Die medien berichten nur das, was wir als allgemeinheit von ihnen hören wollen. So ist es doch.
Um die allgemeinheit ein wenig zu entschuldigen, kann man allerdings weitergehend feststellen, dass die medien es mittlerweile perfekt verstehen, genau das zu beeinflussen, was wir als allgemeinheit von ihnen hören wollen.

Da werden "promis" regelrecht gezüchtet, mit schnell vertraut klingenden kosenamen versehen (es ist eben nicht der Oliver, sondern der Olli) und in endlosen fortsetzungsgeschichten von ihnen berichtet. Das interesse am leben und der lebensart völlig fremder menschen wird einfach dadurch geweckt, aufrechterhalten und gesteigert, dass immer und immer wieder darüber berichtet wird. So kann man aus jedem stinknormalen nobody eine persönlichkeit des öffentlichen interesses machen, an dessen aufdeckung jedes privaten details plötzlich millionen von menschen teilhaben wollen. Am besten kann man dies zur zeit bei RTL's "superstars" beobachten, wo sich auf beispiellose art die medien gegenseitig hochfüttern.

Man hat das gefühl, den tamagotchis der gesellschaft bei der entwicklung zuzuschauen. Ein grossteil einer bildzeitungsausgabe lässt sich mittlerweile mit egal wie belanglosen neuigkeiten über diese promigotchis füllen, man braucht nur einen kleinen aufhänger, ein hübsches bild und gedankenloser konsum mit dem bedürnis nach "mehr" ist garantiert.

Da eine gesellschaft immer nur ein gleichzeitiges interesse für eine begrenzte anzahl von promigotchi-schicksalen aufbringen kann, werden die ausgesaugten exemplare, aus denen nur mühsam noch etwas herauszuholen ist, immer wieder und in einem immer schnelleren kreislauf fallen gelassen und durch neu geformte gesichter ersetzt. Die schicksale der entsorgten promis interessiert auf einmal keinen mehr, sie haben wieder den status eines normalen menschen - und kommen damit sehr unterschiedlich gut zurecht.

Der einzige kritische umgang, der dieses selbsternährungsprinzip der medien nicht fördert, ist eigentlich desinteresse - und desinteresse kann nie kritisch sein, sondern nur resignierend. So kann ich zum schluss nur resigniert festhalten, dass mich der ganze zirkus im grunde nicht anhebt, dass es mich nicht im geringsten interessiert, ob olli nun fremdgeht oder gern rosa blümchen-unterhosen trägt - obwohl das eigentlich nicht stimmt, denn wenn es mich wirklich nicht anheben würde, hätte ich diesen thread genaugenommen ignoriert und dieses post wäre nicht entstanden...

Trotzdem ziehe ich es vor, mein interesse auf leute zu konzentrieren, die ich kenne und die mir persönlich etwas wert sind.

Ich hoffe, das hat jetzt halbwegs zum thema gepasst.

von wu-chi: Alles andere (Monogamie und die damit verbundene gute Moral) ist künstlich durch unsere Gesellschaft (unsere gute liebe Institution Kirche hat dies natürlich bis ins kleinste verfeinert) geschaffen worden
Sehr interessantes thema. Sprich es doch bitte mal in einem neuen thread an.