Moin!

SUM ERGO COGITO
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18. Januar 1842
(in: Deutsche Lieder aus der Schweiz)

Der Deutsche reflektiert über alles, sieht alles aus der Vogelperspektive
und ist darum nie in der Mitte der Sache. Der Deutsche
hat alles und ist nichts. (Börne, Gesammelte Werke, 1.16.)



Laßt uns unseren Geist versenken
in des Wissens tiefes Meer!
Laßt uns denken, immer denken !
Ei, das ziert den Deutschen sehr.
Und wenn man uns fragt: Wie geht´s
sagen wir: Wir denken stets.

Alles denkt bei uns zu Lande
das ist deutsche Sitt´ und Brauch;
Ja, man denkt in jedem Stande,
Schuster, Schneider, denken auch.
und wenn sie auch nichts gemacht,
sagen sie: Wir ha' n gedacht.

Denken muß der Deutsche immer,
wo er sitzt und geht und steht,
und er läßt das Denken nimmer,
wenn' s auch noch so schlecht ihm geht;
Und sein Trost, sein Glück und Heil
ist: ich denke mir mein Teil

"Du Gedankenland auf Erden,
wenn dein Denken wird zur Tat,
Ei, was kann aus Dir noch werden!
Kommt' s nur etwa nicht zu spat,
daß man fragt: Was machtet Ihr ?
Und Ihr sagt: Stets dachten wir."



DAS LIED VOM DEUTSCHEN PHILISTER
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Ein sehr anschauliches Beispiel für die Aktualität der Texte
von Hoffmann von Fallersleben. Das ganze unterlegt mit einem schön treibenden
sechs-achtel Beat, der sich zu einem leicht afrikanisch anmutenden zwölf-achtel wandelt.



Der deutsche Philister, das bleibet der Mann
auf den die Regierung vertrauen noch kann
der passet zu ihren Beglückungsideen
der läßt mit sich alles gutwillig geschehn

Befohlenermaßen ist er stets bereit
zu stören, zu hemmen den Fortschritt der Zeit
zu hassen ein jegliches freies Gemüt
und alles, was lebet, was grünet und blüht

Sprich, deutsche Geschichte, bericht es der Welt
wer war doch dein größter berühmtester Held
Der Deutsche Philister, der Deutscheste Mann
der alles verdirbt was man Gutes begann

Was schön und erhaben, was wahr ist und recht
das kann er nicht leiden, das findet er schlecht
so ganz, wie er selbst ist, so kläglich, gemein
hausbacken und ledern soll alles auch sein

Solange der Philister regieret das Land
ist jeglicher Fortschritt daraus wie verbannt
denn dieses erbärmliche feige Geschlecht
das kennet nicht Ehre, nicht Tugend und Recht

Du Sklav der Gewohnheit, du Knecht der Gewalt
käme dein Simson, o käm er doch Bald
Du Deutscher Philister, du gräßlichste Qual
o holte der Teufel dich endlich einmal

Doch leider hat Beelzebub keinen Geschmack
an unsern Philistern, dem lumpigen Pack
und wollten sie selber hinein in sein Haus
so schmiß der die Kerle zum Tempel hinaus
Zwei Lieder aus der CD "Knüppel aus dem Sack" von der Gruppe GRENZGÄNGER mit Liedern von Hoffmann von Fallersleben.


Mit freundlichen Grüßen
Lars