Schönes Thema!

Wenn du in deinem Tagebuch auch so viel schreibst, wie in deinen Postings, kann ich mir vorstellen, dass dir danach die Hand weh tut.

Vielleicht sollte man Altes einfach begraben lassen.
Fällt sehr sehr schwer, ich weiss..

Aber auch wenn man jemand wie ich ist, dem das Loslassen Probleme bereitet - Werte und Bezugspunkte ändern sich zwangsläufig im Laufe des Lebens (Wäre schlimm, wenn nicht&#33. Es kann jede Menge Spass machen, dann rückblickend im Tagebuch nachzulesen, was einen früher (vor Jaaaahren) so alles beschäftigt, gefoltert, amüsiert hat. Manchmal ist es auch einfach befreiend, über etwas lachen zu können, was einem früher eher mit sehr nachhaltig gegenteiligen Gefühlen verband. Man kann darüber lachen oder die Hände vor dem Kopf zusammenschlagen, wie dumm man sich doch manchmal angestellt hat (Frauen&#33 und aus der Feststellung (bzw. Hoffnung), dass man inzwischen etwas gelernt hat, Selbstvertrauen schöpfen. Man kann auch nachlesen, wie sich Dinge langsam entwickelt haben, wie sie ihren kleinen bescheidenen Anfang fanden und später zu etwas grösserem reiften.

Tagebuch ist etwas wunderbares. Ein Erfahrungsschatz, ein Hort unfreiwilliger Komik, in dem sehr viele verschiedene Gefühle stecken, die man aus der Distanz nachklingen lassen kann.

Als Alternative hab ich mir überlegt über Word auf dem PC ein Tagebuch führen.
Aber das hat doch keinen Stil oder?
Nope, das hat keinen Stil. Ich will nicht sagen, dass meine Lösung Stil hat, aber das kitschige "Mein Tagebuch" mit Diddl-Cover, was mir meine kleine Schwester mal geschenkt hat, verschmähe ich konsequent (auch wenn es vielleicht Stil hat *g*). Bei mir ist das ein schlichter Papierblock, der im Laufe der Zeit zu einer zerfledderten Ansammlung loser und knittriger (aber durchnumerierter&#33 Seiten mutiert ist, auf denen kreuz und quer krakelige fast unlesbare Buchstaben in scheinbar wirrer Anordnung verteilt sind. Durchnumeriert deshalb, weil mir das ganze auch schon runtergefallen ist, wobei sich die einzelnen Blätter getreu Murphy in grösstmöglichem Abstand zueinander im Raum verteilt haben.

Tagebuch hat einen weiteren Vorteil (gegenüber Computergestützter Schreiberei): Man ist spontaner und ver(sch)wendet wesentlich weniger knappe Hirnkapazität, um darüber nachzugrübeln, *wie* man schreibt, sondern sprudelt einfach, ohne Gedanken an Satzbau und Wortwahl zu verschwenden darauf los (Fire And Forget sozusagen - es liest ja eh keiner ). Man kann auch schwerlich wie am Computer im Nachhinein das Geschriebene noch 57 Mal editieren, zerpflücken, neu zusammenpuzzeln, wie ich es gerade bei diesem Satz wieder völlig unnötigerweise getan habe.. (grrrrrr).

Eine ziemlich witzige Idee ist übrigens auch ein Sprachlog. Ich kann mich heute noch darüber krank lachen, was ich damals für einen Mist ins Mikro gelabert habe, als ich als glücklicher ZweiMarkFuffzig-Neu-Mikrofonbesitzer damit rumexperimentiert habe.
Sprachlogs mit Situationskomik kennt ihr ja... "I ended up on this ship... this living ship, populated by escaping prisoners... who became my friends. I made enemies... Not now, you son-of-a-bitch!" *g*

Kann ich heute für den gestrigen Tag schreiben?
My... Du kannst doch schreiben, wie dir gerade der Bart gewachsen ist.

Ich selbst schreibe heute nur noch selten Tagebuch, zur Zeit wieder etwas öfter.. Das ganze dient eigentlich nur der Selbstreflexion und Verarbeitung von gerade aktuellen Problemen (selten positiven Dingen, das gibt zu denken... *g*). Und natürlich habe ich nicht jeden Tag Bock dazu. Ich schreibe eher einmal im Monat etwas, dann auch ab und an etwas mehr, habe als Mann auch naturgemäss mit meiner Greifhand weniger Probleme.

Weblogs wären mir zu extrovertiert. Dafür fühle ich mich nicht "wichtig" genug. Tagebuch ist für mich etwas privates, was auch niemand ausser mir selbst liest.

Natürlich ersetzt das Tagebuch nicht die *wirklichen* Freunde, Gesprächspartner, mit denen man sich über alles auslassen kann, was sich so in den Schützengräben der Seele verschanzt hält. So jemand braucht jeder Mensch, sonst bekommt er früher oder später in den Innenwänden seines Hirnes Raumangst.