Tyrion hat es am meisten getroffen. Ich bin bisher davon ausgegangen, dass die Charakterisierung in der Serie zugunsten der Übersicht etwas vereinfacht wurde. Jaime ist bspw. in der ersten und 2 Staffel ein kompletter Arsch, wandelt sich dann aber in der 3. Staffel zu einer "missverstandenen Sympathiefigur". Tyrion hat im Gegensatz zu seinem Buchpendant in der Serie eine ziemlich weiße Weste. Das die Motivation seinen Vater aufzusuchen für die Serie geändert wurde, ist nachvollziehbar, denn an die Tysha-Geschichte aus der ersten Staffel erinnert sich kein Zuschauer mehr, aber das Zusammentreffen mit Shae, die sofort nach dem Messer greift, und Tywin lässt Tyrion, sowie sein Verhältnis zu seinem Bruder dann doch nicht so rachsüchtig und in gewissen Maße auch bösartig erscheinen wie in der Vorlage. Ich denke nicht, dass ihn seine Taten aus dieser Folge langfristig so mitnehmen und ihn für den Rest der Serie so zeichnen wie im Buch und dass er in der Serie höchstwahrscheinlich schon nach kurzer Zeit wieder mehr oder weniger der Alte ist, damit der Zuschauer eine Figur hat, an der er sich festklammern kann. Bloß dann tauchen schon wieder die nächsten probleme auf, wenn seine Motivation mit den nächsten Abschnitten der Handlung kollidiert, wenn man den groben Handlungsverlauf der Vorlage weiter folgt. So hangeln sich die Autoren von einem kleinen Problem zum nächsten. Vielleicht ist es wirklich ganz gut, dass sie bald das Ende der geschriebenen Bücher erreicht haben und sich dann völlig auf ihr Ding konzentrieren können. Entweder es funktioniert, oder ihnen entgleitet dann der Plot völlig.

Die 2. Figur ist Stannis samt Anhang. Ich und meine Mitseher hatten nicht den Eindruck, dass er die Nachtwache aus dem Schlammassel gezogen, sondern eher die Friedensgespräche torpediert hat. Ich zähle mich zwar auch nicht zu dem lautstarken Stannis-Fandom im Netz, die ihn quasi als Retter Westeros preisen, obwohl er sowas auch nicht in der Buchreihe tut. Der Typ ist im Buch ein scheinheiliger stoischer Arsch mit einem extrem trockenen Sinn für Humor, der wirklich mittig zwischen seinen beiden loyalen Ratgeber Davos und Melisandre steht. In der Serie befindet er sich überwiegend unter der Fuchtel von sexy Carice van Houten und reagiert nur auf Davos Ratschläge wenn Melisandre ihr Einverständnis dazu gibt. Er verbrennt Angehörige, weil sie nicht ihren Glauben wechseln wollen. Und er marschiert ins Camp der Wildlinge unterlegt mit einem düster-bedrohlichen Theme ein. Das ist mir zu einseitig und die Gelegenheit, ihn und seinen Ahang in einem anderen Licht erscheinen zu lassen, hat man (mutwillig - Benioff und Weiss haben mehrmals in Interviews deutlich gemacht, dass sie bei Stannis nicht die eher neutrale Figur sehen, zu der ihn Martin in seinen Büchern gemacht hat) verpasst.

Punkt Nr. 3: Der 3-äugige Rabe und die Kinder des Waldes. Sorry, aber das war einfach nur cheesy. Statt die gängigen Fantasy-Tropes weiterhin zu umgehen, macht man hier quasi eine 180°-Wende. Irgendwann habe ich mal geschrieben, dass wir in der Serie nie feuerballschleudernde Zauberer Stufe 13 mit einem Manavorrat von über 300 zu Gesicht bekommen werden. Nach dieser Szene bin ich mir nicht mehr so sicher. Hier haben wir schlecht bemalte Kinder die sich mit Knallbonbons gegen Skelette, die aus einer unheiligen Vereinigung von Fluch der Karibik und Ray Harryhausen heraus entstanden sind, erwehren. Dass der 3-äugige Rabe dann quasi ein Tattergreis ist, der es sich zwischen den Wurzeln gemütlich gemacht hat, fällt dann kaum noch ins Gewicht. Statt des mehrminütigen Kampfes gegen die CGI-Skelette hätte meines Erachtens mehr Sorgfalt in das Design der Figuren gesteckt werden sollen, die wirklich wichtig für die Story sind.

Wie gesagt, das nur aus Buchlesersicht. Von der reinen Fernsehlogik her, habe ich wesentlich weniger auszusetzen. Ironischerweise hat die Szene, vor der ich am meisten Bammel hatte, super funktioniert: Sandor + Arya treffen auf Podrick und Brienne. Eine gute Lösung zu dem was im Buch passiert.

PS: Danke für den Titel. Rutsch rüber, Pycelle. Jetzt komme ich.