Johnny Got His Gun
Dalton Trumbo war ein erfolgreicher Drehbuchautor, so stammten Streifen wie Kubricks Spartacus oder auch Papillon aus seiner Feder. Seine Karriere litt aber darunter, daß er während der McCarthy-Ära auf der Blacklist stand und auch zehn Monate im Knast saß. Daher hat er bei nur einem einzigen Film Regie geführt, Johnny Got His Gun von 1971.
Die Story: Am letzten Tag des ersten Weltkriegs tritt der junge Soldat Joe auf eine Mine. Er verliert Arme, Beine, Augen und die Fähigkeit zu hören, sprechen oder riechen. Er liegt in einem Krankenhaus, und alle Ärzte denken, daß er nicht mehr fähig ist zu denken. Doch mitnichten. Wir hören Joes Gedanken, sehen seine (nicht chronologischen) Erinnerungen und seine Träume. Während er daliegt, erfahren wir, wer er war und was ihn ausmacht. Langsam wird er sich seiner Situation bewußt, und versucht, mit der Außenwelt Kontakt aufzunehmen.
Selten habe ich einen depremierenderen Anti-Kriegsfilm gesehen, aber auch selten einen, der seine Message klarer und mit mehr Power rüberbrachte. Ich war erschüttert und angerührt.
Die Technik des Films weiß auch zu überzeugen. Sobald wir uns in Joes Gedankenwelt befinden, erstrahlt alles im Farbglanz, aber die Szenen im Krankenhaus sind nicht nur Schwarz-Weiß, sondern wirken genauso düster und klaustrophobisch wie Joes Situation.
Ständig wird der Zuschauer mit surrealen Bildern konfrontiert. Dazu gehören ein Kartenspiel an Bord eines Zuges, an dem Jesus teilnimmt (gespielt von Donald Sutherland), aber auch die erste und letzte Nacht Joes mit seiner Freundin, die mehr als nur etwas merkwürdig wirkt. Die Grenzen zwischen realen Erinnerungen und wirren Träumen verschwimmen, so daß der Film immer mehr wie ein Fiebertraum wirkt.
Der Film ist sträflicherweise extrem unbekannt, aber die Bilder des Films könnten manchen von Euch bekannt vorkommen, wurden sie doch in Metallicas Musikvideo One verwendet.
Falls Ihr den ultimativen 70s-Underground-Antikriegs-Film sucht, hier ist er.
(Den Film gibt es nur in Frankreich und Großbritannien auf DVD. Letztere Version ist vorzuziehen, letzten Monat erschienen und vergleichsweise günstig.)





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