Ich möchte ja nicht abstreiten, daß es ein paar gute Szenen gibt, aber für mich entsteht Atmosphäre immer noch durch Handlung. Diese läßt sich in zwei Hauptstränge auflösen:
SF-Strang
Originell: Außerirdische planen die Invasion.
Irritierend: Die Biester sind dumm wie ein Aldi-Brot. Sie finden sich auf einem Planeten nicht zurecht, ohne durch's Getreide und die Saat zu trampeln. Trotz Wasserallergie betreten sie ohne Schutzanzüge eine Welt , die überall Wasser enthält (sogar in der Luft). Mit einem Kurzstrecken-Gaszerstäuber bewaffnet greifen sie eine Spezies an, die über Schußwaffen (und Baseballschläger) verfügt. Sie lassen sich sich von einem verängstigten Tierarzt in der Speisekammer einsperren und ihr Funk ist über ein Babyphon abhörbar.
Doch auch ohne die Aliens schlägt die Kausalität Kapriolen: Der Doktor für das liebe Vieh sperrt E.T. also in die Speisekammer, wo es vor lauter Entzücken über den Räucherschinken und die Brechbohnen im Glas so lange verharrt, bis der Tierarzt (gespielt vom Regisseur) sämtliches Inventar davor gestapelt hat. Das Alien wiederum springt zwar locker auf Häuser und wieder hinab, schafft es aber nicht, eine dünne Spanbretttür aufzuhebeln, die meine Omma mit dem Krückstock einschlagen könnte.
Es mag als Beweis für die Planungsabsenz der Besucher aus dem All anzusehen sein, daß sie zu Dutzenden um ein Farmhaus strolchen, um eine Pfarrersfamilie zu verschrecken, während ihre Kollegen in den Städten der Welt mit Affenabkömmlingen als Gegner ganz gewaltig abkacken. Dafür, daß sie vorher ewig lange gekundschaftet haben, war ihr finaler Angriffsschlag eher ein Fall von Denkste. Und mal im Ernst: Wenn sie nur möglichst einfach möglichst viele Menschen versklaven wollten, warum sind sie dann nicht irgendwo in verträumten Wüstenkaffs gelandet? Kein Wasser, kein Militär und kein Aas bekommt's mit, bis man den halben Weg nach Alpha Centauri zurück geschafft hat.
Drama-Strang
Ein vom Glauben abgefallener Pfarrer muß feststellen, daß alle Traumata in seinem Leben (der Tod seiner Frau, die Atemwegserkrankung seines Sohnes, der Tick seiner Tochter, das ständige Versagen seines Bruders) eigentlich ein Plan Gottes sind, damit bei einer Alien-Invasion auch fein ein Rädchen ins andere greift und der Mann seinen Glauben wiederfindet. Das Konzept schwächelt ein wenig daran, daß die depperten Aliens auch so abgeniest wären, die Frau immer noch tot, das Mädel immer noch ausgetickt, der Junge immer noch asthmatisch und der Bruder immer noch am ablosen ist, nachdem sich die ganze Chose erledigt hat. Allerdings ist die Familie wieder eine Herz und eine Seele ... Nur, wäre sie das nicht auch, ohne den ganzen Schmu zu inszenieren? - Richtig, es ist im Prinzip kein Fortschritt erkennbar, wir haben also eine klassische Nullhandlung.
So, mag man nun fragen, aber was ist mit dem bedrückenden und eindringlichen Spiel der Darsteller, hm? - Geschenkt, antworte ich dann. Was nützen gute Darsteller einem Film, wenn ihre bravouröse Leistung in anderen Filmen mit durchdachter Handlung eher zur Geltung kommen? Niente.
q.e.d.





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