Prometheus ist style over substance - anders als z.B. 2001, der visionären Stil mit Substanz verbindet und deshalb die Cineasten auch nach Jahrzehnten immer noch zum Nachdenken anregt. Letztlich hat Ridley Scott seinen Teil des Jobs sogar recht vernünftig umgesetzt, das Drehbuch ist schließlich nicht auf seinen Mist gewachsen. Set Design, Schauspieler und Musik sind erstklassig. Warum er keine Korrekturen am Drehbuch verlangte bleibt allerdings sein Geheimnis. Das Drehbuch ist der Knackpunkt jedes ernsthaften Films. Zudem enthält Prometheus anders als z.B. die ebenso pseudo-komplexe Matrix-Trilogie nicht genug visuelle Leckerbissen und Actionszenen um von den zahllosen Schwächen im Drehbuch und den Logikfehlern abzulenken. Deshalb fallen solche Defizite bei ernsthaften Scifi-Filmen wie Prometheus, Sunshine oder Mission to Mars auch weit mehr ins Gewicht und sind wesentlich ärgerlicher als bei Transformers, wo man keine richtige Geschichte braucht und nur wegen der Actionszenen überhaupt ins Kino geht.

Einen aufwendigen Scifi-Film gibt es eben nur alle paar Jahre mal. Nach dem Hype und der erstklassigen Werbekampagne konnte ein durchschnittlicher Film wie Prometheus leider nur enttäuschen, auch wenn der Streifen sicherlich kein Totalverlust ist wie damals Episode I. Mehr als 5 von 10 Sternen kann ich dem Prequel deshalb nicht geben. Selbst wenn ich ihn als Scifi-Film losgelöst vom großen Alien-Vorbild betrachten würde (was Scott durch die zahllosen Anspielungen an den Erstling selbst verunmöglicht) hätte Prometheus keineswegs die 7 von 10 Sterne verdient welche ihm Corny und Uli gegeben haben. Ich habe vor drei Jahren Star Trek 7 von 10 Sternen gegeben, der Film hatte allerdings nur halb so viele plot holes und machte doppelt so viel Spaß, so dass ich über einige Schwächen hinwegsehen konnte. Aus demselben Grund verpasste ich John Carter ebenfalls 7 Sterne. Bei Prometheus geht das nicht, dafür ist die zweite Hälfte des Films einfach zu konfus und zu ärgerlich. Der Film ist weder unterhaltsam noch tiefgehend.

Ich bin sicherlich kein überkritischer nitpicker, allerdings finde ich es bedenklich Drehbuchschreiber für die latente Nichtauflösung von Handlungsbögen derart vom Haken zu lassen wie es manche Kollegen hier laufend tun. Durch diese unangebrachte Nachsicht bleiben untalentierte Leute wie Lindelof nämlich weiter gut im Geschäft, weil es genug Fans gibt die deren "Stil" offener, loser Enden mit echter Substanz verwechseln.