Zitat Zitat von Dr.BrainFister Beitrag anzeigen
z.b. versteht jeder, der ein bisschen nachdenkt, dass ein sofortiger ausstieg in afghanistan nicht möglich ist. auch die abschaffung der bundeswehr und das ablehnen von militäreinsätzen bringen nicht den weltfrieden. das alles sind naive träumereien aus dem politischen märchenbuch.
Es ist interessant dass Du, der sich als so wahnsinnig progressiv und alternativ versteht, auch dieser massiven Indoktrination von der Alternativlosigkeit des Afghanistankriegs erlegen bist. Ob und wieso dieser Krieg dabei tatsächlich so alternativlos ist wie immer dargestellt wird, ist allerdings erheblich schwieriger zu begründen.

Der Afghanistankrieg ist vor Allem die bittere Pille die uns Deutschen unser "Nein zum Irakkrieg!" Kanzler Schröder verabreicht hat, um auf der Weltbühne mitspielen zu dürfen. Mit dem völkerrechts- und grundgesetzwidrigen Kosovokrieg haben wir uns damit unter den Sozialdemokraten und der grünen Pazifistenpartei an zwei Angriffskriegen beteiligt, dennoch scheint diese Strategie der Einflussausweitung weitgehend gescheitert, da sein eigentliches Ziel - der ständige Sitz Deutschlands im UN Sicherheitsrat - auf absehbare Zeit in illusorische Ferne gerückt ist. Unser Land hat also ohne Not die fünfzigjährige Tradition der Neutralität und "Scheckbuchdiplomatie" aufgegeben, dafür riskiert in den Fokus internationaler Terroristen zu gelangen, aus der Konsequenz dieser Terrorgefahr die innere Sicherheit aus- und Bürgerrechte abgebaut. Und das ohne die angestrebte Gegenleistung zu erlangen.

Ab einem gewissen Punkt sollten sich die Entscheidungsträger einmal fragen ob die Fortsetzung einer solchen Politik unserem Land überhaupt etwas bringt. Die alte Bundesrepublik ist jedenfalls sehr gut damit gefahren eben keine Interventions-Mittelmacht wie die Briten zu sein oder sein zu wollen, sondern ein weltweit bei den gegensätzlichsten Konfliktparteien anerkannter Mittler.

mal ein anderer gedanke, da wir deutschen mit unseren minderwertigkeitskomplexen ja so gern nach amiland schauen: warum schafft unser supermann und megafriedensbotschafter obama den ausstieg aus diesen militärischen konflikten denn nicht? nun, auch er muss sich der realität stellen und berücksichtigen, dass sowas nicht von heute auf morgen funktioniert.
Ich sehe hier die fatale Logik des Vietnamkrieges am Werk, man will ein morsches Haus das lichterloh brennt mit immer mehr Feuerwehrleuten verzweifelt retten, doch trotz immer intensiverer Bemühungen greift das Feuer auf mehr und mehr Zimmer über und die Opferzahlen unter der der Feuerwehr steigen und steigen. Ich schätze dass man, wie auch in Vietnam, in ein paar Jahren, wenn die Kosten des Krieges zu hoch geworden sind, nach dem Motto "Lieber ein Ende mit Schrecken, als ein Schrecken ohne Ende" aus Afghanistan wieder abziehen wird. Selbst die Sowjetarmee konnte diesem Land mit größerem und radikaleren Einsatz militärischer Mittel nicht beikommen, und ich habe noch keine Exitststrategie der NATO gesehen die realistisch beschreibt wie wir dies in den nächsten Jahren schaffen wollen. Die dafür notwendige massive Besatzungsarmee - welche wir zudem auch in das souveräne Pakistan entsenden müssten, da dort die Talibanrückzugsgebiete sind - existiert nach Bushs Irakspielereien und den Budgetlöchern der Finanzkrise einfach nicht. Bei den Amerikanern nicht, und bei den NATO-Verbündeten ebensowenig.

Der eigentliche Grund des Krieges - die Vertreibung von Al Quaida - hat sich dabei selbst laut dem NATO-Oberkommandeur mittlerweile erledigt, denn die haben sich weitgehend aus Afghanistan zurückgezogen.

Sicherlich weiß auch die Linke dass sie als Juniorpartner in einer rot-rot-grünen Koalition keinen sofortigen Rückzug aus Afghanistan durchsetzen kann. Unser politischer Prozess beruht auf Kompromissen, und das bedeutet dass alle Parteien vor der Wahl ähnlich einem Händler auf dem Bazaar mit Maximalforderungen aufwarten, so dass sie beim folgenden Koalitionspoker von ihren Maximalforderungen sich auf den bestmöglichen Kompromiss herunterhandeln können. Darin unterscheidet sich die Linke auch nicht von anderen Parteien.

ich sehe "Die Linke" ähnlich wie simara. sie meinte mit dem vergleich zur spd ja auch nicht marktradikalität, sondern dass diese partei einfach auf den gerade erfolgversprechendsten zug aufspringt, um eine bestimmte klientel zu bedienen. was für die fdp die konservativ-liberalen juppies und marktradikale pragmatiker sind, das sind für die Linke z.b. unzufriedene schlecht-/garnixverdiener oder politische traumtänzer (gruß @teylen )
Dass Politiker Opportunisten sind ist kaum eine Eigenschaft der exklusiv nur die Linkspartei anheim fällt. Davon einmal abgesehen finde ich die Positionen die Oskar Lafontaine vertritt seit vielen Jahren ziemlich konsistent - auch als er noch Mitglied der SPD war.

Die heutige West-Linke sind überwiegend enttäuschte SPD'ler die sich nach sozialdemokratischer Politik sehnen wie sie die SPD als Kanzlerpartei einmal von '69 bis '82 für den Normalbürger gemacht hat. Die Kernpunkte der Sozialdemokratie haben dabei auch in der Globalisierung nicht an Wert verloren - es gibt nur keine Volkspartei mehr, die sie vertritt.

Da eine echte Demokratie allerdings zwingend auch einen potenziell mehrheitsfähigen politischen Gegenentwurf neben de Konservativ-neoliberalen Weltbild braucht, ist eine Partei wie die Linke absolut notwendig.

Es ist auch nicht die Linke die sich auf die SPD zubewegen muss, sondern die SPD die sich auf die Linke zubewegen muss, wenn sie irgendwann einmal wieder eine Kanzlerfähige Partei werden will. Sollte die SPD das nicht gelingen, steht uns eine längere Phase konservativ/neoliberaler Politik bevor deren Grausamkeiten und Umverteilungszwang von unten nach oben noch deutlich über den der letzten elf Jahre hinausgehen wird.