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Thema: WikiLeaks ... und nun!?

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  1. #1
    Die Super-Checkerin Avatar von Teylen
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    Standard AW: WikiLeaks ... und nun!?

    Und schnapp der naechste setzt WikiLeaks vor die Tuer:
    Telepolis pnews: Schweizer Postfinance kündigt WikiLeaks-Konto

    Zitat Zitat von Dr.BrainFister Beitrag anzeigen
    niemand weiß genau, was sich bei amazon hinter den kulissen abgespielt hat. du nicht und ich auch nicht. aber letzlich spielt es doch keine rolle, ob amazon erst einige tage nach der veröffentlichung der diplomatenpapiere gehandelt hat.
    Es spielt meines Erachtens eine gewaltige Rolle.
    Amazon wird schliesslich vorgeworfen, ohne grosse Not, auf die unverbindliche Bitte eines Senators, aus reiner, fauler Bequemlichkeit dem antidemokratischen Verlangen nachgegangen zu sein und WikiLeaks boeswillig vor die Tuer zusetzen. Weshalb man Amazon verachten sollte und dort nicht mehr einkaufen.

    Wenn sich Amazon jedoch nicht fahrlaessig verhalten hat, sondern sich, im Mass der unternehmerischen Moeglichkeiten, entgegen von widrigkeiten fuer WikiLeaks einsetzte - in dem das Angebot trotz eines vorhandenen Druck weiter bestehen bleibt - besteht meines Erachtens kein Anlass fuer einen Boykott.

    Eher sollte man Amazon Achtung dafuer entgegen bringen das sie sich im Rahmen der eigenen Moeglichkeiten dafuer einsetzten.

    jedenfalls scheint es nicht so als hätte man diese entscheidung dort wegen verstößen gegen die AGB oder gegen irgendwelche anderen standards getroffen.
    Sowohl die rechtliche Problematik als auch die hinsichtlich des Rufs besteht faktisch.
    Waere WikiLeaks nicht politisch, aus der Sicht Amazon positiv, engagiert haette man sie bereits frueher vor die Tuer gesetzt.

    die konsequenz aus deinem standpunkt wäre ein journalismus, der nur noch das veröffentlichen kann, was unternehmen/regierungen bereitwillig rausgeben.
    Das waere lediglich die die unverhaeltnismaessig ueberzeichnete Konsequenz.
    Schliesslich liesse sich mit der Argumentation auch die Veroeffentlichung aller personen bezogenen privaten Kommunikationen rechtfertigen. Andernfalls sei es nicht zu verantworten das man Gefahr laeuft Verbrecher freie Hand zu lassen.

    In Bezug auf Watergate wurden Missbraeuche recherchiert und offengelegt.
    Es wurde mitnichten die gesamte Kommunikation der Nixon Administration offengelegt, diese gar ohne journalistische Aufarbeitung, offengelegt. Noch verbreitete man sich ueber Informationen die keinen Bezug zu einem Missbrauchsfall haben.

    Es mag den Boulevard erfreuen das bekannt ist welche Diplomaten welche Politiker wie einschaetzen, jedoch bringt es abseits des Schadens fuer die amerikanische Administration, keinen journalistischen Nutzen. Es lag kein Missbrauch, Betrug oder Verbrechen vor.

    Wuerde "WikiLeaks" ein neues Watergate geschaffen haben waere dies in positiver Weise bemerkenswert.
    Der eigentliche Skandal ist jedoch soweit das es offenbar nicht der Fall ist.

    Um den strapazierten Firmengeheimnis-Vergleich aufzugreifen.
    Wenn man enthuellt das IBM heimlich Daten sammelte und die Chips nach einem bestimmten Zeitraum einen Selfdestruct Button haben waere es journalistisch sinnvoll es zu recherchieren und zu veroeffentlichen. Jedoch nur saemtliche Betriebsinterna und Geheimnisse zu ermitteln und zu veroeffentlichen ist journalistisch weder sinn- noch verantwortungsvoll.
    wie stellst du dir also kritischen journalismus in zukunft vor, wenn die redaktionen nur noch vorgefertige pressemeldungen und werbematerialien als recheremittel zur verfügung haben?
    Ich habe nicht gefordert das Redaktionen nur noch vorgefertigte Pressemeldungen zur Verfuegung gestellt bekommen.
    Geändert von Teylen (07.12.2010 um 12:06 Uhr)

  2. #2
    Die Super-Checkerin Avatar von Teylen
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    Standard AW: WikiLeaks ... und nun!?

