Ich kann mich noch dunkel an Richard von Weizäcker erinnern, das war ein Bundespräsident mit intellektuellem Format der das Amt angemessen ausfüllen konnte. Der Bundespräsident ist eben ein Repräsentant der wenig tagespolitische Macht inne hat und mehr als alle anderen Politiker von seiner persönlichen Autorität und Integrität lebt. Da reichten seine Nachfolger Roman Herzog und Johannes Rau in Punkto Charisma zwar nicht heran, sie waren aber auch keine Abnickonkel, furztrockene Bürokraten oder Korruptis. Nachdem Schwarz-Geld nun zwei Mal eine völlige Katastrophe als Bundespräsident ins Amt gehievt hat wäre es an der Zeit die Wahl des Staatsoberhauptes in Zukunft in die Hände des Volkes zu legen - so wie es in Österreich seit jeher Gang und Gebe ist. Warum sollte was dort funktioniert bei uns nicht funktionieren?

Auch wenn es dann ein Neoliberaler wie Gauck wird, dessen Verständnis von Freiheit ich überhaupt nicht nachvollziehen kann - zumindest ist der kein Partei-Apparatschik der sich von Millionären korrumpieren lässt. Ein Bundespräsident dessen Integrität und Glaubwürdigkeit derart beschädigt ist wie die Wullffs', hat damit sein einziges Kapital und seine Qualifikation zur Ausübung dieses Amtes verloren. Wenn Wulff nicht zurücktritt wird er die nächsten vier Jahre eine "lame duck" sein und (ähnlich Westerwelle) glanzlos seine Zeit absitzen - entlassen kann man ihn nicht da dafür die rechtliche Handhabe fehlt.

Ich vermute die nächste Woche wird entscheiden ob er den Skandal aussitzen kann oder von seinen Partei"freunden" zum Rücktritt gedrängt wird. Angela Merkel wartet erst einmal weiter ab, so wie immer.