DS9 hat eben aus seinem Ensemble etwas rausgeholt - Voyager war ab Staffel 4 nur noch die Janeway-Seven-Doktor Show. Ich erinnere mich dunkel dass z.B. Chakotay (immerhin der erste Offizier) in der siebten Staffel nahezu komplett aus der Serie rausgeschrieben wurde. Demgegenüber hatte in DS9 jeder Charakter "seine" Episoden pro Staffel und selbst Nebencharaktere wie Garak oder Damar wurden immer weiter ausgebaut und waren weit vielschichtiger und moralisch ambivalenter als die Grinse- und Strahlemännertruppe von Voyager. Letztlich hatte ich bei Voyager den Eindruck, dass die Drehbuchautoren gar nicht so richtig wussten, was sie mit den Figuren eigentlich anfangen wollten.

Janeways Charakter änderte sich mitunter von Episode zu Episode, mal war sie die fürsorgliche Mutter der Kompanie, um in der nächsten Episode Gefangene der Todesgefahr auszusetzen zwecks Informationsgewinnung. Tuvok ging der spöttische Humor den Spock auszeichnete völlig ab. Neelix war ein Clown auf Drogen. Harry Kim ein Pfadfinder. B'elanna immer irgendwie sauer und angepisst, wie sich ein Mario Barth wohl eine "temperamentvolle" Frau vorstellen würde. Über damsel-in-distress Kes lässt sich kaum etwas sagen, so farblos war diese Figur. Tom Paris durfte immerhin ab und zu rebellieren, bevor er dann wieder rasch zu Mutti Janeways Schwiegersohn mutierte. Sie alle wirkten wie Abziehbilder von Charakter-Archetypen, so als hätte jemand nach einem VHS-Kurs kreatives Schreiben den Auftrag bekommen, ein paar Figuren am Reißbrett zu entwerfen. Das mit Abstand interessanteste Charakterpaar waren noch der Doktor und Seven, die ich aber wegen der lächerlichen Outfits in die sich Jeri Ryan zur Quotensteigerung quetschen musste nie so recht ernst nehmen konnte. Robert Picardo war ohne Übertreibung Herz und Seele dieser ansonsten blutarmen Serie.

Viele dieser Kritikpunkte treffen aber auch auf Enterprise zu, nur dass diese Serie fast von Anfang an die Archer-Trip-T'Pol Show ist. Die anderen Charaktere, vom Doktor einmal abgesehen, bleiben völlig farblos und bekommen im Verlauf der Serie immer weniger screen time. Aber immerhin hat Enterprise in Staffel Drei und Vier mal ein paar Experimente gewagt die durchaus einige interessante Episoden und Handlungsstränge hevorbrachte - das mag nur der Mut der Verzweiflung vor der drohenden Absetzung gewesen sein, aber es war mehr Mut, als ihn dieselben Macher bei Voyager aufgebracht haben.

Die dauernden Vergleiche zwischen DS9 und Babylon 5 haben mich schon damals angeödet. Beide Serien spielten auf einer Raumstation und waren in den späteren Staffeln sehr kriegslastig, damit hat es sich eigentlich auch schon mit den Übereinstimmungen. Tendenziell ist für mich DS9 die stärkere Show, weil die Episoden abseits der großen Gesamthandlung besser sind und in verschiedenen Genres wie Comedy oder Drama sehr gute Einzelepisoden hervorbringen. Die Mythologie ist zwar bei Babylon 5 etwas komplexer, aber macht eben nur 6-7 Episoden pro Staffel aus. Ich will mich darüber nicht weiter auslassen, da ich beide Serien eigentlich gerne geschaut habe (allerdings bei DS9 einen deutlich höheren Wiederseh-wert erlebe und immer mal wieder die ein oder andere Episode einlege).