Hmm, hier mag ich mich auch mal zu äußern. In mehreren Stichpunkten, in loser Reihenfolge.
1. Ich kann nicht für 2 stimmen, da ich an Gott glaube und ihn keinesfalls für einen alten Sack halte.
2. Ich kann aber auch nicht für 1 stimmen, weil die Regierung mit Gott nicht viel anfangen kann. Die C's in CDU/CSU stehen für "christlich", aber diese Partei hat ungefähr soviel mit Gott zu tun wie McDonald's mit Eßkultur. Große Parteien, Diktaturen, Regierungen... Sobald sie sich "Gott" auf ihre Banner schreiben, gibt es alles vom sogenannten geistigen Mißbrauch bis hin zum Massenmord.
3. Womit ich bei Captain Proton wäre. Viele Kriege und Massenmorde wurden im Namen Gottes ausgetragen und waren sicherlich extrem schrecklich. Trotzdem ist nicht Gott dafür verantwortlich, sondern die Menschen, die in sein Wort Dinge falsch hineininterpretieren, die ihnen die scheinbare Berechtigung geben, machtgierigen Blutrausch an den Tag zu legen.
Anders: Stell' Dir vor, Du hast Kinder. Ich unterstelle Dir mal, daß Du sie liebst. Dann stell' Dir vor, Du bist Krimiautor und schreibst einen Roman über einen Kindermörder. Ich lese diesen Roman, bekomme ihn in den falschen Hals, bringe Deine Kinder um und behaupte, diese Tat wäre in Deinem Namen geschehen. Du wirst zu recht antworten: "Was soll diese Scheiße, ich liebe meine Kinder! Du hast kein Recht, sie umzubringen!"
Und genau so reagiert Gott auf die Kriege in seinem Namen.
4. Enkidu, Gott nur in die Verfassung aufzunehmen, weil es dann so schön feierlich klingt, ist keine wirklich tolle Idee, sondern hochgradig unsinnig. Entweder man glaubt, oder man läßt es bleiben. Alles andere ist Hokuspokus.
5. Die Kirche verliert an Bedeutung, weil Gott irrelevant ist? Falsch. (Früher hätte ich "richtig" gesagt.) Gott verliert an Bedeutung, weil die Kirche irrelevant ist? Richtig!
Kirche ist eine wirklich tote und anödende Geschichte. Besonders die katholische, vom Filz und von der Gier des Vatikans zerfressen. Es gibt aber durchaus Gemeinden (wie beispielsweise meine), in denen es irre witzig ist, wo man dicke Freundschaften schließt und wo der Gottesdienst tatsächlich eine Party für Gott ist, und nicht ein Ritual eines alten Mannes in Kutte, der Traubensaft und Oblaten aus dem Tabernakel zaubert. Und ich bin zum Glück nicht bei der leicht fanatischen FCJG, die sich auf Drogensüchtige und psychisch Kranke stürzen, die sich nicht wehren können, und auch nicht bei den Scharlatan-Predigern die im Fernsehen schreien und andere Leute in Ohnmacht fallen lassen. Ich bin in einer ganz normalen Gemeinde, die den Dreh raus hat und überzeugt.
6. Gott und die Naturwissenschaft... Eine herrliche Diskussion. Ich selbst kenne Leute in meiner Gemeinde, die die Schöpfungsgeschichte für bare Münze nehmen, während ich sie für eine Analogie der natürlichen Vorgänge halte. (Und so ganz daneben liegt sie nicht. Die Erde ist zwar keine Scheibe, aber nach neuesten Erkenntnissen ist das Universum flach.) Ich belächele sie nicht, und sie kritisieren mich nicht, stattdessen führen wir extrem angeregte Diskussionen darüber. Und solche Offenheit und Klarheit in Gotteshäusern bringt uns schon mal einen ganzen Schritt weiter.
7. Fazit: Die Politiker sollten sich nicht mit Gott einlassen, dafür sind sie viel zu sehr von sich selbst überzeugt. Vielleicht sollten sie einfach mal die Bibel in die Hand nehmen, ein bißchen zwischen den Zeilen lesen, erkunden, was Gott so damit ausdrücken wollte, und davon mal ein paar Sachen mit in ihren Regierungsstil einfließen lassen. Das wäre sicherlich schöner, als die derzeitigen Polit-Stunts.





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