Nach "Der Sternwanderer" ist nun mit "Coraline" die nächste Neil Gaiman-Adaption in die Kinos - diesmal als Stop Motion-Animationsfilm von Henry Selick, dem Macher von "Nightmare before Christmas". Aus dem modernen Märchen Gaimans hat Selick dabei aufgrund zahlreicher skurriler Ideen einen Fantatsy-Film für junge und junggebliebene gemacht, und die für einen abendfüllenden Film etwas dünne Handlung um einige Szenen udn auch Figuren erweitert. Sprich: Statt, wie der Comic, die Vorlage fast 1:1 übernehmen, baut er darauf auf, und schafft es, ihr einerseits treu zu bleiben, sich aber auch deutlich vom Roman abzugrenzen.
Die größte Stärke des Films ist ganz klar die Optik. Einerseits der Animationsstil generell, andererseits die optische Rafinesse, die Selick an den Tag legt (ein kleines Beispiel: der Schlüssel zur kleinen Tür ist mit einem Knopf-Ende versehen). AUch der 3d-Effekt wird hier wieder sehr gut genutzt und bringt vor allem die spektakuläreren Momente grandios zur Geltung. Zudem spickt Selick seinen Film mit zahlreichen skurrilen Szenen und Elementen, wie z.B. der Variete-Nr. von Mrs. Spink und Mrs. Forcible.
Fans der Vorlage seien gewarnt, dass sich Selick einige freiheiten nimmt. Angesichts der kürze der Vorlage wird es niemanden verwundern, dass er neue Figuren und Handlungselemente eingebaut hat - die jedoch vermutlich nicht jeden überzeugen werden. Erstaunlich jedenfalls, dass er zwar einerseits einiges hinzugefügt, aber auch zwei Schlüsselstellen des Romans (zumindest meiner Ansicht nach), ausgespart hat, nämlich einerseits Coraline's Erzählung, wie sie ihr Vater vor den Wespen gerettet hat, sowie ihre Ablehnung gegenüber einer Welt, in der sie jederzeit alles haben kann. Beides habe ich schmerzlich vermisst.
Coraline ist, auch wenn er eine lustige Szenen bietet, keine Animationskomödie wie Monsters vs. Aliens, Ice Age 3 etc. Tatsächlich erinnert er vom Stil her am ehesten noch an die alten 2d-Disneyanimationsfilme, die zwar unterhaltsam und in erster Linie für Kinder ausgerichtet waren, aber keine reine Komödien waren sondern eine Story mit teilweise auch durchaus beängstigenden Elementen erzählt haben. Ein modernes Märchen halt, aber mit zahlreichen skurrilen Einfällen und einer absolut beeindruckenden Optik, die meines Erachtens den Eintrittspreis allein schon wert ist.
8-9/10







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