Ich bin Baujahr 1981, war also zur Wende gerade an der Altersgrenze, wo ich mir bewusste Erinnerungen behalten konnte, mit denen ich zumindest heute rückblickend etwas anfangen kann. Und ich muss sagen, dass ich sehr dankbar für diese Erinnerungen bin, denn die schönsten Erzählungen, Filme und TV-Ostalgieshows können nicht das Gefühl ersetzen / synthetisieren, wie es war, das ganze miterlebt zu haben.
Wie man heute über die DDR denkt, wie die eigenen Erinnerungen "gefärbt" sind, hängt meiner Meinung nach sehr vom Elternhaus / den privaten Lebensumständen in der DDR ab. Viele Menschen haben sich damals in eine Art Biedermeierdasein zurückgezogen, in die eigenen 4 Wände, den letzten Ort, wo man in der Familie (meistens) seine Ruhe vor dem Staat hatte. Man hat sich wie gesagt so gut wie möglich arrangiert, sich gegenseitig ausgeholfen, wenn etwas fehlte. Aber nicht alle lebten so "unbeschwert". Es gab immer Menschen, die sich mit dem System nicht abfinden konnten und die immer und immer wieder mit ihm in Konflikt gerieten, die pausenlos bespitzelt und gegängelt und ihres Lebens nicht froh wurden. Selbst schuld? Manchmal hatte man allein schon das "Pech", als Kind einer Person auf die Welt zu kommen, die dem System bereits unangenehm aufgefallen war..
Eine kurze Geschichte dazu: Der Lebensgefährte meiner Mutter wurde als sohn eines Kantors geboren und hatte sich allein durch diesen Umstand bereits für den Besuch der EOS und damit für ein Studium an einer ordentlichen DDR-Uni disqualifiziert (wofür es allgemein bereits ausreicht hätte, nicht der FDJ anzugehören und / oder sich als Angehöriger der Kirche zu bekennen). Nachdem er die POS überstanden hatte, ging er an die einzige nicht-staatliche christliche Universität der DDR (ja, sowas gabs auch) nach Hermannswerder bei Potsdam, wo er Komposition studierte, da er nicht unbedingt Theologe oder Katechet werden wollte. Andere Studiengänge waren nicht erlaubt.
Nach dem Studium stellte er schliesslich einen Ausreiseantrag, was ja formal möglich war, da die DDR nicht zuletzt nach der Unterschreibung der Stockholmer Konvention seinen Bürgern grundsätzliche Menschenrechte gewährte, zu denen auch die Reisefreiheit gehörte. Nur konnte man eben bei weitem nicht so leicht ausreisen, wie heute. Man musste einen begründeten Antrag auf ständige Ausreise aus der DDR stellen und dann eine "Bearbeitungszeit" in Kauf nehmen, die leicht in die Jahre gehen konnte. In der Zwischenzeit wurde einem das Leben nach Möglichkeit zur Hölle gemacht. Man wurde einfach mal so aus der Wohnung geworfen, bekam ein Berufsverbot auferlegt, was in der DDR, wo es praktisch keine Arbeitslosigkeit und damit auch keine Arbeitslosenhilfe gab, besonders tragisch war, etc. Da war es immer noch am "einfachsten", über Ungarn abzuhauen..
Als die "Erlaubnis" endlich ankam, hatte der Lebensgefährte meiner Mutter satte 24 Stunden Zeit, das Gebiet der DDR zu verlassen und zwar so wie er war, mit lediglich etwas Handgepäck. Alles andere musste er zurücklassen und verschenkte es kurzerhand an Bekannte. Bevor er die Grenze überschreiten durfte, wurde er einem längeren Verhör unterzogen, in dem er vorallem ausführlich über Westkontakte berichten musste. Ende der 70er Jahre glücklich im "Westen" angekommen (da die BRD die DDR nicht anerkannte, war er automatisch Bundesbürger), baute er sich dort schnell ein neues Leben auf, kam allerdings nach der Wende sofort in den Osten zurück..
Ein Freund von ihm, der gleichzeitig mit ihm den Antrag gestellt hatte, war nicht so glücklich. Auf dem Weg zur DDR-Grenze wurde er nach einem Verhör wegen irgendeiner fadenscheinigen "staatsfeindlichen" Aktion eingelocht und nahm sich wenig später im Knast das Leben. So konnte es gehen, wenn man sich nicht mit dem Staat arrangiert hatte.
An die DDR-Zeit selbst habe ich zwar noch einige Erinnerungen, aber was mir vorallem lebhaft im Gedächtnis haften geblieben ist, betrifft die Erfahrungen der Wendezeit. Dazu schreibe ich später etwas, das wird mir jetzt zuviel.![]()







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