Ich finde das verhalten der musikindustrie lächerlich. Sie beginnt erst ganz allmählich zu begreifen, dass man die leute nicht durch restriktionen von irgendetwas abhält, sondern nur durch attraktive angebote. Attraktiv heisst bestimmt nicht, dass man kopiergeschützte CDs für mehr geld verkauft, als ungeschützte. Das gegenteil sollte trotz grösseren fertigungsaufwandes der fall sein, man erhält schliesslich beim kauf ein produkt, was sich nur eingeschränkt nutzen lässt.
Im übrigen sollte man die tauschbörsenproblematik sehr differenziert betrachten.
Ich bin über das internet und die möglichkeiten des kostenlosen "probehörens" von alben überhaupt erst auf meinen geschmack gekommen. Dafür bin ich dem "netz" sehr dankbar, denn ohne es wüsste ich heute wohl nichteinmal die namen der bands, die ich heute höre. Obwohl ich mir viele Gigabytes an mp3s "gezogen" habe, sind meine ausgaben für CD-käufe im übrigen kaum zurückgegangen, nur in dem masse, wie ich mir heute noch zusätzlich DVDs kaufe.
Sicherlich mag es auch leute geben, die sich nichts mehr kaufen, sondern nur noch saugen, ich behaupte aber, dass sie nicht die rolle spielen, da sie auch ohne rechner nicht die kaufkraft besässen, um sich jede woche mit frischen CDs einzudecken.
Dass die plattenverkäufe eingebrochen sind, ist also nicht nur auf die "tauschbörsianer" zu schieben. Ein nicht zu vernachlässigender grund ist meiner meinung nach im angebot der plattenfirmen selbst zu suchen, dem glattpolierten todproduzierten pop-einheitsbrei, aus dem immer seltener noch irgendein "künstler" herausragt. Die masse der alben wird allein dadurch uninteressant, dass man darauf bei kaum mehr als 50-60 minuten spielzeit nur titel findet, die sich ziemlich exakt so anhören, wie der eine chartserfolg mit dem das album promoted wird. Das findet selbst otto-normal-hörer langweilig, der das pop-gedudel 24h am tag auch auf sämtlichen radio-kanälen hören kann, ohne sich dafür irgendwelche CDs kaufen zu müssen.
Ein weiterer grund für die sinkenden plattenverkäufe ist sicherlich im boom der DVD zu suchen. Wie mukenukem und ich gibt es sicherlich viele leute, die beim CD-kauf geld sparen, das sie dann für DVDs ausgeben.
Um nochmal zurück auf die "attraktiven angebote" zu kommen. Die musikindustrie sollte ihre strategie gründlich überdenken. Sie sollte aufhören, sich die zahlenden kunden durch irgendwelche restriktionen zu vergraulen; aufhören, sich auf immer wieder gleiche art neue "superstars" zu "züchten", mit denen sich plattenverkäufe nicht mehr ankurbeln lassen, weil sie einfach nichts *neues* mehr bieten und sie sollte aufhören, sinkende verkäufe mit steigenden preisen zu kompensieren, was die käuferschaft auch nur unnötig gängelt. Stattdessen sollte die musikindustrie in bemühungen investieren, aus der musikalischen sackgasse herauszukommen, in der sie seit jahren steckt. Dazu gehört, dass sie die musikkanäle nicht nur mit dem immergleichen mist beliefert, sondern auch mal experimente eingeht, neue wege sucht, "ecken" und risiken nicht scheut. Das kaufverhalten der leute lässt sich halt nicht vom musikproduzentensessel aus berechnen. Manchmal lohnt es sich einfach, beispielsweise einer etwas unorthodoxeren newcomerband eine chance zu geben, die für einen überaschungserfolg gut sein könnte.
Weiterhin sollten dringend attraktive angebote geschaffen werden, über die man im netz legal musik beziehen kann. Attraktiv heisst hier, dass ich nach dem aus einem wirklich grossen angebot gewählten und für einen vernünftigen preis (<1 Euro) bezahlten download volle freiheit über das musikstück habe und mich nicht mit irgendwelchen proprietären DRM-systemen auseinandersetzen muss. Die absolute krone der frechheit ist es ja, wenn ein runtergeladener song nach einer gewissen zeitspanne automatisch verfällt, wahrscheinlich aus dem glauben heraus, dass die angebotenen stücke sowieso musikalische eintagsfliegen sind, für die man sich beim besten willen nicht länger als einen monat interessieren kann.
Ich bin im übrigen froh, dass mich der mainstream-mist, den die grossen labels rauswerfen, sowieso eher weniger interessiert. Mein lieblingslabel InsideOut kommt zur zeit nicht auf die idee, irgendeinen kopierschutz einzusetzen und hat zudem noch relativ "normale" preise, was ich als CD-käufer zu schätzen weiss.
Zusammenfassend möchte ich sagen, dass es für die musikindustrie schon wege aus der momentanen situation gibt. Dazu muss sie aber zuerst ihr paranoia den leuten gegenüber aufgeben und aufhören, diese mit schlechter musik, restriktiven kopierschützen und DRM-systemen und unverschämt hohen CD-preisen zu gängeln.







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