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Thema: The Avengers (2012)

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  1. #1
    Administrator Avatar von Dr.BrainFister
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    Nach all den überdurchschnittlich positiven Kritiken bin ich dann doch neugierig geworden und wollte diesmal nicht auf das DVD-Release warten. Also machte ich mich gestern nach längerer 3D-Kino-Pause auf den Weg, um zum Boxoffice-Rekord von "The Avengers" auch meinen Teil beizutragen. Dank des vergünstigten Kino-Dienstags musste ich dafür "nur" 8,00 Euro hinlegen. Im Nachhinein bin ich froh, dass ich nicht mehr bezahlt habe...

    "The Avengers" ist nicht schlecht - aber zumindest für meinen Geschmack auch nicht außergewöhnlich gut. Es handelt sich dabei um einen grundsoliden Blockbuster, der in allen Bereichen ein handwerklich hohes Niveau aufweist: Sympathische Darsteller, die jede Menge Spaß an ihren Rollen haben, eine angemessen bombastische Inszenierung, überwiegend eindrucksvolle Effekte sowie ein flüssig geschriebenes Drehbuch, das neben dem großen Spektakel genügend Raum für ein bisschen Tiefgang lässt. Leider fehlen auch die typischen Blockbuster-Peinlichkeiten nicht, bei denen es ratsam ist, sein Gehirn vorher am Einlass abgegeben zu haben. Joss Whedon versucht das zwar meistens mit ironischen Sprüchen auf die Schippe zu nehmen, aber diese heutzutage so angesagte Verwendung von Meta-Humor in Filmen und Serien, hat für mich inzwischen weitgehend ihren Reiz verloren. Es ist irgendwie immer wieder dasselbe und wirkt eher wie eine ziemlich durchschaubare Ablenkung vom weit verbreiteten "lazy writing"-Syndrom.

    Diese notorischen Drehbuchmacken hätten mich allerdings nicht mal sooo dolle gestört. Was "The Avengers" für mich nicht zu dem Megasuperduper-Filmerlebnis gemacht hat, das es für viele Zuschauer zu sein scheint, ist das Fehlen von wenigstens einem richtigen Aha-Moment. Der Film bot viele gelungene Einzelszenen; mal witzig, mal actionreich, mal einfach nur schön anzuschauen. Doch zumindest nach der Erstsichtung ist dabei für mich fast nichts besonders Erinnerungswürdiges hängen geblieben. Letztlich ist "The Avengers" von Anfang bis zum Ende sehr formelhaft und ein geradezu klassisch aufgebauter Superheldenfilm:
    1) Unsere Erde wird durch eine Invasion bedroht.
    2) Ein Team von (Super)Helden findet sich zusammen, um uns zu retten.
    3) Die Helden müssen sich erstmal zusammenraufen, entwickeln sich nach ersten Konflikten jedoch supi-schnell zum Supi-Team. Das tragische Ereignis, das sie enger miteinander verbindet, darf dabei natürlich auch nicht fehlen.
    4) Am Ende kommt es zum großen Showdown, in dem wieder jeder im genau richtigen Moment zur Stelle ist, um den anderen zu retten/helfen.
    5) Beim Showdown gibt's dann die übliche Schwachstelle bei der scheinbar übermächtigen Bedrohung, die unsere Helden wie beim Endgegner in einem Videospiel nur finden und abschalten müssen.
    6) Ein bisschen pseudo-mysteriöses Geschwurbel um eine große Geheimorganisation im Hintergrund rundet die Klischeesammlung perfekt ab.

    Das alles hab ich in dieser oder ähnlicher Weise schon tausendmal gesehen. Scheinbar wollte Whedon uns ganz bewusst einen klassisch erzählten Superheldenfilm zeigen anstatt sich mit zu vielen Experimenten zu verzetteln. Mich konnte er mit dieser Herangehensweise allerdings nicht vor Begeisterung aus dem Kinosessel pusten. Vielleicht bin ich inzwischen auch einfach nur ein bisschen Blockbuster-übersättigt. Jemand, der voll auf Filme nach diesem Strickmuster abfährt, wird an "The Avengers" sicherlich jede Menge Spaß haben und ihn sich wahrscheinlich sogar mehrmals hintereinander im Kino anschauen wollen. Dieses Bedürfnis verspüre ich momentan überhaupt nicht. Vielleicht irgendwann mal auf DVD/BD. Eventuell gibt es da noch ein paar Bonusszenen, die den Gesamteindruck aufwerten.

    Fazit:
    Joss Whedon ist mit "The Avengers" kein Meisterwerk gelungen und er hat für meinen Geschmack auch nicht den besten Superheldenfilm aller Zeiten abgeliefert (Burtons "Batman"-Filme finde da wegen ihrer subversiven und wunderbar bizarren Art immer noch um einige Klassen besser). Trotzdem konnte er in diesem Mega-Blockbuster endlich einem großen Kinopublikum beweisen, dass er ein solider Handwerker ist, der weiß wie Entertainment funktioniert. Und das wäre auch schon das einzige, was diesen Film für mich besonders macht: ich fühlte mich durchweg gut unterhalten und es gab kaum grobe Schlampereien. In der Blockbuster-Welt ist ein solide gemachter Film eben letztlich auch schon eine Besonderheit. Ich hätte mich gefreut, wenn es darüber hinaus weitere herausragende Qualitäten in "The Avengers" gegeben hätte. Joss Whedon wählte diesmal jedoch den "play it safe"-Modus und verzichtete auf Experimente, die das scheue Massenpublikum verwirren könnten. Der überragende Erfolg zeigt letztlich, dass das für seine Karriere die richtige Entscheidung war. Ich gönne ihm diese Bestätigung und freue mich, dass er damit den Weg zurück an die Spitze der Entertainment-Welt geschafft hat. Nun kann Joss in den nächsten Jahren hoffentlich einige der Traumprojekte verwirklichen, die vor "The Avengers" noch in weiter Ferne zu liegen schienen. Vielleicht traut er sich dann auch wieder, etwas mehr Mut und Originalität zu zeigen.

    Ich vergebe insgesamt 6,5 von 10 Hulk-Smashs (es hätte vielleicht für 7 oder 7,5 Punkte gereicht, wenn meine Erwartungshaltung bei einem Whedon-Film etwas geringer wäre ).
    Geändert von Dr.BrainFister (16.05.2012 um 16:53 Uhr)
    "Wissen sie woraus der Leberkäs gemacht wird? Aus den Resten der Knackwurst. Und die Knackwurst? Aus den Resten vom Leberkäs. So geht das ewig weiter: Leberkäs, Knackwurst, Leberkäs, Knackwurst..." - Simon Brenner (Josef Hader) in "Silentium"

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