Ergebnis 1 bis 11 von 11

Thema: Kevin Costners "Open Range"

Hybrid-Darstellung

Vorheriger Beitrag Vorheriger Beitrag   Nächster Beitrag Nächster Beitrag
  1. #1
    Super-Moderator Avatar von cornholio1980
    Dabei seit
    27.03.2003
    Ort
    Wien
    Beiträge
    4.989

    Standard AW: Kevin Costners "Open Range"

    10/10 halte ich zwar für etwas großzügig, aber ja, toller Film. Hab dazu anno dazumal sogar ein Review verfasst!

    ->
    Bei "Open Range" handelt es sich um einen herrlich altmodischen, zugleich aber auch erstaunlich realistischen Western. Im Gegensatz zu früheren Vertretern seines Genres verzichtet er darauf, die Cowboys zu übertriebenen Superhelden hochzustilisieren. Ja, Boss und Charley werden am Ende mit einer erstaunlichen Anzahl an Feinden fertig und geben dabei eine erstaunliche Anzahl von Schüssen ab, ohne allzu oft nachzuladen, doch nichts davon dringt in Niederungen vor, für die insbesondere die Filme mit John Wayne berüchtigt sind. Was ebenfalls hervorsticht, ist die Charakterisierung: Beide sind keine einfachen eindimensionalen Schablonen, sondern vielschichtige Figuren mit Träumen, Traumen, Stärken und Schwächen, die noch dazu von Kevin Costner und Robert Duvall kongenial verkörpert werden. Ebenfalls erwähnenswert erscheint mir die wunderbare Chemie zwischen den beiden Hauptdarstellern, die alle Szenen, in denen nur Boss und Charley aufmachen, zu einem Erlebnis machen. Insbesondere das Gespräch vor dem großen Showdown ist hier noch einmal gesondert hervorzuheben - ein herrlicher stiller Moment, bei dem man wirklich keine Schauspieler vor sich sieht, sondern nur mehr 2 alte Freunde, die sich darauf vorbereiten, in den Kampf zu ziehen - wohl wissentlich, dass es für Beide das Ende bedeuten könnte.

    Eine weitere Stärke des Films ist Costners ruhige Inszenierung. Er nimmt sich immer wieder die Zeit, die Schönheit der Landschaft in den Mittelpunkt zu rücken, und begeistert den Zuschauer mit ein paar wirklich beeindruckenden Aufnahmen. Auch der eher langsame Spannungsaufbau konnte mir gefallen - wobei hier auch gleich festgestellt werden muss, dass dieser wohl nicht jedermanns Sache sein dürfte, und einigen die Handlung in "Open Range" etwas zu zäh verlaufen könnte. Aber selbst jene, die zwischendurch hin und wieder auf die Uhr schauen, werden am Ende mit einem herausragenden Showdown für ihre Geduld belohnt. Meiner Meinung nach hat Kevin Costner mit diesem Showdown eine neue Referenz im Western-Genre geschaffen. Er ist relativ lang, dennoch keine Sekunde langweilig, stellenweise brutal, und vor allem: Costner hat genau die richtige Balance zwischen beeindruckender Optik und möglichst hohem Realismus gefunden.

