Ich glaub' die Zahlen waren von Allensbach, leg' mich aber nicht drauf fest. Habe ich vor 'ner Woche in den Nachrichten gehört.
Die Sache passte einfach zum Hohmann-Thema, daher habe ich das unkommentiert hinzugefügt.

Schlimmer noch, der §130 (den ich bisher nicht kannte) liest sich für mich als Eingeständnis, dass die Wertevermittlung in unserem Land vielfach gescheitert ist (zumindest scheint das die Meinung der Gesetzgeber zu sein, sonst hätten sie das Gesetz nicht erlassen) und dass man sich nicht in der Lage sieht, daran durch Einwirkung auf Überzeugungen etwas zu ändern. Zahlen lassen und Wegsperren ist die Devise. Ich finde die so vermittelte Einstellung ziemlich schwach.
Naja, aus Deinen bisherigen Ausführungen entnehme ich, das Du ein ziemlich "naives" (man verzeihe mir dein Ausdruck) Bild von Demokratie und Meinungsfreiheit hast. Das was Du Dir eigentlich vorstellst, ist ein anarchischer Staat ohne Führung, Regeln oder Gesetze, der deswegen besteht, weil jeder Mensch automatisch das Richtige tut, also im Grunde eine sich selbst regulierende Gesellschaft. Nur sowas gibt es halt nicht. Der § 130 ist nur ein Gesetz unter Vielen, das mittels Strafandrohung verhindern soll, das sich Bürger des Staates gegenseitig "Schaden" zufügen (ich beschreibe das jetzt natürlich sehr abstrakt, aber im Grunde läuft alles darauf hinaus), und das somit das Gemeinwesen und den Umgang miteinander reguliert.
Natürlich wäre es schön, wenn es so ein Gesetz nicht geben müsste, weil niemand auf die Idee kommen würde, andere Menschen zu diskriminieren. Es wäre auch schön, wenn es keine Gesetze gegen Mord und Vergewaltigung geben müsste, da aufgrund von korrekter Wertevermittlung niemand fähig wäre, zu morden und zu vergewaltigen. Diese Idealwelt entspricht aber nicht der Realität.
Der Staat muss die Freiheit des Einzelnen immer da beschränken, wo dieser im Begriff ist, durch Wort oder Tat die Freiheit anderer einzuschränken. Der real mögliche Idealstaat ist der, der eine möglichst ausgeglichene Balance zwischen der Freiheit des Einzelnen auf der einen Seite, und der Freiheit seiner Mitmenschen auf der anderen Seite schafft. An dieser Grenze werden immer Reibungen auftreten, und diese Reibungen werden mit besserer Balance naturgemäß immer kleiner.
Deswegen ist die Demokratie auch nicht die perfekte Staatsform (das wäre die oben beschriebene Anarchie), sondern die Bestmögliche, die, die der menschlichen Natur am ehesten angemessen ist.

Konkret bedeutet das, das die"wehrhafte" Demokratie eben gegen Worte und Taten vorgehen können muss, die dazu geneigt sind, den demokratischen Staat, die demokratische Grundordnung, und die Rechte der Bürger negativ zu beeinflussen.

Der Gesetzgeber hat sich insbesondere bei Gesetzen wie § 130 sehr wohl etwas dabei gedacht. Die Weimarer Republik, der demokratische Vorgänger der Bundesrepublik, war nämlich keine "wehrhafte" Demokratie, was mit einer der Hauptgründe war, weshalb ihre Feinde - Links- und Rechtsextremisten - sie schließlich nach nur wenigen Jahren beerdigt haben. Bei dem Entstehungsprozess der Bundesrepublik wurde von den Verfassungsvätern ganz besonderen Wert darauf gelegt, diesen Fehler von Weimar nicht zu wiederholen.

“Der historische Vergleich ist zulässig. Natürlich darf man damit die Verbrechen, die während der Bolschewistischen Revolution begangen wurden, nicht entschuldigen, aber wenn man die Deutschen als Tätervolk bezeichnet, weil sie in ihrer Vergangenheit Verbrechen begangen haben, dann darf man als Analogie auch die Juden als Tätervolk bezeichnen.“
Man "darf" imho beides nicht (das sich "Deutsche" und "Juden" kategorisch nicht vergleichen lassen, da "Deutsche" für einen von den Bürgern gewählten Staat steht, "Juden" aber für eine verstreute, führungslose Religionsgemeinschaft).
Das Problem bei Hohmann ist, das er seitenweise "Juden" als Tätervolk hochstilisiert, und das Ganze lediglich geschickt mit dem "man darf ja nicht alle über einen Kamm scheren" subtil revidiert, allerdings ohne, das sich an der Aussage und dem Eindruck des Textes etwas ändert.

Es ist ja schön, das Finkelstein sich von dem Text nicht angegriffen fühlt, aber das er "zufällig" auch noch Jude ist, ist für die Sachlage völlig egal, und revidiert auch nicht das, was Hohmann gesagt hat.
Allerdings finde ich es irgendwie ironisch, das der Schreiber dieses Beitrags ein antisemitisches Werk mit den Worten eines Juden verteidigt ("wenn's schon ein Jude sagt...") - da genau das Hohmann auch in seinem Text macht (siehe mein erster Beitrag).

Das wogegen Finkelstein hauptsächlich ist - nämlich die Instrumentalisierung des Holocausts zu kommerziellen Zwecken und die Holocaustkeule (siehe sein Buch "Die Holocaust-industrie"), hat nur etwas mit der öffentlichen Auseinandersetzung mit Hohmanns Rede zu tun, nicht aber mit den Aussagen an sich. Daher wundert mich Finkelsteins Meinung zum Thema auch nicht. Er war immer dagegen, das mit dem Holocaust politischer Profit betrieben wird, so wie es in Deutschland bei jedem dieser "Vorfälle" (s. auch Möllemann) der Fall ist.
Im Gegensatz zu all diesen beteiligten Leuten aus dem "öffentlichen Leben" habe ich als anonymer Bürger nämlich die Möglichkeit, das Ganze möglichst objektiv analysieren zu können, ohne irgendwelche Interessen zu verfolgen, politisch korrekt zu sein oder gesellschaftliche Gruppen vertreten zu müssen.