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Thema: hr1 "SchwarzWeiß" eingestellt

  1. #1
    Wühlmaus Avatar von Nager
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    Ich Triefnase wollte das Thema eigentlich schon ansprechen, *bevor* es zu spät ist.

    hr1 Schwarz Weiss wird eingestellt

    Die hessische Radiolandschaft wird ab 17. Juli bedeutend ärmer werden. Für die Zeit der hessischen Sommerferien bis zum 30. August wird es auf dem bisherigen Informationsradio des Hessischen Rundfunks keine Sendungen mehr geben. Statt dessen wird es den ganzen Tag unter dem Titel "Sommerradio" (vermutlich nach dem hr-Hörfunkdirektor Heinz Sommer bennannt) einen Mix aus kurzen Magazinbeiträgen und Musik aus der Rotationsdose geben. Keine Programmstruktur und seichte Informationen den ganzen Tag über lassen kein qualitatives Programm erwarten. Neue "Sendestrecken" mit "Anmutung" soll es dann ab dem 01. September geben. Ob allerdings wirklich wieder ein "journalistische Qualitätsprogramm" entsteht, darf und muss bezweifelt werden.

    Bereits am 16. Juli läuft auf hr1 dann das letzte Mal die Musiksendung "SchwarzWeiss - Musik in Farbe", die 2003 auf Platz 9 im SPEX-Leserpoll landete. Damit ist leider die Initiative "Rette dein Radio" mit ihrem Ziel gescheitert, "SchwarzWeiss" zu erhalten. Einen Teilerfolg gab es lediglich für die Rettung der Wortsendung "Der Tag", die ab dem 28. Juni auf hr2 ausgestrahlt wird.

    Mit der Umstrukturierung von hr1 wird der kulturpolitische Kahlschlag fortgesetzt, der seit der Einsetzung des ehemaligen "heute-journal"-Moderators Helmut Reitze zum Indendaten des Hessischen Rundfunks begonnen hat. Der Wahl Reitzes zum Indendanten durch den Rundfunkrat der Anstalt war eine Ausweitung des Rundfunkrates durch "gesellschaftlich relevante Kräfte" vorausgegangen. So wurden der Beamtenbund, die hessischen Industrie- und Handelskammern, die Handwerkskammern, der Verband freier Berufe und der Bund der Vertriebenen auf Initiative des hessischen Ministerpräsidenten Roland Koch in das Gremium aufgenommen, wodurch dieses seitdem eine konservative Mehrheit hat.

    Seit dem Amtsantritt Reitzes im Januar 2003 wurden nun nahezu alle Programme des hr verändert. Politische Sendung im hessen fernsehen wie beispielsweise das mehrfach ausgezeichnete "Dienstag - Das starke Stück der Woche" wurden eingestellt. Nun findet man auf dem Sender die größte Dichte an Karnevals- und Unterhaltungssendungen. "hr XXL" wurde zu "you fm" um ein jüngeres Publikum anzusprechen, auf hr3 wurde die Musikspezialschiene, u.a. mit "Der Ball ist rund", der jetzt auf hr2 rollt, gestrichen.

    Diese drastischen Kürzungen, begründet mit Einsparmaßnahmen sowie dem Ziel der Zielgruppenerweiterung, werfen auch die Frage nach dem Zweck der GEZ-Gebühren sowie dem öffentlich-rechtlichen Kulturauftrag auf. Es erscheint fraglich, ob der hessische Rundfunk wirklich mehr Publikum ansprechen kann. Der Unterschied zur privaten Konkurrenz wird immer kleiner.

    Christian Glauer
    Spex, 23.06.04
    Radio interessiert mich seit Jahren nicht mehr. Aber diese Meldung macht mich richtig wütend.
    Erst vor kurzem bin ich durch Zufall auf diese außergewöhnliche Sendung gestoßen und war völlig begeistert, dass es so etwas heute noch im Radio gibt - nur damit die Sendung ein paar Wochen später plattgemacht wird. Argh!

    "SchwarzWeiss - Musik in Farbe" war ein ausgezeichnetes Musikmagazin mit Kultfaktor, das sich in jeder Ausgabe einer anderen ungewöhnlichen Musikrichtung angenommen und ihre Tiefen ausgelotet hat. Dabei wurde vor keinem Musikstil halt gemacht - von Moderner Klassik bis Country, von Avantgarde bis Hip-Hop. Man bekam ungewöhnliches, nicht alltägliches, aber immer interessantes zu hören. Die Moderation war dabei das beste. So bildreich und sprachlich perfekt habe ich nie zuvor jemanden über Musik reden gehört. Die wenigen Ausgaben der Sendung, die ich hören durfte, verfolgte ich mit wachsender Begeisterung, mit den Ohren förmlich an den Lautsprechern hängend.

    Und jetzt ist das bereits wieder Geschichte, der Programmplatz auf meinem Radio wieder gelöscht, denn den xten Sender mit seicht-dünner Konserven-Dauerberieselung und oberflächlicher Guter-Laune-Moderation brauche ich wirklich nicht.
    Mainstream-Radiosender mit Profil sind Geschichte. Programmradio stirbt aus. Ein Radioprogramm, bei dem man aktiv hinhören muss, ist eine Zumutung für den Hörer.

