auf ihre Rache aus. Wirklich schlimme Menschen.

    Geht von einem Menschen der heute in seinen 50ern oder 60ern ist und vor 30 Jahren zig Leute brutal abgeschlachtet hat etwa erhöhte Verbrechensgefahr aus? Sind solche Personen für Unrecht möglicherweise desensibilisiert? Könnten sie in gewissen Situationen enthemmt reagieren?
    I wo!

    Aber das ist nicht so schlimm, mit Deinen Ansichten bist Du in guter Gesellschaft unseres schönen Rechtsstaats Deutschland, bei dem Täter bemittleidet und auf Staatskosten therapiert und unterstützt werden, während man deren Opfer alleine lässt.

    Ich stelle mir gerade vor, ich wäre Asiate und so ein "Kriegsheld" mein Nachbar in einer schnuckeligen Vorstadtsiedlung mit weissen Gartenzäunen.
    Ich würde ihn nicht zum Truthahnessen einladen.

    Aber lassen wir das.

  11. #11
    Treuer SpacePub-Besucher Avatar von Estefan
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    Nur noch ein paar Klarstellungen:

    (...) während man deren Opfer alleine lässt.
    Ich habe nie gesagt, dass die Opfer in Vietnam alleine gelassen werden sollten. Ich befürworte Hilfe für Opfer, in Vietnam und anderswo.

    Zu den 10 Milliarden Kompensation für Zwangsarbeiter: Ja, das ist Volksvermögen. Aber auf viele Schultern verteilt, kratzt das den Einzelnen nicht. Mag sein, dass das für das "Volk" Strafe ist (wenn denn etwas Abstraktes Empfindungen hat). Dafür kann Entschädigung Menschen etwas Gutes bringen (hmmmh das hatte ich schon gesagt).

    Die amerikanischen Vietnamsolsdaten lassen sich meiner Meinung nach weder mit den von dir erwähnten Nazi-Chargen, noch mit Affektmördern in einen Topf werfen. Die Nazis waren Teil eines verbrecherischen Regimes. Es war richtig, sie zu verfolgen, um ein Zeichen gegen ihre Terrorherrschaft zu setzen, damit sich so etwas nicht wiederholt.
    Bei Affektmördern macht die Strafe daher Sinn, da sie Wiederholungstäter hoffentlich abschreckt und die Gesellschaft dadurch schützt.

    Ein Terrorregime gab es in den USA nie, und die amerikanischen Soldaten in Vietnam waren keine Affektmörder. Darum gelten meiner Meinung nach für die amerikanischen Vietnamsoldaten andere Maßstäbe, die ich oben erwähnt habe, als für die von dir genannten Gruppen. In dem Punkt sind wir geteilter Meinung, das ist klar.


    Jetzt können wir das von mir aus lassen.
    Radiaton... too much radiation...

  12. #12
    DerBademeister
    Gast

    Standard

    Ach so, dann habe ich Dich falsch verstanden.

    Soldaten die für diktatorische Regime kämpfen und brutal Menschen abschlachten müssen verfolgt werden, um ein Zeichen gegen diese Terrorherrschaft zu setzen.

    Soldaten die für God's own country, das Mutterland von Demokratie, Freiheit und Gleichheit kämpfen und brutal Menschen abschlachten - für die gelten andere Maßstäbe.

    Die Hinterbliebenen der Opfer




    http://www.konfliktbilder.de/bilder/A063.jpg

    können sich ja dann an diesem Gedanken erwärmen - nämlich dass ihre Liebsten wenigstens von amerikanischen Helden, und nicht von bösen Nazischergen ermordet wurden.

    Vielen Dank dass Du mich aufgeklärt hast.

  13. #13
    Treuer SpacePub-Besucher Avatar von Estefan
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    Standard

    Strafen bringen, im Gegensatz zu Entschädigungen, den Angehörigen der Opfer auch nichts. So weit war ich in dem Thread schonmal, das bleibt auch meine Meinung.

