Endlich bin auch dazu gekommen Kill Bill anzuschauen. Am besten widme ich mich erstmal den vorherigen Beiträgen (teilweise lange zurückliegend):

Der von uns gegangene (?) Loser:
Kill / Bill wird alles andere als ein Blockbuster. Miramax kann froh sein wenn sie die 55. Mio wieder reinbekommen. Soweit ich das weiß hat Pulp Fiction zwar satte 200 Mio. eingespielt, Jacky Brown aber nur irgendwas über 50. Und wenn dann stimmen sollte was man so liest, zeigen die meisten Kinos in den USA den Film eh nicht (Stichwort: Gewalt).
Kurzer Blick zu boxofficemojo.com
Kill Bill 1: $70,007,548 + Overseas Gross: $109,460,000 = 179 Mio. $
Kill Bill 2: $46,795,583 (Estimate) + Overseas Gross: $23,700,000 = 70 Mio. $
Die Daten sind vom 29. April. Imho ist abzusehen, das KB2 eher weniger einspielt als sein Vorgänger, aber 100 Mio. % sollten drin sein.
In anderen Threads (u.a. bzgl. Herr der Ringe und Star Trek X) las ich, dass allgemein gesagt wird, man müsse das 3fache der Kosten einspielen, um Geld zu verdienen als Studio (KB1: 55 Mio $; KB2: 60 Mi. &#036. Die Kinoeinnahmen werden als nicht ganz ausreichen, aber mit DVD und sonstigem Marketing sollte Kill Bill definitiv erfolgreich sein.


Der Bademeister:
Die Zweiteilung war aber ursprünglich auch nicht geplant. Irgendwann kam der Herr T. und seine Firma M. halt darauf, das man mit 2x 90 Min mehr Geld machen kann als mit 1x 120-150 Minuten.
Es waren 1x110 und 1x120 Minuten, letzteres konntest du zu dem Zeitpunkt natürlich nicht wissen.


Du sagst es selber, die Handlung ist dünn, quasi nicht vorhanden.
Dialoge finden sich z.B. in KB I fast gar nicht.
Deswegen wird KB auch nie an einen Meilenstein wie Pulp Fiction herankommen, da dieser eben nicht nur stilistisch brilliant war (was KB zweifellos auch ist - siehe die Anime Sequenz in der Mitte des Films), sondern auch einfach jede Menge wunderbar schräge Dialoge zu bieten hatte.
Deinen Beobachtungen stimme ich ausnahmslos zu, nur den Schluss, den du daraus ziehst, kann ich nicht teilen. KB1 hat mich gelehrt nicht vorschnell zu urteilen und eventuell hättest du diese Lehre ebenfalls ziehen sollen.


Rainer:
"Kill Bill" ist ein Film, den die Kritiker zerrissen hätten, wenn, sagen wir, John Mostow oder Roland Emmerich Regie geführt hätten und Arnold Schwarzenegger oder Mel Gibson die Rolle von Thurman inne gehabt hätten.
John Mostow kenne ich nicht. Von Roland Emmerich kenne ich lediglich Independance Day und Teile von Godzilla. Spätestens die erste Minute nach dem Intro in KB1, die eine grellbunte Plastik-Vorstadtästhetik à la Tim Burtons Edward Scissorhands (Edward mit den Scherenhänden) präsentiert, dürfte offensichtlich sein, dass Roland Emmerich nicht in der Lage ist oder nicht den Willen dazu hat einen Film wie KB1 zu drehen. Die restlichen 105 Minuten bestätigen meine Ansicht unzählige Male, oder nicht?
Das Uma Thurman die Hauptrolle hat und nicht Arnold Schwarzenegger ist - wie Alucard schon sagte - ein wichtiger Bestandteil des Films. Ein what if-Szenario darauf aufzubauen, diesen Bestandteil ausser acht zu lassen, kann meines Erachtens kaum dazu führen eine sinnvolle Aussage zum Film zu machen.

Aber der Film ist ja von Tarantino. Da muss er ja ein Meisterwerk sein, auch wenn er nüchtern betrachtet saudoof ist.
Wenn du mit nüchtern betrachtet, objektiv betrachtet meinst, so muss ich anmerken das jegliche objektive Betrachtung eine Illusion ist, der man sich zwar nähern kann, die man aber niemals erreichen wird. Saudoof und Meisterwerk schließt sich meines Erachtens nicht aus.


Dann kann ich endlich auch mal zum eigentlichen Thema kommen, Kill Bill. Gesehen habe ich vor zwei Tagen den ersten Teil auf DVD, in einem Mittelgroßen Fernseher (also nicht die besten Vorraussetzungen...) und den zweiten Teil eine Stunde später im Kino.

