Man darf bei der Linken in Berlin nicht vergessen dass sie einige neoliberale Entscheidungen der SPD mitgetragen hat, z.B. die Privatisierung öffentlichen Wohnungsbaus - das kommt bei der Stammwählerschaft schlecht an. Die einzige Machtoption wäre für sie nun Rot-Grün-Rot, insofern Wowi die eine Stimme Mehrheit zusammen mit den Grünen zu wenig ist. Glaube ich aber nicht dran.
Nein, die Wende der FDP vom Sozialliberalismus hin zum Neoliberalismus begann um 1980 als sie verstärkt anfingen Druck auf Helmut Schmidt auszuüben um eine wirtschaftsfreundlichere Politik und einen rollback des unter Willy Brandt deutlich ausgebauten Sozialstaats durchzusetzen. Als Lambsdorff und Genscher merkten dass die SPD dazu nicht mehr der richtige Partner war, führten sie schließlich über Monate Geheimverhandlungen mit der CDU (während sie öffentlich das Festhalten an der Koalition bestärkten) was dann schließlich Ende des Jahres zum Regierungswechsel und zu 16 Jahren Kohl-Herrschaft führte.Trotz aller Schadenfreude darf man nicht vergessen, dass die FDP nicht immer die Partei war, die sie heute ist. Es standen da auch mal kluge Köpfe an der Spitze, wie z.B. Gerhart Baum oder Hans Dietrich Genscher. Soweit ich weiß, entschied sich die Parteiführung erst irgendwann Anfang der 1990er, unter dem liberalen Deckmäntelchen künftig Klientelpolitik für Besserverdiener zu machen. Es ist also auch möglich, dass die FDP durch diese Krise zu ihren Wurzeln zurückfindet. Allerdings sehe ich da an der Personalfront momentan so gut wie keine Kandidaten, die zu einer konsequenten Abkehr vom jetzigen marktradikalen Kurs beitragen könnten.
Programmatisch geht das Ganze auf das Lambsdorff-Papier zurück welches ebenfalls in diesen Monaten veröffentlicht wurde. Es empfiehlt sich das mal durchzulesen, das Lambsdorff-Papier ist nun fast 30 Jahre alt und stellt eine sehr anschauliche Blaupause für die Privatisierungs- und Deregulierungspolitik aller Bundesregierungen seit dieser Zeit dar. Diese "Geistig moralische Wende" (Helmut Kohl) hat die FDP natürlich nicht alleine umgesetzt, sondern zusammen mit Kohl. Rot-Grün knüpfte dann nahtlos daran an statt den vom Wähler 1998 erhofften Kurswechsel zu bringen.






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