Ich glaube, hier besteht ein Missverständnis: Meine Wahrnehmung der Spielewelt ist - und war noch nie - durch irgendein bei mir bereits vorhandenes System eingeschränkt, für das ich dann gezielt nach Spielen suche. Ich besitze nämlich keine einzige Konsole und habe auch noch nie eine besessen. Ich werde aber trotzdem immer wieder - konsolenübergreifend! - auf alle möglichen Spiele aufmerksam, die ich gerne spielen würde; das würde sich wahrscheinlich nicht ändern, wenn ich plötzlich eine Konsole besäße. Das Einzige, was sich ändern würde, wäre die Reduzierung meiner Frustration. Es ist nämlich wirklich sehr frustrierend, immer wieder Sachen zu entdecken, die man liebend gerne ausprobieren würde, nur um dann herauszufinden, dass man, um dies zu tun, nicht nur das Spiel, sondern eben auch erstmal die passende Hardware kaufen müßte. Und beim nächsten Spiel dann wieder andere Hardware...
In der Praxis sieht es so aus, dass ich schon seit vielen Jahren kein einziges Spiel, das ich gerne spielen wollte, auch spielen konnte. In den letzten zehn Jahren oder so habe ich ca. zwei Spiele gekauft. Alles andere, was mich interessierte, lief nur auf den unterschiedlichen Konsolen - die zu kaufen ich weder finanziell imstande noch prinzipiell bereit bin. (Gut, gelegentlich war auch mal ein PC-Spiel dabei. Das kann ich dann meist nicht spielen, weil mein PC nicht hochgerüstet genug ist.)
Na ja, das ist aber schon eine ziemlich krasse Wertung, die du da vornimmst: Spiele = ungesundes Fastfood. Klar, dass man sie dann nur als Zeitverschwendung sehen kann - Unterhaltung, nicht Kultur oder gar Kunst. (Und mit Unterhaltung ist das ja in Deutschland sowieso so eine Sache...)aber wenn ich mir aussuche, womit ich gerade meine zeit verschwenden will, stehen solche spiele auf meiner to-waste-liste ganz unten. natürlich kann das trotzdem ein legitimer genuss sein. möglicherweise ist es für manche menschen auch ein legitimer genuss, 10 liter schokoeis in sich reinzumampfen oder 5kg burger zu verspeisen.
Für mich ist es so, dass Spiele genauso Kunst sein können wie Filme, Serien, Bücher, Bilder, was auch immer. Und bestimmte Spiele sind ästhetische (manchmal auch narrative usw.) Erfahrungen, die ungeheuer befriedigend, manchmal auch erhellend (etc.) sein können. Oder zumindest vermute ich das - die meisten davon kann ich mir ja nur als verschwommenes Let's Play-Video auf youtube zu Gemüte führen und bekomme somit nie die *ganze* Erfahrung des Selberspielens mit. Doch selbst bei den kleinen Flashspielchen, die ich hier gelegentlich so poste, sind Sachen dabei, die für mich den gleichen Wert haben wie ein Buch (gut, vielleicht eher eine Kurzgeschichte oder ein Gedicht) oder ein Ölgemälde oder (Kunstform deiner Wahl hier einfügen). (Der Vergleich mit einem Gedicht ist vielleicht am besten: eine kurze, verdichtete ästhetische Erfahrung.)
Ich habe ein Bedürfnis nach ästhetischen Erfahrungen, das, wie ich vermute, für mich zu den Grundbedürfnissen zählt. Bestimmte Formen solcher Erfahrungen können praktisch nur durch Spiele ausgelöst werden; zu wissen, dass diese mir unzugänglich sind und bleiben werden, ist für mich so frustrierend wie ein Hausverbot im Louvre für einen Kunstliebhaber.






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