Hier ist endlich die endgültige Version meiner Zugfahrtsgeschichte. Lest sie euch bitte durch, denn ich bin der Meinung das zu der vorhergehenden einiges noch hinzugekommen ist.

Zwischenstation

„Wir bitten um ihr Verständnis.“ Endete die Durchsage. Nicht schon wieder dachte ich. Jedes Mal, wenn ich unterwegs war, gab es auf der Strecke Hof-Leipzig aus den verschiedensten Gründen Verspätungen. Dieses mal war es eine betriebstechnische Störung, weswegen die Lok nur eine Höchstgeschwindigkeit von 80 km/h erreichen konnte. Aus diesem Grunde würde Leipzig erst eine Stunde später, als veranschlagt erreicht werden. Nun gingen mir, wie wohl auch anderen Fahrgästen, weniger schmeichelhafte Bezeichnungen durch den Kopf, was mich die Bahn alles konnte. Aber ändern konnte man daran nun auch nichts mehr. Also musste ich das beste aus dieser Situation machen.

Die Gelegenheit bekam ich auch bald. Nach dem zweiten Halt wurde eine Vierersitzgruppe komplett frei. Ich siedelte daher von meiner Doppelsitzgruppe um, zog meine Schuhe aus, macht es mir auf einer Bank bequem, nahm meine Musik und schaute aus dem Fenster. Als bald wiegte mich das Schaukeln des Zuges und das Rattern der Räder auf den Schienen in einen sanften Schlaf.


„Du Musst.“ Der verärgerte Ausruf einer Frau riss mich aus meinem Schlummer. Den Nebel des leichten Schlafes abschüttelnd blickte ich mich um, und bemerkte, dass die Frau gegenüber auf der anderen Vierersitzgruppe saß und ihr gegenüber ein junger Mann. Mein erster Gedanke war, eine reiche Frau mit ihrem Liebhaber. Aber dann würden sie sich nicht so öffentlich zeigen. Vorsichtig rieb ich mir den Schlaf aus den Augen, die Musik hatte bereits vor einiger Zeit aufgehört. Sicher waren es Mutter und Sohn, dachte ich dann folgerichtig. Der Sohn, ich hoffte inständig das es ihr Sohn war, hatte fantastische blaue Augen. Ich mochte blaue Augen, die so hell waren das sie einem regelrecht anstrahlten. Und dann seine flachsblonden Haare, die modisch geschnitten waren und doch so natürlich lagen. Noch jetzt, da die Geschehnisse länger zurück liegen ist es für mich kaum begreifbar, dass ich in diesem Moment, dem Phänomen der <<Liebe auf dem ersten Blick>> erlegen war. Ihm war es dabei nicht anders ergangen, behauptet er immer wieder.

Dank meiner liegenden Position konnte ich seine Mutter nicht so gut einsehen. da sie ein wenig verdeckt war. Ich hütete mich davor mich aufzusetzen um sie genauer in Augenschein zu nehmen. So gab ich vor weiterhin Musik zu hören.

„Gar nichts muss ich Mutter.“ Erwiderte der Blauäugige Mann bedächtig und mir rieselte es, wegen seiner weichen und doch bestimmten Stimme , angenehm den Rücken herunter. Nebenbei fiel mir auf, das Beide modische Kleidung von ausgesuchter Qualität trugen und sich zumindest um Geld keine allzu großen Sorgen zu machen brauchten. Wenn ich da an mich dachte... Nun ja von ausgesuchter Qualität war sie nicht, wohl eher von leidlicher. Zudem trug ich eher ungern wirklich die neuesten Modetrends. Ich nannte meinen Kleidungsstil zeitlos. So wie jetzt auch, ich trug eine bequeme Cordhose mit leichtem Schlag und eine leicht figurbetonte sandfarbene Bluse. Auch meine Haare sahen äußerst selten einen Friseur und wenn dann nur einen günstigen der mir die Spitzen schnitt. Momentan trug ich sie in etwa schulterlang, von vorn nach hinten durchgestuft.

„Aber die Kinder meiner Freundinnen sind bereits alle verheiratet. Und einige erwarten gar ihr erstes Enkelkind.“ Damit hatte die Frau ihren Standpunkt klar gemacht. sit schoss die Röte in den Kopf als ich mir unweigerlich vorstellen musste, daß ich mit ihm ... aber es blieb nur bei der Vorstellung und ich dachte nie im ernst daran das dies wirklich passieren könnte.

