EVOLUTIONSLEHRE IN ITALIEN
Darwin darf wieder in die Schulen
Massive Proteste von Nobelpreisträgern und italienischen Bürgern bringen die Evolutionslehre zurück auf die Lehrpläne. Was Italiens Schüler über Darwins Geschichte der Arten lernen, entscheiden künftig die Lehrer und einige Nobelpreisträger.
Binnen weniger Tage unterschrieben mehr als 50.000 Menschen einen Appell, den die Zeitung "La Repubblica" veröffentlicht hatte. Namhafte Wissenschaftler und mehrere Nobelpreisträger protestierten darin gegen den "Schaden für die wissenschaftliche Kultur". Sie forderten die italienische Bildungsministerin auf, die Lehrpläne für die Schulen zu überarbeiten.
Auslöser war eine neue Verwaltungsvorschrift zu den Lehrinhalten gewesen, in der die Themenbereiche "Erscheinen des Lebens auf der Erde" oder "Ursprung und biologische Evolution des Menschen" einfach fehlten. Zwölfjährige würden solch komplexe Materie noch nicht verstehen, hatte das Ministerium lapidar erklärt.
Nun will Bildungsministerin Letizia Moratti von alldem nichts mehr wissen. Sie bestreitet, dass ihr Ministerium die Evolutionstheorien von den Lehrplänen ausgeschlossen hätte. "Die Diskussion der darwinistischen Theorien ist für alle Kinder von sechs bis achtzehn Jahren garantiert", gab Moratti bekannt. Es werde keine festen Programme mehr geben, sondern Empfehlungen und Grundprinzipien, erklärte Letizia Moratti ihre Schulreform. "Den Lehrern wird die Freiheit gelassen, die Lehrpläne an das Umfeld und die Leistungen der Schüler anzupassen."
Die Grundprinzipien für die Evolutionslehre an Schulen soll eine extra eingerichtete Kommission ausarbeiten. Den Vorsitz hat Rita Levi Montalcini, 95-jährige Nobelpreisträgerin für Medizin. Ihr zur Seite stehen weitere Wissenschaftler, darunter Physiknobelpreisträger Carlo Rubbia, der die Idee eines Verbrennungsofens für Atommüll entwickelt hat.
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