    Aber mal angenommen, man wolle tatsächlich alle Verantwortlichen für Morde an Zivilisten im Vietnamkrieg zur Rechenschaft ziehen. Das würde nicht bei den Mitgliedern der im Spiegel genannten Eliteeinheiten enden.

    Die vietnamesischen Revolutionäre bewegten sich unter ihren Landsleuten, den Worten des großen Vorsitzenden Maos folgend, "wie der Fisch im Wasser" und gebrauchten die Zivilbevölkerung sowohl zur Versorgung, als auch als Schutzschild. Die amerikanischen Soldaten folgten der offiziell festgelegten Strategie, den "Fisch vom Wasser zu trennen", und radierten zu Lande und insbesondere aus der Luft vietnamesische Dörfer aus, um die Bauern in die im Spiegel-Artikel erwähnten "Wehrdörfer" oder großstädtische Slums zu treiben.
    Also müssten sämtliche Kämpfer des Vietnamkriegs, inklusive der militärischen und politischen Führungen beider Seiten jener Zeit, vor Gericht.

    Vielleicht ist das im Sinne der politischen Hygiene positiv. Blos ob so eine radikale Säuberung positive Effekte für Zukunft hat, halte ich zumindest für zweifelhaft.

    Ich glaube auch nicht, dass sich das durchsetzen lässt. Und halbe Sachen, z.B. exemplarisch ein paar zufällig dokumentierte Schlächter abzuurteilen, fände ich ungerecht.
    Radiaton... too much radiation...

  14. #14
    Dauerschreiber
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    Standard

    (Spiegel verschiebt seine Artikel ja nach 2-3 Monaten in ein kostenpflichtiges Archiv).
    Was mal ne zeitlang sehr nervig war, wie ich finde. Aber jetzt, wo das Niveau immer mehr sinkt, ist mir das eigentlich egal.

    Den diesjährigen Pulitzer-Preis für investigativen Journalismus verdankt die Lokalzeitung "Toledo Blade" aus Ohio nicht nur hartnäckiger Recherche. Mindestens ebenso wichtig war, dass die Chefredaktion des Blattes die vermeintlich unpatriotische Reportage über amerikanische Kriegsgräuel in Vietnam trotz Gegenwinds veröffentlichte.
    Und das in Amerika, wo doch die Presse angeblich ach so patriotisch ist. So etwas fehlt mir übrigens in Deutschland komplett. Ich möchte nicht wissen was sich alles so ausgraben ließe wenn sich denn jemand trauen würde: Aber das ist ein anderes Thema. Und es ist eh einfach wenn wird die Guten und Amerikaner die Bösen sind, oder?

    Die Amerikaner machen es mittlerweile selbst einem differenziert denkendem Menschen, der nicht mit der üblichen antiamerikanischen Basherei in einen Topf geworfen werden will, sehr, sehr schwer, sie zu mögen. Bzw. nicht anzufangen eine Abneigung zu zeigen deren Weg zu Hass nicht mehr weit ist.
    Irgendwie witzig wenn man das so liest. Ich bin ja zu aller erst dafür vor der eigenen Haustür zu kehren. Mal ein paar Beispiele. Vor ein paar Tagen wollte ich Union erreichen das die Herrschaft er SED als genauso schlimm angesehen wird wie die Terrorherrschaft von Hitler und den Idioten die er um sich versammelt hat.

    Interessant fand ich auch die Geschehnisse rund um den D – Day. Wie irgendwo so treffend bemerkt wurde, plötzlich wird hinterfragt warum die Alliierten uns überhaupt befreit haben. Den, das will ja schon immer jeder gewusst haben, die Amerikaner sind eben doch böse. Man schaue nur in den Irak. Wie können die uns da befreit haben? Hat eigentlich jemand mitgekriegt die Union versucht hat Gerd als unpatriotisch darzustellen weil er keinen Kranz auf einem rein deutschen Friedhof abgelegt hat?

    Dann gibt es ja auch noch reichlich SS Massaker für die noch niemand in diesem Land die Verantwortung übernommen hat. Gerd soll ja während seiner Rede das eine in der Nähe erwähnt haben. Wofür die Franzosen sehr dankbar waren. Davor hat sich niemand von den Offiziellen aus Deutschland da blicken lassen.