    Was ist an "Open Range" weniger gelungen? Nun, Michael Gambon konnte mich als Bösewicht weniger überzeugen... was weniger an seiner Darstellung liegt, als an der Rolle an sich. Man sieht von Baxter meines Erachtens ein bisschen zu wenig - vor allem rächt es sich im Endeffekt, dass viele seiner schlimmen Taten abseits der Kamera passieren, sei es die Kneipenschlägerei mit Mose oder der Überfall auf das Lager. Dadurch konnte man ihn einfach nicht so hassen, wie dies Costner und Duvall getan haben. Der größte Nachteil des Films ist aber die zwar stellenweise recht nette, nichtsdestotrotz aber ungeheuer klischeehafte und kitschige Romanze zwischen Charley und Sue. Während sich diese über weite Strecken angenehm im Hintergrund hält und somit nie zu aufdringlich wird, konzentriert sich der Film nach dem Showdown meines Erachtens viel zu sehr auf die Beziehung dieser zwei Menschen. Womit wir auch schon bei meinem letzten Kritikpunkt wären: Der Film nimmt sich nach dem großartigen Showdown einfach etwas zu viel Zeit, um zu einem Abschluss zu kommen. Vor allem, wenn die Laufzeit mal 2 Stunden überschritten hat und der eigentliche Höhepunkt noch dazu bereits hinter einem liegt, ist solch eine eher gemächliche Erzählweise problematisch - noch dazu, wenn damit ohnehin eine nicht sonderlich gelungene Handlung (eben rund um Charley und Sue) erzählt wird. Hier hätte Costner doch ein wenig kürzen und die Geduld der Western-Fans nicht zu sehr auf die Probe stellen sollen. Davon einmal abgesehen aber ein beeindruckendes Lebenszeichen eines tot geglaubten Genres...

    Fazit: Toller Western mit wunderschönen Bildern, zwei Hauptdarstellern in absoluter Spiellaune, einem grandiosen Showdown und einigen wirklich großartigen Szenen. Für Fans des Genres absolut empfehlenswert!
    8/10
    Folgt mir auf Twitter!

    "I believe that when we leave a place, part of it goes with us, and part of us remains. Go anywhere in this station, when it is quiet, and just listen. After a while you will hear the echos of all our conversations, every thought and word we've exchanged. Long after we're gone, our voices will linger in these walls."
    Andreas Katsulas as G'Kar - Objects in Motion / The Lost Tales-Intro


  2. #2
    Dauerschreiber
    Dabei seit
    01.02.2009
    Beiträge
    1.050

    Standard AW: Kevin Costners "Open Range"

    er größte Nachteil des Films ist aber die zwar stellenweise recht nette, nichtsdestotrotz aber ungeheuer klischeehafte und kitschige Romanze zwischen Charley und Sue.
    Das ist so typisch männlich... Ich fand, das dies sehr gut da rein passte, noch dazu, wo Annette Benings Sue nicht der sonst in Western dargestellten Frauen entspricht.
    Sie ist taff, lebensbejahend und Charley eine gleichberechtigte Partnerin. Trotz ihrer Erlebnisse und Erfahren, die ja beide in ihrem Leben schon hatten, sind sie bereit sich dem anderen zu öffnen und aufeinander zu zu gehen.
    Ich fand sie überhaupt nicht kitschig, hätte aber passieren können wenn sie nach dem von dir genannten John-Wayne-Westernschema verlaufen wäre.
    "Möge Gott sein zwischen Dir und dem Leid, an allen verlassenen Orten, die Du erreichen wirst." (ägyptischer Segensspruch "Babylon 5")

    "Wichtig ist nur, was du mit der Zeit anfängst, die dir in deinem Leben gegeben ist." (Gandalf zu Frodo in Moria, HdR- Die Gefährten)

    http://anderswelten.plusboard.de

  3. #3
    Administrator Avatar von Dr.BrainFister
    Dabei seit
    07.10.2004
    Beiträge
    12.073

    Standard AW: Kevin Costners "Open Range"

    Zitat Zitat von Demona Beitrag anzeigen
    ... Ich fand, das dies sehr gut da rein passte, noch dazu, wo Annette Benings Sue nicht der sonst in Western dargestellten Frauen entspricht.
    fand ich auch - und das, obwohl ich ein ganzer kerl bin.

    Sie ist taff, lebensbejahend und Charley eine gleichberechtigte Partnerin. Trotz ihrer Erlebnisse und Erfahren, die ja beide in ihrem Leben schon hatten, sind sie bereit sich dem anderen zu öffnen und aufeinander zu zu gehen.
    Ich fand sie überhaupt nicht kitschig, hätte aber passieren können wenn sie nach dem von dir genannten John-Wayne-Westernschema verlaufen wäre.
    sehr schön beschrieben. genau deshalb hat mir dieser part des films auch gefallen. war eine moderne, ungewöhnliche darstellung der meist unvermeidlichen filmromanze.


