Ich bin kein begnadeter Rezensions-Schreiber, daher hier nur ein paar ungeordnete und hochgradig subjektive Eindrücke vom Film (vor Spoilern sei gewarnt):
Wolfgang Petersen's "Troja" wird mir nicht lange in Erinnerung bleiben. Der Film hat leider absolut nichts an sich, was in irgendeiner Form herausragend oder nur bemerkenswert wäre. Man kann sich beim Schauen öfters des Gefühles nicht erwehren, in einem Film zu sitzen, den man eigentlich schon kennt. Ein bisschen Herr-der-Ringe-Optik in den nächtlichen Schlachtszenen, ein bisschen Gladiator-Feeling, unendlich viele pathetische Dialoge, zum Teil nah an oder im Falle von Orlando Bloom als "Paris" und Diane Kruger als "Helena" auch mal weit jenseits der Schmerzgrenze. Positiv aufgefallen sind mir die Props und Kostüme, mit denen man sich sichtlich Mühe gegegeben hat. Inwieweit sie historisch akkurat sind, kann ich nicht beurteilen, das ist mir auch ziemlich egal - genauso wie die Tatsache, dass der Film mit Homer's Ilias nicht viel mehr als den groben Handlungsrahmen gemeinsam hat - es sieht gut aus, macht Sinn und gefällt.
Die Kampfszenen sind zu wirr und hängen sich immer wieder in hektischst geschnittenen und mäßig choreographierten Nahkampfszenen auf, die nur unterbrochen werden, wenn sich zwei "Helden" zufällig begegnen und die kämpfende Meute natürlich sofort Platz für das Duell macht - oder irgendeiner der Führer zum Rückzug blasen lässt. Ganz gut gelungen ist das Duell zwischen Hektor und Achilles, wobei man sich hier fragt, warum bei solchen Gelegenheiten *immer* der letztendlich Unterlegene hirnlos angreift, auch wenn er schon schwer verwundet ist, während der spätere Sieger ruhig und defensiv dasteht und alles pariert. Für FSK-12-Verhältnisse war insgesamt während des Filmes doch recht viel zu sehen (durchgeschnittene Kehle mit pulsierend herausschwappendem Blut, Speere in Köpfen, ein klitzekleines bisschen Nacktheit..). Was da noch für die FSK-12-Version geschnitten wurde ist mir persönlich bei *diesem* Film ziemlich egal (Ich weiss, es geht ums Prinzip... mir ging es hier vorallem um angenehme Abendunterhaltung, 2 geschnittene Minuten hin oder her).
Die Musikalische Untermalung fand ich ziemlich nervig, weil penetrant. Übertrieben pathetischer Orchesterbombast in den Schlachtszenen und immer wieder diese möchtegernmelancholische und dezent orientalisch angehauchte Frauenstimme mit den immergleichen Motiven.
Was den Cast angeht, maße ich mir an, von ein paar ziemlich deutlichen Fehlbesetzungen zu sprechen. Besonders Orlando Bloom als "Paris" enttäuscht gnadenlos. Seine Dialoge mit der nicht minder schwachen Diane Kruger sind in ihrer Pathetik oft unfreiwillig komisch, dabei völlig kraftlos und von schauspielerischer Null-Leistung begleitet. Herausragender Paris-Moment ist das Abknallen von Achilles gegen Ende des Films mit dem patentierten MG-Bogen ("Legolas!"-Rufe im Publikum). Beim Blondchen Helena frage ich mich auch immer wieder, wie ihr Makeup in die Zeit passt...
Schwach weil farblos fand ich auch Eric Bana als Hector. Gefallen hat mir hingegen Peter O'Toole als "Priamos" und - ich staune selbst - Brad Pitt als Anti-Held-"Achilles", der im Film so etwas wie die Hauptrolle inne hat und diese gut ausfüllt.
Insgesamt wurde ich durch "Toja" ziemlich enttäuscht, was zu einem gewissen Teil aber auch meinen hohen Erwartungen vor dem Film geschuldet ist. Unterhaltsam-Seichtes Popkornkino im historischen Gewand bietet der Film allemal.







Zitieren
Als Lesezeichen weiterleiten