    Vor ein paar Tagen wurde im Bundestag des ersten deutschen Völkermords gedacht. Das Wort Völkermord wurde nicht einmal erwähnt. Aber das war ja auch nur in Afrika wo man Menschen abgeschaltet hat. Und als Ausrede kam natürlich wieder: Aber wir zahlen doch genug Entwicklungshilfe. Als wenn Geld was ändern würde.

    Gehören die US Soldaten bestraft? Definitiv. Habe ich ein Recht mich darüber aufzuregen das sie es bis jetzt nicht wurden? Vielleicht? Es gibt aber noch genauso viele SS Männer in diesem meinen Land die bis heute unbehelligt vor sich hin leben. Und ein Nazirichter hat sogar in den letzten Jahrzehnten regelmäßig den Bundespräsidenten mitgewählt.

    Und nein, es geht mir nicht darum wer mehr gelitten hat: Es geht mir um Arroganz. Denn wenn ich es selber nicht besser mache habe ich kein Recht über andere zu urteilen.

    Das geht mir in diesem Land nämlich momentan mal wieder total auf die Geschlechtseile. Da wird mal gerne über den bösen George und die bösen Amerikaner hergezogen, der eigene Dreck im Vorgarten wird dabei total übersehen.

    "Wie können Menschen sowas tun"
    Das ist IMO die viel wichtigere Frage. Wenn ich mal meinen Gedanken freien lauf lassen darf, für mich hat das viel mit der westlichen Arroganz zu tun. Das mag ja jetzt jeder abstreiten wollen, aber wir belächeln die primitiven Völker die mit uns den Planeten teilen doch. Wir haben Fernseher, Autos, fließend Wasser, Häuser aus Steinen und ein Blick in die Glotze reicht ja um zu sehen das die es nicht so gut haben wie wir. Das Wort Untermensch wird zwar nicht genannt, es wird aber doch sein Grüne haben warum es denen nicht so gut geht wie wird. Das wird daran eine Mitschuld tragen wird auch gerne mal unter den Tisch fallen gelassen. Letzte Woche wurde, ich glaube es war Coca Cola, im Bundestag mitverantwortlich gemacht das Kinder zu dick sind. Die Union hat getobt. Jetzt stelle man sich mal vor jemand würde dort erzählen wie unsere tollen deutschen Unternehmen die Menschen in der 2ten und 3ten Welt ausbeuten. Das ist doch allen egal solange es uns gut geht.

    Für mich sind, und waren schon immer, die wahren Schuldigen diejenigen, die zuhause im Warmen hocken und aus nichts mehr als der eigenen Machtgeilheit junge Menschen in den Tod schicken.
    Mitschuldig an den meisten Kriegen sind wir alle. Ja, z. B. auch in dem Massaker im Sudan. Schließlich geht es auch da ums Öl. Und wir alle wollen doch unseren Lebensstandard halten, oder? Ich glaube übrigens, dass dies alles in den nächsten Jahren noch viel öfter passieren wird.
    "Both destiny's kisses and its dope-slaps illustrate an individual person's basic personal powerlessness over the really meaningful events in his life: i.e. almost nothing important that ever happens to you happens because you engineer it. Destiny has no beeper; destiny always leans trenchcoated out of an alley with some sort of Psst that you usually can't even hear because you're in such a rush to or from something important you've tried to engineer."

  15. #15
    DerBademeister
    Gast

    Standard

    Ein interessanter Artikel über Kriegsfolgen:

    KRIEGSFOLGEN

    Ein Drittel der GIs leidet unter psychischen Problemen

    Leichen wegräumen, Treffer auf die Schussweste, getötete Kameraden - fast jeder dritte aus Irak zurückkehrende US-Soldat hat wegen der erlebten Vorfälle erhebliche psychische Probleme. Das Posttraumatische Stress-Syndrom tritt einer Studie zufolge umso häufiger auf, je mehr Schießereien die Soldaten erlebten.
    http://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/...,306639,00.html

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