Ich denke mal, daß niemand ganz neidfrei durchs Leben kommt und es sich um eine ganz normale Emotion handelt, die auch zwischen Freunden auftritt. Nur wenn das eigene Leben rundum sorgenfrei und zufriedenstellend ist, kann Neid nicht aufkommen. Aber bei wem ist das schon der Fall? Irgendwas läuft doch immer mal daneben. Solange es nicht in Mißgunst umschlägt, ist es m. E. auch o.k., wenn man ab und an mal das Gefühl von Neid verspürt.

Meine beste Freundin ist seit mehr als zwei Jahren arbeitslos und sie ist sicher neidisch, daß ich einen Job habe. D.h. aber ja nicht, daß sie mir es mißgönnt, einen Job zu haben. Deshalb beeinträchtigt das auch nicht unsere Freundschaft.

Ich denke mal, daß man sich selber klar machen muß, warum man in einer konkreten Situation Neid verspürt und dann bei sich selber ansetzen sollte, um das empfundene "Defizit" (sorry, ein anderes Wort fällt mir jetzt nicht ein) zu korrigieren oder sich damit abzufinden.

Beispiel: eine frühere Freundin von mir ist ein absolutes Sprachengenie. Ein zweimonatiger Aufenthalt in einem Land reicht i.d.R. aus, daß sie die Landessprache fließend in Wort und Schrift beherrscht. Und ehrlich gesagt, war ich früher darauf schon ab und zu etwas neidisch. Nur fehlt mir diese Fähigkeit halt. Für mich ist das mittlerweile auch o.k., denn ich versuche wenigstens mein Englisch stetig zu verbessern und meine versprengten Französisch-Kenntnisse auf Überlebensniveau zu halten. Dafür habe ich halt andere Fähigkeiten, die sie nicht hat. Wozu also noch neidisch sein?

Übel finde ich nur Leute, die objektiv gesehen eigentlich ganz gut dastehen, aber immer andere um einen noch besseren Job, noch besseres Gehalt, noch größeres Haus, noch schnelleres Auto etc. beneiden und ständig darüber lamentieren, wie gut es die Anderen haben.