Folkyn du guckst zuviel N24. Da haben die Leute schon vor dem Golfkrieg das Internetforum gestürmt weil die Rund um die Uhr Militärdokus gezeigt haben. Sowieso geht mir eigentlich das Gegenteil auf die Nerven. Auf allen Sender immer nur dieselben, betroffen blickenden Gesichter. Man hat ja fast das Gefühl die fangen gleich an zu heulen weil da unten Leute sterben.

Die ersten Stunden habe ich den Nachrichtenmarathon natürlich mitgemacht. Die Bilder sind schon faszinierend. Überall starren die Moderatoren auf Bilder live aus Bagdad, dies obwohl den Reportern indirekt vom US Militär gedroht wurde, und man wartet ob etwas passiert. Dann eine schnelle Schalte zum Korrespondenten irgendwo anders, der berichtet das die Bomber noch nicht abgeflogen sind und dann wieder schnell nach Bagdad. Wir wollen ja keine Rakete verpassen. Ob die Fernsehnation wohl denkt das sie die Raketen mit Gedankenkraft aufhalten kann? Das Gefühl kann man bekommen.

Innovativ sind die Bilder von CNN. Da fährt ein Reporter mit den Soldaten nach Bagdad. Der übermittelt dann kleine, verpixelte Bilder nach Washington. Je nachdem wen CNN dann moderieren lässt, wird eigentlich immer schön kommentiert was für faszinierende Bilder das doch sind. Obwohl man ja nur Panzer sieht die durch die Wüste fahren. Mal sehen was passiert wenn sie in Sydney ankommen.

Ich weiß noch wie alle nach dem ersten Golfkrieg gejammert haben und das sie so etwas nicht noch mal mitmachen. Hat sich was geändert? Schließlich dürfen die Journalisten ja sogar mitfahren.

Ich denke nicht. Es ist sogar noch schlimmer. Durch diese Nähe zu den Truppen ist doch keine Objektivität möglich. Ich denke zwar nicht das die Militärs kritische Bilder offen verhindern wird, Giftgasalarm ist aber schnell gegeben. Europäer haben es anscheinend besonders schwer. Gestern wurde gezeigt wie ein amerikanischer Sender nette Interviews mit den Soldaten führen durfte, die haben sogar Schilder für die Familie während einer Live - Schaltung hochgehalten, während die anderen 500 Journalisten im Camp in Katar sitzen und ab und zu mit Gerüchten versorgt werden. Ihr wisst schon, so etwas wie die Nachricht der Washington Post, wonach Saddam verletzt sei. Das verbreitet sich schnell wenn 500 Journalisten an einem Ort versammelt sind.

Besonders unerträglich finde ich ja die Expertenrunden. Nach Erfurt hat sogar Kerner eine zweite Chance bekommen um zu zeigen wie betroffen er doch sein kann. Also sitzen auf allen Sendern Experten, ob nun Professoren, oder wer weiß was, und sie erklären uns wie der Krieg funktioniert. Bei allem gebotenen Respekt, keiner weiß was passieren wird. Diese Selbstsicherheit mit der uns die Analysen und Kommentare um die Ohren gehauen werden sind für mich unverständlich. Jeder weiß das wir wohl niemals erfahren werden was da unten wirklich passiert, unsere Experten geben uns aber das Gefühl das wir eben doch mit den Irakern im Keller sitzen und uns vor den Bomben verstecken. Was natürlich im Widerspruch zu den Bildern steht die uns von den Frontreportern geliefert werden. Einige der Experten wollen sogar schon wissen das der König von Jordanien als erstes gestürzt wird, andere wiederum verneinen dies usw.

Nein, militaristisch ist die Berichterstattung nicht. Das einzige Problem ist das es in Wirklichkeit nichts zu berichten gibt und alle Sender 24 Stunden mit dieser Informationsleere füllen müssen. Die sollten ihre Sondersendungen einstellen und, wie Viva, einfach ein Peace -Zeichen in die Ecke kleben. Dann würde ich vielleicht den Fernseher wieder einschalten.