    "Schwarz-Weiß" war durchaus nicht unerfolgreich. Die Sendung hatte ihre Hörer und sich über die Jahre einen hohen Kultfaktor aufgebaut. Nun wird sie wegrationalisiert, weil man dem Zuhörer nicht mehr zumuten kann, den gleichförmigen "Fluss" der Dudel-Musik zu unterbrechen. Menschen, die den Sender den ganzen Tag während der Arbeit laufen haben, könnten sich einen anderen Sender zur Nebenbei-Berieselung suchen, der keine so plötzlichen "Umbrüche" im Programm hat.

    Also gibts auch auf hr1 jetzt durchgehend den belanglosen Sommer-Sonne-Gute-Laune-Mix - rund um die Uhr. Das selbe gleichförmig-unaufdringliche Seichtpop-Geplätscher wie auf allen anderen großen Kanälen..

    Was mich dabei so richtig wütend macht: "SchwarzWeiß" lief auf einem öffentlich-rechtlichen Sender, der einen verdammten KULTURAUFTRAG hat. Öffentlich-rechtliche Sender haben es *nicht nötig*, den selben Kack wie die privaten Sender auszustrahlen, sie können sich Niveau *leisten*.
    Der Otto-normal-GEZ-Bezahler hört nicht auf einmal mit Gebührenzahlen auf, weil ihm eine Radiosendung nicht gefällt...

    Aber wer jetzt *von mir* noch GEZ-Bebühren will, soll sich über meine seltsamen Reaktionen zwischen Lach- und Wutanfällen nicht wundern.

    Auf http://www.rettedeinradio.de/ gibt's mehr Infos und eine Unterschriftensammlung.

  2. #2

    Standard

    >unter dem Titel "Sommerradio" (vermutlich nach dem hr-Hörfunkdirektor Heinz Sommer bennannt)

    Ah. Sci-Fi unter Bonnie Hammer war dann also vermutlich ein 'Hammersender'? ;-)

    Zum Thema Schwarz-Weiß: Es ist ein Jammer. Ich denke, der HR wird von mir mal einen kleinen Protestbrief bekommen, im Protestbriefe schreiben bin ich ja doch ganz gut geworden.

  3. #3
    Dauerschreiber
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    Standard

    witzig find ich ja folgendes fazit das man auf der von nagerchen erwähnten rettungsseite in einem artikel lesen kann:
    Neben all diesen negativen Aspekten lassen die Entwicklungen aber einen positiven Schluss zu - wenn auch nur für uns Printjournalisten: Es zeigt sich, wie wichtig das Schreiben über Popmusik ist. Das geschriebene Wort ist für Musikkonsumenten noch immer oft der erste Kontakt mit tollen Künstlern, da ihre Clips nicht im Fernsehen laufen und da ihre Songs allerhöchstens in den wenigen verbliebenen Spartensendungen gespielt werden.

    123
    und das mit dem kulturauftrag ... ach ja, das waren noch zeiten damals.

    übrigens, stand auch in der fr, stichwort internet:

    Senderjagd per Mausklick

    Immer mehr Radioprogramme kommen ins Internet - Vor allem für Freunde der Kurzwelle bietet der Wechsel ins Netz Verbesserungen

    [...]

    Zeit zum Sender jagen

    Radiohören im Internet bedeutet keine Ablösung des "richtigen" Radiohörens, sondern lediglich den Wechsel des Übertragungsweges. "Ich habe jahrelang viel Zeit mit der Senderjagd verbracht", sagt Gert Seliger, der beruflich als Fernsehtechniker tätig ist, "vor allem nachts, weil man dann die Sender aus bestimmten Regionen besser hereinbekommt. Das Internet war für mich erst nur eine Ergänzung, aber dann bin ich ganz umgestiegen."

    [...]

    Im Netz tummelt sich bereits eine Fülle digitaler Programme, die kostenlos abgehört werden können. Vom Countrysender aus den südlichen Appalachen bis hin zum großen Auftritt litauischer Geigerinnen ist für jeden Geschmack etwas dabei. Kostenlose Browser machen die Suche nach der Lieblingsstation leicht, wobei man Stil, Sprache und Region des gesuchten Senders vorgeben kann. Eigene Websites geben einen Überblick über Programme. So findet sich auf classicalwebcast.com eine gute Übersicht über Angebote klassischer Musik - ohne spürbare Einschränkung der Rechnerleistung nebenher zu hören. Mehr als hundert über das Internet ausstrahlende Klassiksender sind dort aufgelistet.

    [...]

    lesen
    "Both destiny's kisses and its dope-slaps illustrate an individual person's basic personal powerlessness over the really meaningful events in his life: i.e. almost nothing important that ever happens to you happens because you engineer it. Destiny has no beeper; destiny always leans trenchcoated out of an alley with some sort of Psst that you usually can't even hear because you're in such a rush to or from something important you've tried to engineer."

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