hier ein bericht, der zwar nicht haargenau in die bisherige diskussion passt, sie jedoch auf interessante weise ergänzt:


Greenpeace: Dauergifte aus Chemie-Industrie verseuchen die Arktis

Greenpeace startet weltweite Kampagne gegen Dioxin & Co


London/Wien -12.08.99 - Dauergifte aus Industrieländern verursachen schwere Schäden bei Menschen und Tieren in abgelegenen Regionen wie der Arktis. Das geht aus dem Report "Die Spitze des Eisbergs - Dauergifte in der Arktis" hervor, den Greenpeace heute veröffentlicht hat. Die Bedrohung durch Dauergifte ist demnach schlimmer als bisher angenommen: Der Giftgehalt in der Muttermilch von Inuit-Frauen, die sich traditionell von Robben und Fisch ernähren, ist um ein Vielfaches höher als bei Menschen in Westeuropa. Eisbären gehören zu den am stärksten mit Umweltgiften belasteten Tieren. Mit dem Report startet Greenpeace eine Intensiv-Kampagne für ein Verbot von Dauergiften.

"Diese Beispiele sind wahrscheinlich nur die Spitze des Eisbergs", betonte Dr. Paul Johnston vom Greenpeace-Labor in der Exeter University in England bei einer Pressekonferenz in London. "Die schleichende Vergiftung der Umwelt durch Dauergifte ist eines der größten Umweltprobleme", ergänzte Herwig Schuster, Chemie-Experte von Greenpeace-Österreich in Wien. Zwar sind *alte' Dauergifte wie PCB oder DDT in vielen Ländern inzwischen verboten, aber an deren Stelle treten jetzt die neuen. In der Arktis nachgewiesene neue Dauergifte sind unter anderen: bromierte Flammschutzmittel aus Elektrogeräten wie Handies und Computern sowie TBT aus Schiffsanstrichen. Diese Chemikalien fand Greenpeace sogar im Fettgewebe von Pottwalen aus dem Atlantik.

Dauergifte sind schwer abbaubar und reichern sich in Lebewesen an. Bei Menschen und Tieren können sie Schäden an Immun- und Nervensystem, Fortpflanzungsstörungen, Krebs und Störungen des Hormonsystems hervorrufen. So wurden von Forschern in Grönland und Nord-Norwegen junge weibliche Eisbären mit Penis gefunden.

"Verantwortlich ist die Chemieindustrie", unterstrich Herwig Schuster. "Es ist ein Skandal, daß Menschen und Tiere, die weit entfernt von den Industriezentren leben, durch unsere Chemiekalien vergiftet werden." In die Arktis gelangen die Giftstoffe über den kaum bekannten Effekt der "Globalen Destillation": Die stabilen Gifte wandern vor allem über die Luft aus den Industrie-ländern in die kälteren Pol-Regionen, wo sie ausfrieren und sich schließlich in den Lebewesen festsetzen. "Das Klima funktioniert dabei wie eine Giftpumpe", erläuterte Schuster.

Greenpeace fordert ein weltweites Verbot von Dauergiften. Um die Bedrohung der Arktis durch Dauergifte zu erforschen, befindet sich das Schiff "MV Greenpeace" seit dem 8. August mit einer wissenschaftlichen Crew in der Arktis bei Spitzbergen. Danach wird das Schiff in Dänemark, Holland, Deutschland, Schweden, Belgien und Spanien Station machen.
der bericht stammt von 1999. ob die darin beschriebenen gefahren durch gifte noch aktuell sind bzw. inwieweit beispielsweise die handy-industrie bisher darauf reagierte, ist mir nicht bekannt. allerdings zeigt es auf traurige weise, wie häufig wir allein durch ganz alltägliche gebrauchsgegenstände gezwungen mit gesundheitlichen gefahren zu leben. ohne ihr riskiko mangels nötiger aufklärung seitens industrie und politik von anfang an ausreichend einschätzen zu können.