Nuja... vielleicht wäre hier jetzt erstmal eine dicke SPOILERWARNUNG angebracht.
Als größtes Plus wären da wohl die wirklich beeindruckenden Schlachtszenen, auch wenn die vor HdR sicherlich noch beeindruckender gewesen wären. Hektor vs. Achilles gehört wohl mit zum Besten, was in den letzten Jahren an Kämpfen zu sehen war – woah! Hundertmal besser als das komische Matrix-Duell.
Auch viele der Orte und Szenen (sämtliche Trojaszenen, die Ebene vor der Stadt, das Treffen von Priamos und Achilles) hatte ich mir fast genauso vorgestellt, als ich die Sagen gelesen habe. Die meisten Rollen waren wirklich gut besetzt. Brad Pitt als Achilles funktionierte besser, als ich befürchtet hatte, Eric Bana hat aus Hektor einen der wenigen sympathischen, weil halbwegs vernünftigen Charaktere gemacht und selbst Orlando Bloom hat mich als memmenhafter Paris überzeugt.
Über Helena möchte ich da nicht weiter sprechen... Wär vielleicht kein Fehler gewesen, ne ausgebildete Schauspielerin zu engagieren.
A propos Helena, kommen wir zum Negativen:
1) HdR, wie cornholio schon sagte. Die Achilles-Sterbeszene am Schluss hat mich dermaßen an das „Stehaufmännchen“ Boromir erinnert, dass ich mir gerade noch so das Lachen verkneifen konnte, während das halbe Kino am Schluchzen war. Überhaupt stimmte für mich keine einzige der emotionalen Szenen im Film; vielleicht lag’s ja wirklich am nervenden Jammer-Soundtrack.
2) Die Story. Da hat wohl jemand die „Ilias“ kurz überflogen, sich davon „inspirieren“ lassen (siehe Abspann) bzw. alle Namen rausgeschrieben und diese dann in einer allenfalls Ilias-ähnlichen Geschichte verwurstet. Gut, das war zu erwarten. Aber trotzdem war es ärgerlich mit anzusehen, dass außer Hektor und Priamos kein einziger Charakter das ihm im Original zugedachte Schicksal fand bzw. zum richtigen Zeitpunkt das Zeitliche segnete.
Und noch was zum Thema Zeit: Der trojanische Krieg dauerte eigentlich zehn Jahre und nicht zwanzig Tage...
3) Menelaos und Agamemnon. Was bitte war das?? Mit Petersens Interpretation als machtgeile kleine Diktatoren könnte ich mich ja noch anfreunden, aber die Darstellung der beiden war schon lächerlich (oder wie so treffend von meiner Mit-Kinogängerin beschrieben: eine Kreuzung aus Gimli und Klingonen).
Auch hier wieder ärgerlich: im Original sterben die beiden gar nicht, sondern haben noch wichtige Plätze in der griechischen Sagenwelt.
4) Die Mythologie, bzw. das Weglassen jeglicher Mythologie. Das Einbringen der Götter wäre zugegebenermaßen schwierig gewesen, aber dann wären uns so dumme Szenen wie Menelaos’ Tod oder die „Achillesferse“ erspart geblieben.
Fazit: Petersen hatte eine schwierige Aufgabe und hat in die Ausführung so einige grobe Schnitzer reingehauen. Das Ergebnis ist zwar nett anzuschauen, visuell sogar durchweg gelungen, aber die Abweichungen vom Original sind ebenso ärgerlich wie den trojanischen Krieg praktisch allein auf die antike Rambo-Einmannarmee Achilles zu reduzieren.
Wie so oft kann man auch hier nur sagen: Das Buch ist besser als der Film...
7 von 10






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