„Tut mir leid Mutter, aber da zieh ich nicht mit.“ Damit schwieg der junge Mann, als sähe er das Thema als beendet an. Jetzt erst bemerkten sie wie still es im Großraumwagen war. Der Sohn lächelte bereits entschuldigend die Fahrgäste an. Unweigerlich musste er auch mich ansehen. Und sein Blick an mir haften und gewahrte mit Sicherheit meinen Kopf, der sich erst jetzt von der Röte erholte. Sein Lächeln erstarb kurz auf seinen Lippen, nur um in einer anderen Intensität wieder zu erscheinen. Dieses Lächeln brachte mein Herz in einer Weise zum klopfen wie ich es noch nicht erlebt hatte und ich blickt sofort aus dem Fenster. Nur um nicht zu zeigen wie sehr mich sein Lächeln aus der Bahn warf.

„Komm Josef. Hier kann man keine vernünftige Unterhaltung führen, ohne das man Zuhörer hat.“ brummte die Mutter angespannt und vorwurfsvoll, so dass es alle Betroffenen vernehmen konnten.

„Geh ruhig Mutter. Ich finde es hier sehr interessant.“ Wobei seine Augen immer wieder in meine Richtung schauten. Ich spürte es regelrecht im Rücken, dennoch schaute ich weiterhin betont interessiert aus dem Fenster. Außerdem hatte ich ja noch Kopfhörer auf.

„Unser Gespräch ist noch nicht zu Ende.“ Die Frau erhob sich und wollte Richtung 1. Klasse gehen, als ein besonders heftiger Schlenker des Zuges, ihr Gleichgewicht durcheinander brachte. Es hätte für diese stolze Frau sehr peinlich sein können, wäre sie hingefallen, doch sie blieb stehen. Den Rock glatt streichend, sich kurz durch das rötlich getönte Haar streichend, stöckelte sie dann Richtung erste Klasse. Ich kam nicht umhin sie ein wenig zu bewundern und mich ein wenig plump zu fühlen. Denn ich war nicht rank und schlank, wie so viele Frauen, die das Titelblatt der verschiedenen Zeitschriften schmückten, sondern... Mmmh ich würde es als griffig und kompakt beschreiben.


„Hallo.“ sprach der Blauäugige mich direkt an. Nachdem seine Mutter endgültig aus unserem Wagen verschwunden war und selbst ihre Aura nicht mehr zu spüren war.

„Hallo.“ Gab ich zurück und war nun gezwungen Kopfhörer abzunehmen und mich vom Fenster loszueisen. Außerdem fiel es mir sehr schwer ihn direkt anzusehen. Doch die Höflichkeit gebot es nun einmal das man seinen Gesprächspartner direkt ansah.

„Entschuldige bitte falls meine Mutter dich geweckt hat.“ Mir wurde heiß um die Ohren. Er hatte mich schlafend gesehen. Hoffentlich habe ich nicht gesabbert!

„Ähm... Ist schon okay.“ Druckste ich nur herum. Verdammt sonst war ich doch nicht um Worte verlegen. Ich konnte meinen Gegenüber. wenn ich es darauf anlegte in Grund und Boden reden.

„Darf ich?“ Mit einem Kopfnicken, gab mir mein männliches Gegenüber zu verstehen, das er sich zu mir setzten wollte.

„Nein.“ Antwortete ich zögernd und dann geschah etwas äußerst seltsames. Er warf mir einen bestimmten Blick zu. Dieser Blick sagte das er genau wisse, wie rasend gern ich es hätte, dass er sich zu mir setzte. Daher setzte er sich auch über meinen Nein hinweg und siedelte kurzerhand zu mir über. Ich war derart verblüfft, über sein dreistes Verhalten, dass ich nicht widersprechen konnte.

„Äh... Ich sollte mich auch entschuldigen, das ich so hinüber gestarrt habe. So etwas ist ja unhöflich, ich meine Menschen anstarren.“ stammelte ich hervor, bevor dieser außerordentlich attraktiver Mann, noch einen Ton sagen konnte. Dieser lehnte sich zurück und schien mit seiner Antwort zu warten, während er mich beobachtete wie ich mich wieder vernünftig hin setzte. Jetzt da ich normal saß und auch meine Schuhe wieder trug, fiel mir auf das recht leger gekleidet war. Jeans und ein Sweatshirt. Doch sie konnten seinen Körper nicht verbergen. Er war wie ein Schrank, so gerade war er gebaut. Dieser Josef gefiel mir immer besser.

„Schade, dabei dachte ich du hättest dich in meine Augen verliebt.“ Witzelte er. Ich wagte es gar nicht zu ihm zu schauen, sicher umspielten seine Lippen ein verschmitztes Lächeln. Aber ich fand ihn sympathisch. Er wollte mich wohl näher kennen lernen, doch dazu brauchte es mehr als solch einen unverschämten Flirtversuch.