    Mastercard zieht nach:
    Enthüllungen: Mastercard sperrt Zahlungen an WikiLeaks - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - Politik

    Mittlerweile ist Assange gefasst, was ich bemerkenswert finde ist die Berichterstattung in Belgien und Deutschland. Ich erfuhr, kurz nachdem aufwachen, das Assange sich stellen geht. Dann trug man mir den SPON Artikel zu das Assange gefasst wurde. Also gefasst wie "gestellt", respektive des Eindrucks des Artikel nach "vom Computer weggezerrt":
    Vergewaltigungsvorwurf: Britische Polizei setzt Julian Assange fest - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - Politik
    [Ich glaube die haben den Bericht ueberarbeitet @.@]

    Dem hingegen schildert es der Volkskrant wesentlich sachlicher und unspektakulaerer:
    WikiLeaks-oprichter Julian Assange gearresteerd - WikiLeaks - VK
    "Assange meldde zichzelf vanochtend bij het politiebureau in Londen, waar hij werd gearresteerd. Eerder werd al bekend dat de WikiLeaks-voorman praatte met de politie over zijn eventuele arrestatie. Hij wordt later vandaag voorgeleid aan de rechtbank van Westminster City."
    Frei uebersetzt:
    "Assange meldete sich selbst heute morgen bei einem Polizeibureau in Londen, wo er festgenommen wurde. Es wurde bereits schon frueher bekannt gegeben das der WikiLeaks-Kopf mit der Polizei ueber eine moegliche festnahme sprechen wollte. Er wird heute im Verlauf des Tages vor das Gericht Westminister City gefuehrt werden."
    Geändert von Teylen (07.12.2010 um 12:15 Uhr)

  3. #3
    Administrator Avatar von Dr.BrainFister
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    Standard AW: WikiLeaks ... und nun!?

    Zitat Zitat von Teylen Beitrag anzeigen
    ...
    Es spielt meines Erachtens eine gewaltige Rolle.
    Amazon wird schliesslich vorgeworfen, ohne grosse Not, auf die unverbindliche Bitte eines Senators, aus reiner, fauler Bequemlichkeit dem antidemokratischen Verlangen nachgegangen zu sein und WikiLeaks boeswillig vor die Tuer zusetzen. Weshalb man Amazon verachten sollte und dort nicht mehr einkaufen.

    Wenn sich Amazon jedoch nicht fahrlaessig verhalten hat, sondern sich, im Mass der unternehmerischen Moeglichkeiten, entgegen von widrigkeiten fuer WikiLeaks einsetzte - in dem das Angebot trotz eines vorhandenen Druck weiter bestehen bleibt - besteht meines Erachtens kein Anlass fuer einen Boykott.
    amazon hat mit dem wikileaks-boykott nicht das erste mal gezeigt, dass sie erst "farbe bekennen", wenn der öffentliche/politische druck steigt. mit ethischen unternehmensgrundsätzen hat dieses handeln wahrscheinlich nicht viel zu tun. ein gutes beispiel für diese doppelmoral von amazon sind die nazi-/npd-verstrickungen der letzten jahre. da tauchten auch jahrelang immer wieder handfeste vorwürfe auf:
    Amazon vermittelt Nazi-Literatur
    http://www.taz.de/1/netz/artikel/1/b...lag-bei-amazon
    http://de.indymedia.org/2009/06/252715.shtml

    weil sich mit den nazis aber gutes geld verdienen ließ und das thema lange zeit nicht so stark in der öffentlichkeit stand, sah amazon erstmal keinen grund, einzuschreiten. erst als der druck der politiker stieg und das wort "boykott" durch die medien ging, wurde gehandelt:
    heise online - Politiker kritisieren "Geschäftsbeziehung" zwischen Amazon und NPD
    heise online - Amazon schließt NPD von Partnerprogramm aus

