Im Grunde ist der Film doch ein überlanger Zettel auf dem ein Haufen Fragen stehen. So etwas muss man halt mögen. Interessant find ich ja, dass es selbst im Weltraum um Kubricks scheinbar wichtigstes Thema geht. Die oft zitierte dunkle Seite des Menschen. Schon interessant das einige Regisseure eine regelrechte Obsession für ein und dasselbe Thema entwickeln. Man hat fast das Gefühl als könnten sie gar nichts anderes drehen. Und dann erst die Gefahr die besteht das der eine Film kommt wo man sich selbst zitiert und das alles so zum schlechten Witz verkommt. Ich schwanke immer zwischen Bewunderung und Mitleid.Nikita: Offen für jede Interpretation, bewusst unklar ("Wenn Sie 2001 vollständig verstanden haben, haben wir versagt. Wir wollten viel mehr Fragen stellen, als wir beantwortet haben." Zitat: Arthur C. Clarke). Man kann nur spekulieren.")
Was ich mich immer frage ist, ob der Mensch überhaupt ohne Gewalt leben kann. Interessant ist ja das sich HAL gegen die Besatzung wendet obwohl das er den Menschen doch unterstützen sollte. Ganz zu schweigen davon, dass HAL programmiert wurde logisch zu denken und so eigentlich keine Fehler machen kann, oder? Kubrick soll übrigens noch geschnitten haben damit man spekulieren darf wieso es dazu genau kommen konnte. Das ist aber irgendwie ähnlich wie mit den Affen am Anfang, die greifen auch zur Waffe um zu überleben. Oh, und dann noch dieser beliebte Frankensteinaspekt. Ihr wisst schon, von wegen Erfindung stellt sich gegen Schöpfer und so. Emanzipation halt. Vielleicht ist das ja auch der Grund warum der Bademeister Angst davor hat das ihn Frauen, wenn Frau Schwarzer sich durchsetzt, mit dem Knüppel durch die Stadt jagen.Der Knochen wird zur Waffe, irgendwann zum Sinnbild der Technik (man erinnere sich an den grandiosen Schnitt Knochen/Raumvehikel), auf die achtlos vertraut wird. Fast nichts mehr scheint technikfrei möglich zu sein.
Optimum dieser gewalten Technologie ist HAL, der Bowmans armen Kollegen ins All befördert. So geschehen der Höhepunkt der Entwicklung: Das Werkzeug (HAL) ist plötzlich der Entwickler, der Mensch nun das Werkzeug.
Das Zimmer zum Schluss, ich mag die Szene. Wenn Bowman sich im Bett liegen sieht muss man sich doch einfach die Frage nach dem Sinn des Lebens stellen, oder? Also ich habe irgendwie Mitleid mit der Gestalt in dem sterilen Raum. All der Dinge um ihn herum, machen die ihn wirklich glücklich? Vielsagend find ich ja wen er im Bett liegt und kurz vor seinem Tod der schwarze Monolithen wieder erscheint. Vielleicht ist das ja wirklich die einzige Möglichkeiten wirklich glücklich zu werden, weil dieser ganze Kram um einen herum eben dann doch unwichtig ist. Vielleicht ist die Botschaft ja nicht das wir die nächste evolutionäre Grenze so wie wir jetzt leben eben nicht erreichen können? Nicht Rückentwicklung als Reaktion. Wirkliche Freiheit durch das ominöse: sich ändern.Über Bowmans schnelles Altern: Vielleicht ein Mittel zum Zweck der Verdeutlichung? Schließlich wird er im Finale als embryonales Weltraumwesen wiedergeboren. Vielleicht eine metaphorische Botschaft: Dies passiere mit der Menschheit, sobald sie ihre nächste evolutionäre Grenze erreicht hat.
Ich glaube so ähnlich meine ich das auch. Aber wenn ich so überlege, irgendwie ist die Botschaft die ich daraus lese schrecklich naiv, oder nicht? Das steht ja irgendwie alles in bester Hippietradition. Dann würde der Drogentrip zum Schluss wohl auch ganz gut passen. Vielleicht hat Kubrick aber die Botschaft, in weiser Voraussicht auf die Zeit die noch kommt, so verpackt das einem ja nicht auffällt wie lächerlich diese Träumereien doch sind. Aber wahrscheinlich bin ich wirklich, passend zur Zeit, schrecklich zynisch.Bowman kann nichts weiter tun als sich seiner Abhängigkeit von der vermeintlich sichernden Technik zu befreien, er kehrt ohne Schutzhelm zum Raumschiff zurück und schaltet HAL ab. Zum Schluss, nach dem "Drogenrausch" erlebt er den Weltraum zum aller ersten Mal direkt und ohne Technikschnickschnack. Nochmalneugeborenerweise.
Ja ja, die ewige Frage: Was ist Unterhaltung? Ich finde 2001 seht unterhaltsam. Dokumentation find ich aber auch immer wieder recht unterhaltsam. Heute z. B. die die eine die Brain getippt hat. Und die kam sogar ohne einen dicken Amerikaner, der sich ständig ins Bild drängt, aus. Ja ja, die Welt ist schon komisch.CharNode: Noch etwas kommt dazu: Wenn ich mir einen Film ansehe, will ich auch unterhalten werden. Mal ernsthaft, mal oberflächlich, aber unterhalten. Wenn ich mir so einen Film ansehe, will ich eines nicht - eine trockene Dokumentation. Und genau diesen Charakter hat für mich 2001. Das kann man als Kompliment nehmen, andererseits aber auch als Kritik.





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