ach larsi, was du hier schreibst, klingt für mich alles ein bisschen zu gewollt kritisch und an den haaren herbei gezogen. aber ich hab eh schon auf die leute gewartet, die schmidts rückkehr zum anlass nehmen, um ihre zweifel, ihren schalen beigeschmack, ihre nörgelei oder was auch immer zu verkünden. diese leute muss es geben. die gibts immer, egal um was es geht. sie sehen sich als die kritische naturgewalt im mediendschungel. als die einzige möglichkeit, eine ausgewogenheit zur freude derer darzustellen, die es eben einfach nur gut finden, dass einer wie schmidt bald wieder über die mattscheibe flimmert.

ich gehöre zu letzterer kathegorie. mir sind die umstände völlig egal. dass es nun gerade kurz nach ankes absetzung so kommt, mag sicherlich kein zufall sein, doch inwiefern soll mir das mein vergnügen daran mindern, endlich wieder jemanden in einem deutschen latenight-format zu sehen, der es auch wirklich beherrscht? ein jahr ohne schmidt... der mangel hat sich nunmal bemerkbar gemacht. am deutlichsten und leider letztlich am schmerzlichsten durch das versagen von den machern der anke-show. und ich sage bewusst "machern", denn allein frau engelke die schuld dafür zu geben, wäre unfair. sie konnte nunmal nicht mehr als das, was wir da von ihr zu sehen bekamen. den rest hätten andere erledigen müssen, indem sie ein entsprechendes frisches konzept entwickeln, das sich nicht nur durch geschlechterwechsel beim moderator von der vorgängershow abhebt. dazu kam es nicht, die show wurde abgesetzt. unterm strich blieb das bekenntnis, dass es zur zeit keiner besser kann als schmidt. was nicht heißen soll, dass es wirklich keiner besser könnte. nur würden wir zuschauer momentan nicht viel davon haben, falls es dieses ebenbürtige talent irgendwo gäbe. denn die tv-sender wagen es nicht, jemanden ohne namen so zu fördern und aufzubauen, dass sich dessen talent voll entfalten könnte. bestimmt hielt sich sat1 für total mutig als sie anke in die latenight schubbsten. "schaut mal alle, her, wir trauen uns ne frau auf die bühne zu stellen!". das war dann aber auch schon das einzig mutige daran. denn ansonsten gingen sie mit anke wieder auf nummer sicher: sie ist eine der bekanntesten comedians deutschlands, sehr beliebt und vielseitig einsetzbar. dass diese vielseitigkeit grenzen hat, hätten die tv-macher schon vorher wissen können. anke zeigte sich noch nie besonders talantiert im spontanen stand-up. ihr ding ist die völlige inszenierung. jeder auftritt eine neue rolle, neue schminke... ein latenight-talker spielt aber nicht sketche am laufenden band. sicher, er liefert parodien. doch nur, um danach immer wieder in seine eigene rolle, nämlich die des überheblichen spötters, zurückzukehren. dieser spott darf aber nicht nur durch im voraus geprobte szenen präsentiert werden, er muss dem, der da auf der bühne spottet, regelrecht auf der zunge liegen. was ich damit meine wird klar, sobald man z.b. harald schmidt beim improvisieren zuschaut. besonders die letzten sendungen seiner show auf sat1 wurden immer verspielter, immer unberechenbarer. er war nicht mehr marionette seines formats (so wie anke), sondern wusste geschickt damit umzugehen. er kannte die zutaten, konnte sie variieren. er kannte die grenzen, konnte sie überschreiten. man merkte deutlich, dass da keiner saß, der ohne seine gag-schreiber und schilder-halter ins schmitzen käme. schmidt hatte soviel spott auf der zunge, dass er eine ganze show damit vollimprovisieren konnte.

ist er deshalb grundversorgung? sicher, denn wers sonst schwimmt so sicher in den gewässern der lateshows? wir haben in deutschland nunmal einen mangel an solchen leuten. ein mangel der wiederum auf einen mangel zurückzuführen ist, nämlich die bereits angesprochene feigheit der tv-macher. nochmals verdeutlichen lässt sich das am beispiel pro7: die zeigten sich ebenfalls ganz besonders mutig, indem sie frische gesichter wie oliver pocher, elton oder oli schlegel auf die mattscheibe ließen. und siehe da, einige von ihnen bekommen sogar ganz passable formate, die ausbaufähig scheinen. abgesehen von oli schlegel, der mit seiner teenie-talkshow von anfang auf dem abstellgleis verkehrte. elton hingegen machte mit seiner kleinen gemütlichen show im anschluss an tv-total das, was er konnte: rumalbern, gäste verarschen, zoten reißen, bizarre szenen kommentieren. sinnig komprimiert auf ne knappe halbe stunde. so brauchte er sich nicht allzu schnell abzunutzen. doch was passierte dann? entweder funktionierte das format für die tv-macher nicht mehr oder sie wollten ihrem neuen star einen karrierekick verpassen: er durfte solche tv-perlen wie "die alm" moderieren. da liegt für mich nichts näher als das wort "verheizen". denn genau das ist die gefahr. elton muss sich erst in seiner rolle als tv-blödelmann festigen, doch anstatt ihm die dazu nötige zeit und das entsprechende format zu geben, steckt man ihn in eine rolle, die ihn für seine bisherige klientel unglaubwürdig und letztlich unbeliebt macht. das haftet ihm an. er bleibt nun erstmal der typ, der wo früher mal ganz gut war, dann aber so nen quatsch mit c-promies in ner almhütte moderiert hat und sprüche wie "ihr müsst heute ein schwein schlachten!" sagen durfte.