    Eher sollte man Amazon Achtung dafuer entgegen bringen das sie sich im Rahmen der eigenen Moeglichkeiten dafuer einsetzten.
    ok, du hast mich überzeugt! ich werde den konsumboykott von meiner todo-liste streichen und stattdessen amazon zu weihnachten eine spende überweisen, weil sie sich für das bewahren der meinungs- und pressefreiheit eingesetzt haben.

    teylens argumente decken sich übrigens fast 1:1 mit den presseerklärungen von amazon:
    heise online - Amazon bestreitet politischen Druck wegen Wikileaks [4. Update]

    in dem heise-artilkel wird aber auch darauf verwiesen, dass bisher nicht geklärt hat, ob das webhosting für wikileaks erst abgestellt wurde, nachdem senator lieberman amazon mit einem boykott gedroht hat.

    ...
    In Bezug auf Watergate wurden Missbraeuche recherchiert und offengelegt.
    Es wurde mitnichten die gesamte Kommunikation der Nixon Administration offengelegt, diese gar ohne journalistische Aufarbeitung, offengelegt. Noch verbreitete man sich ueber Informationen die keinen Bezug zu einem Missbrauchsfall haben.

    Es mag den Boulevard erfreuen das bekannt ist welche Diplomaten welche Politiker wie einschaetzen, jedoch bringt es abseits des Schadens fuer die amerikanische Administration, keinen journalistischen Nutzen. Es lag kein Missbrauch, Betrug oder Verbrechen vor.

    Wuerde "WikiLeaks" ein neues Watergate geschaffen haben waere dies in positiver Weise bemerkenswert.
    Der eigentliche Skandal ist jedoch soweit das es offenbar nicht der Fall ist.
    ...
    warum reitest du eigentlich so auf diesen diplomatenpapieren herum, von denen bisher nur ein winziger ausschnitt (ca. 250 von 250.000) veröffentlicht wurde? du gehst in keiner zeile auf die bisherige arbeit von wikileaks ein. angeblich bist du ja kriegsgegnerin und übst gern virtuelle kritik an den einsätzen in afghanistan. gerade zu diesem thema hat wikileaks wichtige materialien aufgedeckt, die zeigten, wie oft die tödlichen fehlschläge des militärs in diesem krieg verdeckt wurden:



    außerdem:
    http://www.zeit.de/politik/ausland/2...ks-afghanistan

    und auch in den zuletzt veröffentlichten diplomatenpapieren sind schon dinge aufgetaucht, die den missbrauch politischer macht offenlegen. oder hältst du es auch für eine hochachtungsvolle handlung, dass die us-außenministerin ihre mitarbeiter damit beauftragt hat, die kollegen in der EU auszuspionieren:
    Spiegel: Wikileaks Veröffentlichungen
    Hillary directed US diplomats to spy: WikiLeaks

    ist sowas nicht ebenfalls ein missbrauch politischer macht, der ans licht der öffentlichkeit kommen sollte?

    außerdem wissen wissen wir noch gar nicht, was in den restlichen diplomatendokumenten steckt, die bisher nicht veröffentlicht wurden. das sind noch fast 250.000 seiten an material. ist es da nicht ein bisschen zu früh, um über die relevanz dieser enthüllungen zu urteilen?
    Geändert von Dr.BrainFister (07.12.2010 um 17:24 Uhr)
    "Wissen sie woraus der Leberkäs gemacht wird? Aus den Resten der Knackwurst. Und die Knackwurst? Aus den Resten vom Leberkäs. So geht das ewig weiter: Leberkäs, Knackwurst, Leberkäs, Knackwurst..." - Simon Brenner (Josef Hader) in "Silentium"

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