The Man from La Mancha
Terry Gilliam hat mal wieder zugeschlagen. Nach Filmen wie Time Bandits, Brazil oder 12 Monkeys, allesamt gleichermaßen witzig, düster und surreal, kam The Man from La Mancha.
Johnny Depp spielt einen ahnugslosen Mann unserer Zeit, der sich plötzlich in der Haut Sancho Pansas wiederfindet, dem ewigen Begleiter von Don Quichote, der seinerseits ja gegen seine eigenen Illusionen und Träume kämpft (Windmühlen sind für ihn Riesen usw.). Sozusagen ein Traum im Traum, eine Wahnvorstellung in der Wahnvorstellung, genau der richtige Stoff für Gilliam.
Warum Ihr von dem Film bisher noch nichts gehört habt? Ganz einfach: Es hat ihn nie gegeben. Es hätte ihn beinahe gegeben, aber eben auch nur beinahe.
Stattdessen empfehle ich Euch heute mal:
Lost in La Mancha
Ein Team, das eigentlich die Begleitdokumentation zu The Man from La Mancha hätte filmen sollen, war auf Schritt und Tritt dabei. Und während das Endergebnis sicher nicht so bombastisch ist, wie der eigentliche Film gewesen wäre, ist es doch einen Geheimtip wert.
Die Dokumentation schildert, wie Gilliam selbst zu Quichote wird, gegen die Windmühlen des Schicksals kämpft und kläglich scheitert. Man weiß nicht, ob man lachen oder weinen soll, soviel Unglück auf einem Haufen weckt Schadenfreude, aber ein so sympathischer Mensch wie Gilliam wird zum tragischen Helden. Man leidet mit ihm.
Dabei sah alles so gut aus! Die ganze Pre-Production und der erste Drehtag in der spanischen Steppe liefen hervorragend. Dann kamen die Düsenjäger, die unaufhörlich über dem Gelände militärische Übungen unternahmen und den ganzen Ton versauten. Den kann man zwar nachträglich neu aufnehmen, aber wer arbeitet schon gerne konzentriert unter ständigem, ohrenbetäubendem Lärm? Am nächsten Tag begann der Regen. Sintflutartig. Die Naturkulisse verwandelte sich in einen Sumpf, das Equipment konnte nur teilweise gerettet werden. Wie und wo weiterdrehen? Der Drehplan wurde umgeschmissen, und als es endlich weiterging, saß der Don-Quichote-Darsteller mit schmerzverzerrtem Gesicht auf seinem Pferd. Es wurde immer schlimmer, bis er nicht mehr arbeiten konnte und zu seinen Ärzten nach Frankreich geflogen wurde. Was jetzt, ohne Drehort, ohne Equipment und ohne Hauptdarsteller? Die Frage stellten sich auch die Investoren, die natürlich gleich auf der Matte standen und sich das Debakel ansehen wollten. Und so weiter.
Lost in La Mancha ist das Tagebuch eines Debakels. Schrecklich-schön, sehr sehenswert.
Die DVD gibt es in England und Amerika zu etwa dem selben Preis, aber die bei beiden Versionen sehr umfangreichen Extras unterscheiden sich drastisch. Eine klare Kaufempfehlung für eine der beiden Versionen kann ich daher nicht aussprechen.





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