Ergebnis 1 bis 7 von 7

Thema: Collateral

  1. #1
    Kleiner SpacePub-Besucher
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    Meine Erwartungen waren gleich null. Ich schätze zwar Michael Mann sehr für seine grossartige Filmographie, seine Filme waren aber für mich bisher immer Garanten für ausgezeichnete Videoabende. Tatsächlich war Collateral der erste Mann Film den ich im Kino sah (liegt wohl auch daran dass er nicht gerade zu den produktivsten Regisseuren gehört )
    Dank dieser Einstellung darf ich sagen dass mir der Film ausgezeichnet gefallen hat.

    Am eindrücklichsten am Film empfand ich die optische Umsetzung und die musikalische Untermalung.
    Es stimmt zwar, dass manche Szenen einen starken Dokutouch aufweisen. Das führt aber dazu dass das Geschehen meiner Meinung nach nur noch unmittelbarer wirkt.
    Sehr gefallen hat mir auch die Kulisse von LA. Mann hat in einem Interview gesagt dass er bewusst LA gewählt hat, da diese Stadt noch Seiten zu bieten hätte die dem Kinobesucher noch weitestgehend unbekannt sind.
    Und da hatte er nicht Unrecht. Ich empfand die urbanen Aufnahmen bei Nacht als ungemein beeindruckend. Schwarze, gläserne Türme, sich bewegende Ketten aus Licht und zugleich leergefegte Highways. Eigentlich nichts ungewöhnliches, aber gepaart mit der ruhigen Inszenierung von Mann und dem etwas anderen Ambiente der kalifornischen Stadt ergibt sich daraus ein sehr faszinierender Look.

    Zudem gesellt sich ein Soundtrack den man getrost als einen besten des Jahres bezeichnen kann. Angefangen bei dem etwas anderen James Newton Howard Score, der ähnlich wie Elfmans "Planet Of The Apes" auf sehr viel Percussion setzt. JNH hat die verschiedensten Schlagwerkinstrumente eingesetzt um daraus einen sehr packenden und stimmungsvollen Score zu erstellen. Um der Musik die nötige Abwechslung zu geben integrierte der Komponist zusätzlich einige kleine Streicher- und Bläserpassagen und ein paar rockige Actioncues die mit E-Gitarren und E-Bass aufwarten.
    Vorallem die Rockcues erinnern sehr an Goldenthals "SWAT".
    Abgerundet wird der akkustische Eindruck von einigen erlesenen und sehr passend eingesetzten Songs und Intrumentals von Audioslave, Antonio Pinto (City Of God), Tom Rothrock, Calexico und anderen.
    Auch wenn ich Johnnies Meinung bezüglich dem Film nicht teile, muss ich ihm in Punkto Soundtrack Recht geben: KAUFEN! :thumbup:

    Leicht negativ fällt für mich einzig der Showdown auf. Er wirkt im gegensatz zum Rest leider oft konstruiert und man kommt an dem obligatorischen Schlusskampf der beiden Protagonisten nicht vorbei der leider zudem noch erwartungsgemäss überraschungsarm endet.
    Ein etwas offenerer Schluss wäre für mich um einiges zufriedenstellender gewesen.
    <font class='spoiler'>Beispielsweise als Vincent bei der Jagt nach Max und Annie sich für einen der beiden Züge entscheiden muss, hätte ich Luftsprünge vor Freude gemacht wenn Vincent die falsche Wahl getroffen und somit die Spur verloren hätte.</font>
    Dafür wurde das Gefühl einer Katz und Maus-Jagd sehr gut eingefangen und der abschliessende Dialog zwischen Max und Vincent gefolgt von der ruhigen Inszenierung und Antonio Pintos Requiem macht einiges wieder gut.

    Fazit:
    Ich gebe dem Film ansich 8/10 Punkten und für den exzellenten Soundtrack einen Extrapunkt. Das macht 9/10


    &quot;Früher war alles besser, auch die Zukunft.&quot;

  2. #2
    Tastaturquäler Avatar von Crystal
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    Ich habe mir Collateral am Freitag angesehen und war, obwohl ich mit etwas höheren Erwartungen ins Kino gegangen bin (wenn man auch vorher nur gute Kritiken liest... ) trotzdem begeistert.

    Die Grundstory an sich hört sich erstmal gar nicht so spannend an: Ein Auftragskiller lässt sich von einem Taxifahrer quer durch LA buxieren, um ein paar Leute über der Jordan zu schicken. So ganz glatt läuft die Sache aber nicht und schon haben wir das Drama.

    Interessant wird das Ganze durch die beiden Hauptdarsteller, die ihre Charaktere sehr überzeugend rüberbringen. So kann man die Wandlung des Taxifahrers mitverfolgen und eine Dreidimensionalität des Auftragskillers erkennen. An der Stelle wäre es nur allzu einfach gewesen, ihn einfach als von Grund auf bösen Menschen abzustempeln.

    Die Verwendung der Handkameras hat mir auch gut gefallen (ich weiß auch nicht, wie genau ich das beschreiben soll, aber dadurch fließt das Bild bei Bewegungen mehr), genau wie das gesamte Umfeld. Wann sieht man schon mal so einsame Straßen, in denen aus der Vogelperspektive nur ein einziges Auto über den Highway fährt?
    Zum Soundtrack kann ich leider nichts sagen, da mir der, wie bei den meisten Filmen, absolut nicht aufgefallen ist und ich demnach auch keine Erinnerungen an ihn habe. Da ich mich jedoch in den Film gezogen gefühlt habe, nehme ich an, dass er seine Wirkung nicht verfehlt hat.