    .
    "Wissen sie woraus der Leberkäs gemacht wird? Aus den Resten der Knackwurst. Und die Knackwurst? Aus den Resten vom Leberkäs. So geht das ewig weiter: Leberkäs, Knackwurst, Leberkäs, Knackwurst..." - Simon Brenner (Josef Hader) in "Silentium"

  4. #4
    Dauerschreiber
    Dabei seit
    01.02.2009
    Beiträge
    1.050

    Standard AW: Kevin Costners "Open Range"

    @ Braini

    fand ich auch - und das, obwohl ich ein ganzer kerl bin.
    ich hoffe mal nicht, dank chappi - sorry, konnte ich mir nicht verkneifen.
    "Möge Gott sein zwischen Dir und dem Leid, an allen verlassenen Orten, die Du erreichen wirst." (ägyptischer Segensspruch "Babylon 5")

    "Wichtig ist nur, was du mit der Zeit anfängst, die dir in deinem Leben gegeben ist." (Gandalf zu Frodo in Moria, HdR- Die Gefährten)

    http://anderswelten.plusboard.de

  5. #5
    Super-Moderator Avatar von cornholio1980
    Dabei seit
    27.03.2003
    Ort
    Wien
    Beiträge
    4.989

    Standard AW: Kevin Costners "Open Range"

    Zitat Zitat von Demona Beitrag anzeigen
    Das ist so typisch männlich...
    Und das ist Schubladendenken. Ich hasse Schubladendenken.

    Ich bin einer ordentlichen Portion Romantik, richtig serviert, nun wahrlich nicht abgeneigt. Aber so wie die Romanze hier dargestellt wurde, fand ich es einfach sehr typisch, gewöhnlich, wenig überzeugend und stellenweise langweilig. Und wenn mich das nun zu einem Mann macht, kann man(n) auch nichts machen
    Folgt mir auf Twitter!

    "I believe that when we leave a place, part of it goes with us, and part of us remains. Go anywhere in this station, when it is quiet, and just listen. After a while you will hear the echos of all our conversations, every thought and word we've exchanged. Long after we're gone, our voices will linger in these walls."
    Andreas Katsulas as G'Kar - Objects in Motion / The Lost Tales-Intro


Aktive Benutzer

Aktive Benutzer

Aktive Benutzer in diesem Thema: 1 (Registrierte Benutzer: 0, Gäste: 1)

Ähnliche Themen

  1. "Großes wichtiges gepinntes Topic" oder "Wir basteln uns ein BSG-Forum"
    Von Nager im Forum BATTLESTAR GALACTICA, CAPRICA, BLOOD & CHROME
    Antworten: 55
    Letzter Beitrag: 28.05.2008, 00:14
  2. Wie wird "SciFi" ausgeprochen: "SeiFei", "SeiFih" oder noch anders?
    Von Simara im Forum Fandom-Geplauder, Conventions & Events
    Antworten: 28
    Letzter Beitrag: 29.04.2007, 13:37
  3. Wie wird "SciFi" ausgeprochen: "SeiFei", "SeiFih" oder noch anders?
    Von Simara im Forum Offtopic: Kultur, Politik, Wissenschaft und mehr
    Antworten: 1
    Letzter Beitrag: 31.08.2006, 13:18
  4. "Waechter der Nacht" aka "Nightwatch" aka "Nochnoy Dozor"
    Von Octantis im Forum Filme: Kino, Heimkino & Amateurfilme
    Antworten: 9
    Letzter Beitrag: 27.10.2005, 11:08
  5. Open Range
    Von Dr.BrainFister im Forum Filme: Kino, Heimkino & Amateurfilme
    Antworten: 4
    Letzter Beitrag: 22.09.2004, 11:14

Als Lesezeichen weiterleiten

Als Lesezeichen weiterleiten

Berechtigungen

  • Neue Themen erstellen: Nein
  • Themen beantworten: Nein
  • Anhänge hochladen: Nein
  • Beiträge bearbeiten: Nein
  •