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Thema: Ephraim Kishon ist gestorben

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    Wühlmaus Avatar von Nager
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    Von Spiegel.de:

    EPHRAIM KISHON GESTORBEN

    "Ein Genie des Humors"

    Der Tod von Ephraim Kishon ist weltweit mit Bestürzung aufgenommen worden. Weggefährten und Fans des Bestseller-Autors zeigten sich tief betroffen. Die Beisetzung wird am Dienstag in Israel stattfinden.

    Berlin - Kulturstaatsministerin Christina Weiss sagte, Kishon habe in Deutschland ein großes Publikum gehabt, nicht nur als Humorist, sondern auch als Philosoph. "Er war ein Entwicklungshelfer im besten Sinne, der vielen Deutschen half, ihre antisemitischen Verblendungen zu überwinden." Die Deutschen hätten durch ihn gelernt, wieder gemeinsam mit den Juden zu lachen.

    Der Verlag Langen Müller Herbig habe mit Kishon einen herausragenden Autor verloren, eine wirklich einmalige Schriftstellerpersönlichkeit, sagte Verlegerin Brigitte Fleissner-Mikorey am Sonntag in München. Mit Kishon habe sie auch einen wundervollen Freund verloren. "Um über einen derart langen Zeitraum so erfolgreich zusammenarbeiten zu können, bedarf es ganz einfach der gemeinsamen Wellenlänge, einer herzlichen Verbundenheit", betonte die Verlegerin.

    Kishon sei noch mit großer Begeisterung dabei gewesen, seinem neuen Buch "Kishon für Österreicher - und alle, die es gerne wären" den letzten Schliff zu geben. Noch am Donnerstag habe er die Druckfreigabe erteilt. Der Satiriker und Romancier war seit fast einem halben Jahrhundert Starautor bei Langen Müller.

    Die israelische Bildungsministerin Limor Livnat hat den Tod Kishons als schweren Verlust bezeichnet. "Das israelische Volk verneigt sich vor einem seiner größten Kunstschaffenden", sagte Livnat nach Angaben der israelischen Zeitung "Jediot Achronot". Der israelische Staatspräsident Mosche Katzav sagte dem Armeesender, Kishon habe die israelische Kultur entscheidend mitgeprägt. Sein Freund Joseph Lapid von der Schinui-Partei nannte den Satiriker ein "Genie des Humors".

    Der israelische Oppositionschef Josef Lapid sagte nach Bekanntwerden der Todesnachricht der Zeitung "Maariv", mit Kishon habe Israel seinen größten Humoristen verloren. "Und ich habe meinen besten Freund verloren", fügte er hinzu.

    "Er hatte immer das Gefühl, in Israel nicht geschätzt zu werden", schrieb der israelische Schauspieler Topol in einem Nachruf der Zeitung "Jediot Ahronot". Kischon habe oft gesagt, er habe das Gefühl, es gebe da eine Clique von "Sabras" (in Israel geborener Juden), die nur deshalb gegen ihn seien, weil er aus Ungarn stamme.

    Der israelische Staatspräsident Mosche Katzav würdigte Kishon als einen der bedeutendsten Künstler des Landes. Keiner habe so wie er den Prozess der Eingliederung von Einwanderern in die israelische Gesellschaft zum Ausdruck bringen können.

    Dabei stand Kishon nicht unkritisch zu Israel. Es sei immer ein ambivalentes Verhältnis gewesen, sagte heute sein Sohn Rafi. So habe er die Gründung des jüdischen Staates zwar als größtes Wunder des 20. Jahrhunderts betrachtet. Von den Intellektuellen und Kritikern in Israel habe er sich aber oft ungerecht behandelt gefühlt. Gleichwohl habe sein Vater weiter auf Hebräisch geschrieben und Israel von der Schweiz aus immer wieder besucht.

    Die Erfolge in Deutschland hätten Kishon besonders gefreut. Es sei für ihn ein besonderes Gefühl gewesen, dass die Kinder seiner Henker jetzt seine Bewunderer seien, habe er einmal erklärt, berichtete Rafi Kishon.

    Kishon wurde am 23. August 1924 unter dem Namen Ferenc Hoffmann in Budapest geboren. Als 20-Jähriger geriet er in die Fänge der Nazis und wurde nach Polen deportiert. In einem Konzentrationslager stellte ihn ein Wachmann mit anderen Juden in eine Reihe und erschoss zehn Häftlinge - Kishon aber überging er. "Sie machten einen Fehler, sie ließen einen Satiriker am Leben", schrieb Kishon später. Im letzten Kriegsjahr 1945 gelang ihm auf dem Weg ins Vernichtungslager Sobibor die Flucht. 1949 floh er vor den Kommunisten und siedelte nach Israel über. Dort nahm er seinen neuen Namen an.

    Nachdem Kishon in Budapest Kunstgeschichte und Bildhauerei studiert hatte, schrieb er in Israel zunächst satirische Glossen für die Tageszeitung "Maariv". Mit Beginn der sechziger Jahre gab er eine Vielzahl von Satiren und Erzählbänden heraus. Am bekanntesten wurden "Drehn Sie sich um, Frau Lot" (1962), "Arche Noah, Touristenklasse" (1963) und "Wie unfair, David" (1967).

    Sein Werk von mehr als 50 Büchern wurde in mehr als 34 Sprachen übersetzt. In Deutschland erreichten seine Bücher eine Millionenauflage. Außerdem schrieb er Drehbücher für Filme wie "Salah Schabati".

    In Deutschland erhielt Kishon 1978 den Orden wider den tierischen Ernst, den er allerdings nach einem Disput mit seinem Mit-Ordensträger Norbert Blüm über die israelische Politik gegenüber den Palästinensern zurückgab. 1984 erhielt Kishon den Karl-Valentin-Orden. 2003 bekam er für sein Lebenswerk die höchste Auszeichnung des israelischen Staates, den Israel-Preis.

    1981 übersiedelte er in die Schweiz, wo er nun auch starb. Kishon hinterlässt seine dritte Frau Lisa und drei erwachsene Kinder. Die Beisetzung findet am Dienstag in Israel statt.
    http://www.spiegel.de/kultur/literat...339343,00.html

  2. #2
    Forumon
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    Ja, es gab eine Zeit, da hab ich seine Bücher regelrecht verschlungen. Bevor ich Terry Pratchetts Werke kennenlernte, war er mein Lieblingshumorist und -humanist. Er hat ein langes und auch erfülltes Leben geführt.

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