Heute Abend steigt das Finale des deutschen ESC-Vorentscheid 2012: Ab 20:15 Uhr im Ersten

Das Rennen wird sich zwischen Roman Lob und Ornella de Santis entscheiden:





vs.





Der bisherige Favorit ist zwar Roman, aber nachdem schon kaum jemand damit gerechnet hatte, dass Ornella überhaupt bis ins Finale kommt, scheint nun wieder alles offen zu sein. Sie ist mit ihrer exotischen Ausstrahlung und dem balladesken Gesangsstil eigentlich klassisches ESC-Material. Allerdings fänd ich's nicht so spannend, wenn Ornella in Baku für Deutschland antreten würde - obwohl ich ihr ausgeprägtes Talent nicht kleinreden möchte. Sängerinnen mit einem ähnlichen Stil/Aussehen sind jedoch schon in den anderen Wettbewerbsländern meist mehr als genug vorhanden. Roman hat da einfach bessere Chancen, aus der Masse herauszustechen.

Insgesamt fand ich die "Unser Star für..."-Show diesmal weniger überzeugend als in den letzten Jahren. Das lag zuallererst daran, dass das sympathische Moderatoren-Duo Opdenhövel/Heinrich von zwei ziemlich langweiligen Nachfolgern abgelöst wurde: Steven Gätjen und ...ähmmm... vergessen. Wo sonst vor allem Opdenhövel die Routine durch zotige Sprüche und treffsichere Pointen auflockerte, gibt es nun überwiegend pseudo-coole 0815-Moderation ohne Ecken und Kanten. Schade, schade, schade. Ich hoffe, dass für nächstes Jahr eine bessere Neubesetzung gefunden wird. Warum nicht mal jemand wie Sebastian Winkler?

Auch die Frontfrau von "Frida Gold" erwies sich in der Jury als Fehlgriff. Thomas D wiederum war zwar manchmal ganz witzig, wirkte aber zu angepasst und kam teilweise etwas bemüht cool rüber. Und Stefan Raab war eben Stefan Raab. Da gefiel mir das Konzept mit den wechselnden Juroren besser. Als zusätzlicher Nerv-Faktor kam die neu eingeführte Blitztabelle hinzu. Klar, das Ding ist schon irgendwie spannend und so eine Live-Abstimmung ist mir eigentlich lieber als dieses künstliche Herauszögern des Votings ("Menowin, du musst jetzt ganz stark sein..." ). Andererseits hat daduch der Werbecharakter und Kommerzdruck der Show deutlich zugenommen. Die ständigen Hinweise, dass man doch schnell wieder für seinen Favoriten anrufen solle, gingen mir im Laufe der Zeit immer mehr auf den Keks. Wahrscheinlich wurde dieser Eindruck noch dadurch verstärkt, dass Steven Gätjen den Charme eines Homeshopping-Moderators hat. Bitte, ProSieben, gebt diesen Schnösel bei QVC, RTL-Shop oder anderen Hausfrauensendern ab!

Gerettet wurde die Show letztlich von den Kanidaten, die auch dieses Jahr wieder eine interessante Mischung und jede Menge Talent geboten haben. Vor allem Shelly Phillips, die in der letzten Sendung leider gehen musste, fand ich echt sympathisch. Sie hätte in Baku wahrscheinlich nicht funktioniert, aber ich hoffe, dass ich sie im ESC-Vorentscheid nicht zum letzten Mal gesehen habe.

Hier noch einige interessante Beiträge zu dem Thema:
Zum "Unser Star für Baku"-Finale: Schnelle Sternchen, fleißige Stars - taz.de
ARD Mediathek: Kontraste - Austragungsort Baku - Ein Blick hinter die Kulissen | Das Erste
ARD Mediathek: Zapp - Der "unpolitische" ESC | NDR Fernsehen
Unser Star für Baku: Teddybären-Augen allein reichen nicht | Medien*- Berliner Zeitung

Und die offizielle Homepage mit vielen Videos zu den bisherigen Sendungen - und leider auch mit haufenweise nerviger Werbung: Unser Star für Baku - Thomas D sucht den deutschen Teilnehmer am ESC 2012