wer so mit seinen jungen talenten umgeht, braucht sich nicht zu wundern, dass sie schnell wieder verschwinden. auch das image von schlegl ist seit der talkshow enorm angekratzt. wenn ich ihn bei seiner aktuellen show, dem "jüngsten gericht" auf viva sehe, freu ich mich zwar, dass er nicht völlig von der bildfläche verschwunden ist. andererseits werde ich aber den gedanken nicht los, dass der junge nochmal ganz von vorne anfangen muss. denn er war schonmal weiter: in seiner show vor dem pro7-debakel, "schlegl übernehmen sie", durfte er, gemessen an viva-standards, richtig die sau rauslassen. das hatte schon ein bisschen was von guter latenight. sogar einen brauchbaren sidekick in form des sympathisch-schrulligen minipli-man durfte er sein eigen nennen. dazu interessante gäste aus musik und kunst. die gags zündeten und sein talent ebenso. doch seit ende dieser show scheint die luft raus. alles, was er macht ist im vergleich dazu doch recht seicht. fast schon ängstlich. man spürt nahezu wie bemüht er darum ist, sein angekratztes image nicht nochmehr zu schädigen und sich beim publikum erstmal wieder hochzuarbeiten. schließlich hätte man ihm einen nahtlosen übergang vom pro7-talkshow-format zur rückkehr in "schlegl übernehmen sie" eventuell nicht abgekauft. andererseits sind selbst die leute bei viva mittlerweile sehr feige geworden.

einen lichtblick haben sie allerdings zu bieten: sarah kuttner!
als ich die frau früher bei interaktiv sah oder in diversen interviews, z.b. bei schmidt, konnte ich ihr rein gar nix abgewinnen. zu platt, zu gewollt und immer dieselben themen, die schon x andere junge moderne powerfrauen vor ihr aufwärmten. aber nun, was ist das denn? hat man ihr früher vielleicht einfach die falschen fragen gestellt? oder hat sie die falschen antworten gegeben? ich weiß es nicht, jedenfalls erweist sich die frau in ihrem eigenen latenight-format als talentbombe, die nicht mehr am ticken, sondern bereits gewaltig explodiert ist. wie sie da spielerisch durch die themen der show wuselt, wortwitzig improvisiert, ne ausstrahlung zwischen hochintelligent und hocherotisch bietet und ... es einfach nur kann! -da blieb mir glatt die spucke weg. natürlich ist das alles noch ein wenig unausgegoren. der sidekick zündet noch nicht immer gleich gut, das konzept wirkt manchmal ein bisschen ideenarm oder noch nicht wirklich homogen. doch das sind kinderkrankheiten einer jeden neuen show. kuriert werden können die am besten durch die moderatorin selbst. frau kuttner bringt dafür wahrlich heilerische talente mit. denn genau das, was schmidt so unentbehrlich für die branche macht, scheint sie in ihrem jungen alter ebenfalls auf der zunge zu haben: die hohe gabe des niveauvollen spottes. ich sah nun schon einige ausgaben ihrer show und kein einziges mal wirkte sie müde oder lustlos. kein einziges mal überfordert. sie wird dem titel der show gerecht, denn sie trägt sie von anfang bis ende. dazwischen schafft sie mit den gewohnten zutaten den nötigen ausgleich: um den focus nicht ausschließlich auf sich zu richten, bindet sie die (überaus talentierte) band, das publikum und das restliche show-personal ins show-geschehen ein. ja sogar der zuschauer vor der glotze wird gleich zu anfang in "kritik an der letzten sendung" zitiert und somit zum teil des konzepts.
wenn vivas macher noch nicht ganz zu quotenzombies verkommen sind bzw. noch ein gespür für talent haben, geben sie dieser frau die zeit die sie braucht, um das zu werden, was sie im grunde genommen beinahe schon ist: die erste ernstzunehmende deutsche latenight-talkerIN.

