UNWORT DES JAHRES

Hohmann lobt Jury-Entscheidung für "Tätervolk"

Martin Hohmann kann's nicht lassen. Der aus dem Bundestag ausgeschlossene Abgeordnete hat die Entscheidung der Frankfurter Jury als "gute Wahl" gelobt, den Begriff "Tätervolk" zum Unwort des Jahres zu küren. Der CDU-Mann hatte seiner Partei und Fraktion mit seiner umstrittenen Rede mächtig zugesetzt.


Frankfurt/Main - Die bei der Goethe-Universität angesiedelte unabhängige Jury gab am Dienstag in Frankfurt am Main das "Unwort des Jahres" bekannt. Mit "Tätervolk" sei ein Begriff gewählt worden, der schon "grundsätzlich verwerflich" sei. Er mache "jeweils ohne jede Ausnahme ein ganzes Volk für die Untaten kleinerer oder größerer Tätergruppen verantwortlich, erhebt also den Vorwurf einer Kollektivschuld", sagte Jury-Sprecher Horst Dieter Schlosser.

Hohmann lobte die Entscheidung. Die Bezeichnung "Tätervolk" sei ein ungerechtfertigter Kollektivvorwurf gegenüber einem Volk. Einen solchen Vorwurf lehne er ab. Dies habe er auch in seiner umstrittenen Rede vom 3. Oktober 2003 getan.

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karos
Irgendwie hat der gute Mann den Preis verdient. Aber warum will er ihn irgendwie nicht haben? Das soll jemand verstehen.

Wo hier schon mal linke und rechte Presse erwähnt wurden, und die CDU mal wieder ordentlich was auf die Mütze verdient:

Ausgangsituation: Herr Merz, ehemaliger Fraktionsvorsitzender und Möchtegernraufbold der CDU, mag seinen Großvater, Josef Paul Sauvigny, ganz doll und würde am liebsten das rote Rathaus seiner Heimatstadt stürmen.

Linke Presse:

Ein flotter Farbenwechsel

Friedrich Merz Großvater traf auf der Maifeier 1933 genau den Ton, der auch von Nazis angeschlagen wurde. Der Festredner gab sich als eilfertiger Opportunist und offener Antidemokrat. Eine Analyse

BERLIN taz Am 1. Mai 1933 zeigt sich Josef Paul Sauvigny, Bürgermeister von Brilon, anlässlich seiner Festansprache zum "nationalen Feiertag der deutschen Arbeit" als offener Antidemokrat, Anhänger des Führerstaats und eilfertiger Opportunist.

stramm
Rechte Presse:

Der Großvater als Vorbild

[...]

Friedrich Merz kennt die zitierten Texte seines Großvaters nicht, und er hat den alten Herrn auch nur vage in Erinnerung, da er erst zwölf Jahre alt war, als Josef Paul Sauvigny starb. Aber Merz ist sich über eines sehr sicher: "Mein Großvater ist kein Nationalsozialist gewesen." Es möge zwar sein, dass er "nach 1929 kurzzeitig Erwartungen mit den Nationalsozialisten verbunden" habe; auf ein Ende der Massenarbeitslosigkeit, zum Beispiel. 1937 habe er sich dann frühzeitig pensionieren lassen, weil "die Nazis ihn angekotzt haben".

Dem Druck der Nationalsozialisten auf das Rathaus und seine Beamten habe sein Großvater am Ende nicht Stand halten wollen. "Nach allem, was ich aus meiner Familie weiß, war mein Großvater eine beeindruckende Persönlichkeit und ein erfolgreicher Bürgermeister", sagt Merz.

breit