Die USA läßt Russland bereits jetzt freie Hand in Sachen Kaukasus; ganz einfach deshalb, weil irgend eine Kalaschnikow-Republik im Herzen Kleinasiens nicht ihr Interesse hat. Strategisch unwichtig, keine Verbündeten, keine Rohstoffe ... Ergo unwichtig aus Sicht der US-Weltpolitik. Die UN sind es, die Putin in seiner Antwort auf die Kaukasus-Frage die leere Wodkaflasche zwischen die Beine werfen.

Und jetzt wird es kompliziert: Russland kann es sich nicht leisten, einen Krieg gegen den Irak zu unterstützen, weil dieser Konflikt sofort religiös thematisiert werden würde. Und das ist nicht gut, wenn man Zwergstaaten, die einen ohnehin nicht leiden können, Anlaß gibt, ihren islamistischen Tendenzen mittels wohlplatzierter Bömbchen in russischen Städten Ausdruck zu verleihen. So lange Russland gegen einen militärischen Einsatz der USA im Herzen des Islam steht, kocht dieses Potential auf kleiner Flamme.

Weiterhin - und das ist eventuell noch viel wichtiger - muß Putin Stärke beweisen, nicht nur im Inland, sondern auch international. Selbst wenn er wollte, könnte er den USA nicht entgegenkommen, denn etwas Besseres, als den Wünschen einer Supernation nicht zu entsprechen, kann es für eine andere Supernation nicht geben, um ihre Autorität auf dem Parkett der Weltpolitik zu beweisen. Das ist übrigens auch der Grund für China, dagegen zu halten.

Und dann gibt es noch den nicht zu ignorierenden Punkt langfristiger Wirtschaftsplanung: Russland könnte sehr erstarken, was den Export von Erdöl und Erdgas angeht, und darauf wir beständig hingearbeitet. Im Rahmen dieser Zielsetzung kann man weder rebellierende Zwergstaaten im Vorgarten noch eine USA gebrauchen, der mit dem Irak gewaltige Rohstoffquellen in die Hände fallen.