Kill Bill ist offensichtlich Quentin Tarantinos erster Versuch einen wirklich epischen Film zu machen, den man nachher als sein Meisterwerk titulieren könnte. Das gelingt ihm allerdings nur teilweise. Der entscheidende Grund für das Nicht-Gelingen ist ebenfalls eines der größten Stärken von Kill Bill: Die Teilung.
Ich bin sehr sicher, dass, entgegen seiner eigenen späteren Aussage Tarantino die Teilung nicht beabsichtigt hat. Damit ist es das einzige oder zumindest das prägendste Merkmal in diesem außergewöhnlichen Werk, was nicht komplett unter seiner Kontrolle steht. Er musste auf die Teilung reagieren.
Und das macht er eigentlich sehr hervorragend.
Wie unterschiedlich können zwei Teile eines Films sein? Star Wars-Fans heben gerne hervor, dass die originale Trilogie so sehr zusammenpasst, das sie wie ein einheitliches Ganzes wirkt, ein wenig wie ein einziger langer Film. Kill Bill versucht offensichtlich das Gegenteil.
Der erste Teil ist ein überdrehtes Splatterfestival mit einer Minimalhandlung und extrem reduzierten Dialogen. Zusammengehalten wird der in Episoden, die visuell, erzähltechnisch und dramaturgisch extrem vielfältig sind, erzählte Film lediglich von der Ästhetisierung und dem Humor der Gewaltszenen. Höhepunkte sind, neben den immer neuen visuellen Einfällen, die Anime-Episode im Mittelteil und der Kampf am Ende.
Der zweite Teil gibt seinen Charakteren Leben. Während über die Braut in Teil 1 eigentlich so gut wie nichts bekannt war, wird sie hier zum Menschen mit wirklichem Hintergrund. Selbst die Gegner, die in Teil 1 eher überdrehte clichés (Go-Go und Lucy Liu...) oder gar nichts (Die Frau, die am Anfang getötet wird) waren, bekommen einen wirklichen Charakter (Bill und Bud).
[Das Bill im ersten Teil gar nicht zu sehen war, ist ebenfalls Resultat der aufgezwungenen Teilung und funktioniert sehr gut.]
Der erste Teil ist also eine visuell atemberaubende und sehr einfallsreiche Gewaltorgie, der zweite ein brutales Drama mit sehr glaubwürdigen Charakteren.
Warum ich dennoch ein Problem mit der Zweiteilung von Kill Bill habe, ist einfach zu erklären: Es überfordert den Zuschauer.
Quentin Tarantino packt in sein Werk so viel Humor, Trauer, Freude und Gewalt, dass man nicht schnell genug hinterkommt. Vor allem im zweiten Teil fragt man sich: Soll ich jetzt lachen oder weinen? Er versucht gewissermaßen die Coolness von Pulp Fiction mit den Emotionen von Jackie Brown zu kreuzen. Dabei will er aber keinerlei Abstriche in einem der beiden Aspekte machen.
Tarantino spielt mit den Erwartungen der Zuschauer. Allein der erste Teil bot genug Überraschungen für mehrere Filme, der zweite Teil dagegen ist eine einzige Überraschung. Für mich ist das manchmal zu viel gewesen, die Übergänge waren zu schnell.
Der Fariness halber muss ich allerdings auch sagen, dass ich kein Tarantino-Fan bin. Er ist sicherlich nicht seit Pulp Fiction der der überbewerteste Regisseur aller Zeiten, wie Kaff meinte. Wer gute Filme macht, kann nicht überbewertet sein, denn selbst wenn er es wäre, wäre es gut, denn es würde Menschen dazu bringen seine guten Filme zu sehen und was will man schließlich mehr? Pulp Fiction war definitiv ein guter Film, vor allem zur richtigen Zeit. Jackie Brown war ein verdammt guter Film, leider zur falschen Zeit und gegen die falschen Erwartungen.
Kill Bill ist ein genialer Film, leider mit Schwächen. Einzeln sind die Teile bei weitem nicht so gut, wie zusammen genommen, obwohl man sie durchaus einzeln anschauen kann. Als einziges Werk gesehen ist er brillant, an genialen Ideen eines wirklich fähigen und vor allem einfallsreichen Regisseurs überbordend. Nur manchmal beinhaltet er einfach zu viel von Quentin Tarantinos Ideen.
[Reservoir Dogs habe ich nicht gesehen. From Dusk Till Dawn betrachte ich nicht als Tarantino-Film, gefällt mir aber allgemein wirklich gut.]