Sicher sind die Spiele im Laufe der letzten zwanzig jahre immer komplexer geworden; in jeder Hinsicht, was wohl vor allem auf die Entwicklung der technischen Möglichkeiten zurückzuführen ist. Ob die Spiele der heutigen Zeit deswegen insgesamt mehr Spaß machen, wie oft behauptet wird, möchte ich bezweifeln; ein solcher Automatismus scheint mir aus der Luft gegriffen. Insbesondere, wenn es um den - zweifellos höchst subjektiven - Spielspaß geht, besteht meiner Meinung nach kein zwingender oder gar ausschließlicher kausaler Zusammenhang zwischen Vergnügen einerseits und Komplexität und Modernität andererseits.
Viele uralte Spiele üben auf mich auch heute noch eine ungetrübte Faszination aus, die häufig aus besonders schrägen Spielideen, z.B. bei "Cave Man Ugh-Lympics" oder "Nuclear War", oder bizarren Ausgestaltungen des Spieles, z.B. bei "Shuffle Puck Cafe" oder "Moonstone" resultiert.
Auch gefällt mir bei alten Spielen oft grad die schlichte Ausgestaltung, die viel Raum läßt, Details mit der eigenen Phantasie auszugestalten, was ich persönlich lieber habe als ein bis ins letzte Detail vorgekautes und ausgestaltetes Spiel mit einer Hintergrundgeschichte, die kaum Fragen offen läßt - und somit kaum Raum für die eigene Vorstellungskraft.
Jedoch spiele ich auch genauso gern neue Spiele. Daß es heute so viele langweilige Spiele gibt, liegt wohl einfach an der Masse der Veröffentlichungen. Gute Spiele gibt es soviele wie eh und je - aber auch eben eine Masse durchschnittlichen, einfallslosen Mülls (was nicht heißen soll, daß es früher nicht auch schlechte Spiele gegeben hätte, die Gesamtmenge war lediglich überschaubarer). Das ist wohl wie bei Musik, wo manchmal beklagt wird, es "gebe heute keine gute Musik mehr", obwohl die Wahrheit wohl eher die ist, daß einfach mehr Musik produziert wird als jemals zuvor - und somit eben auch Massen von Müll.
Nach den Rosinen im Kuchen muß man heute einfach ein bißchen intensiver suchen, das ist alles.





Zitieren
Als Lesezeichen weiterleiten