Höchstwahrscheinlich werde ich viel von dem wiederholen, was die anderen vor mir schon gesagt haben, aber irgendwie muss ich meiner Enttäuschung über X-Men 3, den ich gestern gesehen habe, Luft machen - und das in wenig geordneter Abfolge ...
Was soll das denn gewesen sein? Das würdige Ende einer bis dahin grandiosen Trilogie? "Das letzte Gefecht" ist eher ein Abgesang, es läßt die X-Men-Geschichte in einem Stückwerk enden, einem Flickenteppich; es behandelt zu viel zu lieblos und setzt die Akzente falsch. War bislang in den X-Men-Filmen die Balance zwischen Action und "Romantik" gewahrt, greift der Film in der ersten Hälfte(?) zu tief in Gefühlsduselei-Kiste, um dann in einen (NUR) nett gemachten Action-Streifen umzukippen. Allerdings ist die Gefühlsduselei auch nicht richtig ausgestaltet (die Mini-Krise zwischen Rogue und Iceman, der Kurz-Konflikt zwischen Vater und Sohnemann "Swanboy", Cyclops kurze Romanze mit der wiederaufgetauchten Jean), sodaß dieser Teil eher irritiert. Die Idee um Jeans Wiedererscheinen ist originell, die Abhandlung jedoch sehr konventionell, vor allem ihr Ende. Der Action-Teil setzt auf die großen Effekte, wobei aber die Glaubwürdigkeit (wenn man dieses Wort bei so einem Film überhaupt in den Mund nehmen darf) stark strapaziert wird: Sieben Mutanten gegen eine ganz Armee? Zumal sind die Duelle der jeweiligen Superhelden mit ihren bösen Gegenparts relativ kurz und schmerzlos ausgefallen - geradezu langweilig und uninspiriert, vergleicht man diese mit dem Duell aus X-Men 2.
Zudem sind viele Dargestellte doch reichlich farblos geblieben - allen voran dieses Trio um die blitzschnelle Dame. Auch der Juggernaut war wenig interessant - ein Kraftprotz mit wie üblich wenig Hirn und standardisiertem bösen Gehabe. Und die X-Men? 'Mal abgesehen davon, daß der Film so mir nichts, Dir nichts eben Cyclops und Professor X auslöscht (ich habe den ganzen Film darauf gewartet, daß die beiden doch wieder auftauchen) und Rogue sich selbst entmachtet (was quasi im Vorbeigehen eben erwähnt wird, ohne großartig darauf einzugehen), bringt die stärkere Betonung des Storm-Charakters nichts Neues (außer vielleicht der Erkenntnis, daß Halle Berry diesmal mehr Text für ihre Gage auswendig lernen musste). Und daß Mystique im Schnelldurchgang zum Normalmensch und Verräter wird, schreit geradezu nach einer Ohrfeige für den Drehbuchautor.
Und die Darsteller von "Swanboy" und "Schizoman" (der Typ, der sich vervielfachen kann) dürften sich ins Fäustchen gelacht haben: Relativ wenig Arbeit für relativ viel Geld (nehme ich an) - nur wenige Szenen, kaum Bedeutung für die Geschichte, aber dennoch unter den Hauptdarstellern ...
Gibtr es etwas Positives an dem Film? Naja, wie üblich die Effekte und der Anblick eines entmachteten Magnetos - was jedoch auch wieder ganz schnell zu Gunsten einer möglichen Fortsetzung geopfert wurde.
Ich fühle mich ent- und getäuscht. Viele interessante Ideen stecken in dem Film (Jean - The Next Generation Mutant, die Möglichkeit, die Mutation rückgängig zu machen, und die Implikationen daraus, weitere charakterliche Entwicklungen der X-Men), aber die stümperhafte Umsetzung UND die geradezu gedankenlose Opferung von verschiedenen Charakteren vergällen mir den Film. Er ist weder ein guter Schluss noch eine gute Möglichkeit, einen vierten Teil daran anzuknüpfen. Und daher finde ich, man sollte die X-Men-Sparte in Frieden ruhenlassen.





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