Moraleier
Die Blinde Gerechtigkeit
Moraleier, Tochter des Dramatrugis, Zwillingsschwester des Sadismos und Mutter sowie Ehefrau des Hervergesstos, ist aus reinem Licht geformt, so wie Sadismos aus reinen Schatten geboren wurde. Sie wirdm eistens dargestellt als eine überirdisch strahlende, etwas pummelige Lichtgestalt von außerordentlicher Schönheit, mit Sternen als Augen. ein anderes, möglicherweise zutreffenderes Bildnis ist das einer alten vertrockneten Hexe mit verkniffenem Mund und einem vegetraischen Döner aus dem Bio-Laden in der Hand.
Beide Manifestationen der Moraleier verügen über ihre mächtige Waffe (nicht den Döner, den verwendet sie nur in Ausnahmefällen als Wurfgeschoß): die Zweiköpfige Karmaschlange. Sie hält sie in der MItte, und beide Enden oder vielmehr Anfänge des schwanzlosen Tiers ringeln sichihren Arm hinauf.
Moraleier hat die erstaunliche Fähigkeit, Richtig und Falsch voneinander zu unterscheiden, und stellt ihre Anhänger oft auf die Probe. Viele Dinge sind einfach zu lernen - so ist es zum Beispiel nicht ratsam, grundlos ein kleines Kind zu foltern oder einen Wurf Welpen im Bierglas eines Trolls zu ersäufen, um zu gucken, ob sie da alle auf einaml reinpassen - aber bei komplexeren moralischen Probelmen ist doch immer wieder klar ersichtlich, dass wir Sterblichen einfach nicht den Durchblick der Göttin mit den Sternenaugen haben. So mag es einem Spieler als bizarre Angelgenheit erscheine, wenn er gezwungen wird, einen von zwei Freunden zu opfern, um den anderen zu retten; die Entscheidung mag ihm gar wie ein unlosbares Dilemma vorkommen. Und MOraleier läßt nichts erkennen, wartet nur mit schmalen, vor Erwartung leicht geöffenten Augen, nickt und lehnt sich ausdruckslos zurück, wenn die Entscheidung allein und widerruflich getroffen wurde. das kann bei Jüngern, die schon lange mit ihr zu tun haben, durchaus mal ein oder zwei Wochen dauern - es heißt, einmal habe ein Anhänger der Moraleier in seiner tiefen Verzweiflung die gesamten Schriften des Moralphilosophen Kant gewälzt, bsi er fiebrig und halb im Delirium nach drei Monaten die falsche Entscheidung traf und augenblicklich am Kamraentzug starb.
Es ist ein denkwürdiger Augenblick, wenn Moraleier sich am Ende einer Sitzung vorbeugt, einem Spieler ins antlitz schaut und dann den Arm ausstreckt, an dem sich die Schlange weindet. Sie legt dem Spieler die Hand auf die Stirn, und nur die tapfersten ertragen es, offenen Auges auf die Entscheidung zu warten, auf das göttliche, unanfechtbare Urteil. Wird es der Kuß der Schlange sein, die einem überreichlich Karma in den offenen Mund spuckt? Oder zuckt der andere Kopf vor und verbeißt sich in den Mandeln und Rachenschleimhaut des Delinquenten, um ihm die Lebenskraft auszusaugen, die er nicht verdient?
Jedenfalls, das kann man festhalten nicht nur eine außerordentliche Erfahrung für Adrenalinjunkies, sondern auch eine großartige Leistung, eine wahrhaft göttliche Erhabenheit, die Moraleier immer wieder beweist. Denn die gerechteste aller Göttinnen mit ihren Sternenaugen ist blind, ohne dass es sie in ihrer Treffischerheit auch nur im Geringsten beeinträchtigt oder gar zaudern läßt.






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