Yerho: So lange er lebte, scheint er dafür nicht allzu bedeutsam gewesen zu sein, wenn man nach seiner weltöffentlichen Präsenz geht.
Wie wäre es mal mit weniger lesen und mehr TV gucken?

Das konnte ich mir jetzt nicht verkneifen. Also ich kann mich an einige Talkrunden mit Djindjic erinnern, einige wurden bestimmt erst gestern wegen seinem Tod wiederholt. Er hatte schon eine gewissen Medienpräsenz. Wohl nicht zuletzt damit Deutschland auch weiter in Serbien engagiert, er hier studiert hat und somit der beste Botschafter für sein Land ist. Natürlich konnte er nicht mit Bush mithalten, Serbien ist ja aber auch deutlich kleiner. Ohne ihn hätten wir die Geschehnisse auf dem Balkan schon viel eher zu den Akten gelegt ... abgesehen natürlich von unseren Soldaten die dort Urlaub machen ... ja, die sind noch im Kosovo ...

Der Kennedy Vergleich gefällt mir. Djindjic hat mal wieder gezeigt das ein Mensch eben doch etwas verändern kann. John hat recht, in Serbien brodelt es. Trotzdem hat es Djindjic geschafft selbst Milosovic nach Den Haag ausliefern zu lassen. Sogar der Präsident war ja dagegen.

Was aber mal wieder deutlich wird ist das eine Diktatur nicht zerstört wird wenn nur der Kopf abgeschlagen wird. Milosevic hat ja bekanntlich gut mit der Unterwelt zusammengearbeitet und die ganzen Leute die unter ihm aufgestiegen sind konnte man ja auch nicht sofort entlassen. Sonst hätte der Staat ja gar nicht funktionieren können. Das Milosovics Anhänger aufgrund des Regimewechsel als Verlierer dastehen, und um ihren Einfluss bangen, sollte auch jedem klar sein. Da war es doch nur eine Frage der Zeit bis so etwas passiert. Vielleicht war es ja das Problem das die Serben es selber geschafft haben sich zu befreien? Schließlich gibt es keine ausländischen Truppen im Staat die das Machtvakuum gefüllt haben. Wenn dann die notwendigen Reformen nur langsam durchgeführt werden können, wird es natürlich gefährlich.

Jetzt ist er aber weg. Ich sehe auch eher schwarz. Der Ausnahmezustand zeigt ja schon wie nervös die Regierung ist, wenn sie schon soweit geht und dem Militär freiwillig den Staat aushändigt. Wenn es zu einem Regimewechsel kommt, dann in er nächsten Zeit. Verhindern, da stimme ich Minas zu, kann das wohl niemand. Aber die Bevölkerung scheint ja recht besonnen zu reagieren. Andererseits habe gelesen ich das 60 % der jungen Serben jetzt emigrieren wollen.

Mal sehen ob sich so schnell jemand findet der ähnlich viel Format wie Herr Djindjic hat. Ansonsten ... gut das ich dort nicht lebe ...

Tja, wie heißt der chinesische Fluch so schön: "Mögest Du in interessanten Zeiten leben!"