bleibt nur zu hoffen, dass auch frau kuttner so schlau ist, sich nicht vorschnell von einem der konzeptarmen sender wegschnappen zu lassen. denn wie aus den erwähnten beispielen ersichtlich, scheint derer größtes talent darin zu bestehen, talente auszupusten oder eben an den anfang ihrer karriere zurückzubefördern.

nun noch zum lars seiner behauptung, das ard-programm sei kärglich. ich würde gern wissen, was du damit meinst, lars. solche phrasen in den raumzustellen ohne wenigstens ein begründendes beispiel abzuliefern, ist nicht nur kärglich, sondern einige stufen tiefer. anscheinend vertraust du so stark auf den gesellschaftlichen konsens, bei den öffentlich rechtlichen sei ja eh nix los, dass du deine phrase mal eben so im raum stehen lässt. sieht schließlich eh jeder so. stimmt, viele sehen das so. viele haben allerdings auch keine ahnung, warum. sie haben keine ahnung vom programm der öffentlich rechtlichen oder sie machen den fehler, dessen qualität am eigenen geschmack zu messen, was objektiv betrachtet totaler quatsch ist.
denn es ist doch nunmal so: fernsehen wird nicht nur für dich oder für mich gemacht. es wird nicht nur für leute unseren alters und unseren geschmacks gemacht.
es muss eine möglichst breit gefächerte klientel angesprochen werden. wenn ein groteil dieser klientel sowas wie "das fest der volksmusik" sehen will, sollten sie auch die möglichkeit dazu haben. meinst du, fernsehen wird besser, indem man solche formate völlig verbannt? hugo egon balder hab ich letztens sagen hören "das ist immer noch besser als kakerlaken fressen!". und was gibts daran zu zweifeln? ob man volkstümliche musik nun mag oder nicht, so hat sie doch wie jede andere musik ihre berechtigung. übrigens waren die öffentlich rechtlichen hier sogar mal mutig: sie schickten für eins ihrer volksmusik-formate den noch sehr jungen florian silbereisen auf die bühne. das hätte schief gehen können, aber man erkannte sein talent, ließ ihn machen und es wurde ein voller erfolg. damit sorgt die ard dafür, dass die show-talente in der deutschen tv-landschaft nicht aussterben, sondern zuwachsen.
und ob man ihre art zu talken nun mag oder nicht: auch typen wie beckmann, kerner oder pilawa konnten erst bei den öffentlich rechtlichen zeigen, was sie eigentlich drauf haben. ihre namen wurden zur marke anstatt zum symbol für billigen vormittags-talk. man sieht an arabelle kiesbauer, was passiert wenn man bei den privaten in einem solchen format den absprung nicht rechtzeitig schafft.
die öffentlich rechtlichen entdeckten und förderten unzählige talente und formate. dass sie in den letzten jahren auf schlängellinie fahren und an selbstbewusstsein einbüßten ist durch den stärker gewachsenen druck der privaten nachvollziehbar. trotz dieses drucks blieben sie vielen altgedienten formaten treu. seien es unterhaltungssendungen wie "wetten dass?" oder eben die volksmusik, aber auch dauerbrenner wie der "tatort" oder die "lindenstraße" verkamen nicht zu opfern aktueller tv-modeerscheinungen. "tatort" z.b. ist nach wie vor garant für feinste krimi-kost. auch hierbei handelt es sich beim genaueren hinsehen um eine talentschmiede: tatort-darsteller gewinnen an großer aufmerksamkeit, können ihre stärken ausspielen und ihr öffentliches profil ausbauen. zudem wachsen beim tatort auch hinter der kamera nicht wenige talente heran. einige der fähigsten deutschen tv-regisseure durften dort schon tätig werden. damit will ich den öffentlich rechtlichen nicht die alleinige pacht auf niveau und gutes fernsehen zuschreiben. doch ich will damit drauf hinweisen, dass dieses ständige nörgeln ein völlig unangemessenes, extrem einseitiges bild abgibt.

schmidt nun nach der latenight-pleite der privaten wieder ins öffentlich-rechtliche rampenlicht zu stellen, ist somit ein geschickter, sicherlich gewollter, aber auch gerechtfertigter schachzug. schließlich triumphierten die privaten nicht selten, wenn sie ein erfolgreiches format für sich zuerst "entdeckt" hatten.
dass sie genausoviele, wenn nicht noch mehr, formate in den sand setzten, geriet dabei zumeist ins vergessen. besonders beim tv-zuschauer, der zwar immer wieder über die zunehmende niveaulosigkeit der privaten schmipft, ihnen jedoch, wenn es darum geht, sein tv-programm zusammenzustellen, den vortritt gibt.
schmidt verabschiedete sich nicht zuletzt wegen schwindender kompetenz in der chef-etage von sat1. seine rückkehr in die ard wirkt somit wie ein konsequenter schritt, der dem zuschauer signalisiert, auch mal wieder über den gewohnten (privaten) tv-horizont zu schielen.