    Zwei Dinge sind mir jedoch etwas unklar geblieben:
    <font class='spoiler'>1. Der Wolf und was auch immer davor über die Straße ging. Irgendeinen Sinn wird die Szene wohl gehabt haben, denn sonst war sie einfach zu lang. Ich musste mich jedenfalls fragen, ob ich irgendwas an der Stelle übersehen habe. Das einzige, was mir in einer späteren Szene aufgefallen ist, ist dass mich Vincents Blick wieder an diese Szene erinnert hat, als der Wolf in die Kamera blickte, aber irgendwie passt das für mich nicht so ganz als "Sinn der Szene".

    2. Das Ende. Seh ich das richtig, dass Taxifahrer Matt bei der wilden Schießerei durch die Glassscheibe Vincent besser getroffen hat, als Mr. Scharfschütze "ich-töte-jeden-mit-einem-gezielten-Schuss"? Ich dachte die ganze Zeit, ihm wäre einfach die Munition ausgegangen, bis er plötzlich auf dem Sitz zusammensackte. Die Szene war auch meinen Mitsehern etwas unklar. Es wurde schon spekuliert, ob er eine Giftkapsel im Zahn hatte, von wer-weiß-was getroffen wurde oder was auch immer passiert sein könnte. Ich dachte am Ende jedenfalls, er würde gleich aus dem Zug springen und seinen Auftrag doch noch zu Ende bringen.</font>

    Der Kinobesuch hat sich für mich jedenfalls gelohnt. Jetzt habe ich LA mal in ganz anderer Erinnerung.

  3. #3
    Kleiner SpacePub-Besucher
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    1.
    Das war eine der Eigenheiten der Stadt die Michael Mann hervorheben wollte, denn man soll tatsächlich in der Nacht unzähligen Füchsen in Downtown LA begegnen können.
    2.
    Das war der von mir angesprochene überraschungsarme und vorallem kontruierte Schluss. Fällt leider im Vergleich zum Rest des Films sehr stark ab. Schade dass Mann sich für eine konventionelle Auflösung entschieden hat. Ein offener und gewagter Schluss wäre wünschenswerter gewesen.

    goodspeed


    &quot;Früher war alles besser, auch die Zukunft.&quot;

  4. #4
    Tastaturquäler Avatar von Crystal
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    Danke, dann wären auch die letzten Fragen geklärt. Bei 1 hatte ich wirklich mit einer etwas tiefgreifenderen Bedeutung gerechnet, da sich die beiden so lange angestarrt haben. Irgendeine Erkenntnis oder sowas in der Art.

    Von einem überraschungsarmen Schluss würde ich in dem Zusammenhang aber nicht reden, denn so sehr wurde ich selten vom Ausgang einer Schießerei überrascht. Vor allem hatte ich eben nicht mit so einem "glücklichen" Ende gerechnet. In dem Fall wäre ich mit weniger Überraschung sehr zufrieden gewesen. Wie du schon meintest, das Ende passt einfach nicht zum Film.

  5. #5
    DerBademeister
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    Das war eine der Eigenheiten der Stadt die Michael Mann hervorheben wollte, denn man soll tatsächlich in der Nacht unzähligen Füchsen in Downtown LA begegnen können.
    Nun, die Symbolik ist da auch durchaus vielschichtiger.
    Der Stadtwolf ist ja auch ein Symbol für die Stadt als urbaner Dschungel, in den uns Michael Mann entführt.
    Jäger und Gejagter.
    Für mich symbolisierte der graue Wolf den früh ergrauten Profikiller Vincent, der ebenfalls einsam, einzelgängerisch durch die Stadt schleicht um seine Arbeit zu erledigen.

  6. #6
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    Originally posted by DerBademeister@29.09.2004, 18:39
    Nun, die Symbolik ist da auch durchaus vielschichtiger.
    Der Stadtwolf ist ja auch ein Symbol für die Stadt als urbaner Dschungel, in den uns Michael Mann entführt.
    Jäger und Gejagter.
    Für mich symbolisierte der graue Wolf den früh ergrauten Profikiller Vincent, der ebenfalls einsam, einzelgängerisch durch die Stadt schleicht um seine Arbeit zu erledigen.
    Ganz genau, du hast es erfasst...

    zu Punkt 2 und den damit einhergehenden Unklarheiten:
    Wenn man genau aufpasst ( :P ) erkennt man, dass Vincent an der rechten Brust blutet - also nix Giftkapsel oder sonstiges

    Bin von dem Film jedenfalls begeistert. Bin mit hohen Erwartungen reingegangen, und Mann hat sie fast noch übertroffen. Ich würde ihn gut und gerne auf eine Stufe mit Heat stellen... Für mich ganz großes Kino, dass sich fans des Thriller-Genres nicht entgehen lassen sollten.
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    Andreas Katsulas as G'Kar - Objects in Motion / The Lost Tales-Intro


  7. #7
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    Mir hat der Film ebenfalls gut gefallen, auf eine Stufe mit Heat würde ich ihn aber nicht stellen, trotzdem ein wirklich gelungener Film. Das Ende fand ich, wie andere auch, etwas unpassend bzw. unreallistisch, aber ansonsten gibt&#39;s nichts zu meckern. Der Kinobesuch hat sich gelohnt.

    CU Falcon

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