Originally posted by Codehunter@08.02.2005, 16:32
Die Macher vom heutigen Star Trek haben die Zeichen der Zeit einfach verschlafen. Die Zuschauer wollen, wie 21stAngel schon sagte, mehr Bumm-Bumm sehen.
Aber hat nicht Enterprise genau das (und fast nur das) geboten? Und hat nicht genau dieser Weg nicht funktioniert?

Wenn du dich mal im Fernsehprogramm umschaust, wirst du erkennen, dass die große Dschin-bumm Welle wieder vorbei ist und es den Leuten abseits von Big Brother und Co. wieder nach etwas anspruchsvollerer Kost gelüstet. Ich denke also eher, die Mahcer haben die Zeichen der Zeit verkannt. Sie wollten den Wünschen der Masse nachkommen (Action, Action und nochmals Action&#33 und haben daraufhin auf die alteingesessenen ST-Fans vergessen, die sich nun mal von ihrem geliebten Universum mehr erwarten als belanglose Action. Die Masse lies sich wiederum erst recht nicht anlocken - dafür war Enterprise nicht innovativ genug, gibt es ähnliches in anderen Serien besser/interessanter zu sehen (24, Stargate etc.).

Was Star Trek und Erotik betrifft, zitiere ich mal aus meiner abschließenden Kritik zur 1. Staffel Enterprise:
Ich gebe es ja offen zu: Dass die Star Trek-Macher darauf bedacht sind, die weiblichen Vorzüge der von ihnen gecasteten Schauspielerinnen ins rechte Licht zu rücken (was auch die Vermutung nahe legt, dass beim Casting nicht nur die schauspielerische Leistung ausschlaggebend war; ein Verdacht, der z.B. durch Marina Sirtis' teilweise laienhafter Darstellung nicht gerade ausgeräumt wird), ist wahrlich nichts Neues. Nicht umsonst hat man z.B. in "Das nächste Jahrhundert" die Kamerawinkel verdächtig oft so gewählt, dass Marina's wohlgeformtes Hinterteil auch immer schön zu sehen ist (diese "ass-shots" haben ja mittlerweile schon fast Kultstatus; dank an dieser Stelle an Phil Farrand, dem ich diese Erkenntnis zu verdanken habe, und dessen "Nitpicker's Guide" für die diversen Star Trek-Serien ich nur wärmstens empfehlen kann). Auch bei Voyager gab es ja einige Diskussionen, als 7of9 an Bord kam, wobei die entsprechende Kritik zumindest teilweise dadurch entkräftet wurde, dass man hier keinen reinen Pin-Up-Charakter erschaffen hatte, sondern eine wirklich interessante, originelle Figur. All dies ist Beweis genug, dass Star Trek schon immer mit einer Prise Erotik gewürzt wurde. Warum ist dies also gerade bei Enterprise so schlimm?

Was die erotischen (?) Einlagen bei Enterprise so besonders störend macht, ist die plumpe Art, mit der diese eingebaut wurden. Schon allein die Kontaminationskammer und die Mischung aus Massage-Öl und Gleitcreme, mit dem sich Archer und Co. nach jedem Besuch auf einem fremden Planeten einschmieren müssen, wirkt einfach nur lächerlich. Hier wird keine knisternde Erotik versprüht, weil alles einfach viel zu aufgesetzt und konstruiert wirkt. Doch das ist ja nicht mal das Schlimmste: Der absolute Tiefpunkt der Staffel war eindeutig, als Archer in der Folge "Im Schatten von P'Jem" beim Befreiungsversuch "zufällig" mit seinem Gesicht auf T'Pols Brust gelandet ist. Hier setzt sich Enterprise auf eine Stufe mit "Eis am Stiel" und Konsorten, und dies als langjähriger ST-Fan miterleben zu müssen, empfinde ich als seelische Grausamkeit...

Nochmals... wenn B&B meinen, sie müssen jetzt unbedingt Erotik-Einlagen einbauen, um den vormaligen Baywatch-Sehern ein neues zu Hause bieten zu können, bitte schön. Aber dann sollen sie es doch wenigstens nicht so plump anstellen. Warum nicht einfach Hoshi mal im Bad oder in der Dusche zeigen? Das wäre auch schon schlimm genug, würde aber längst nicht so aufgesetzt und erzwungen (und somit auch nicht so störend) wirken wie diese ewigen Gleitgel-Orgien im Darkroom, von einem "zufälligen" Verlust des Top's (wobei ich hier schon auf "Die Schockwelle - Teil 2" vorgreife) ganz zu schweigen.

Wie man es dreht und wendet, "mehr Sex!" war ohne Zweifel die dümmste Idee, welche die Macher bei der Konzeption der neuen Star Trek-Serie hatten, und gehört ohne Zweifel zu den größten Kritikpunkten, die ich an "Enterprise" vorzubringen habe. Es ist eine Verbeugung vor den vorpupertären Babewatch-Sehern, sowie generell ans verklemmte Ami-Völkchen. Schlichter, dummer Kundenfang. Eine gute Serie hat so etwas nicht nötig, um Zuseher zu gewinnen...


Und weils grad gut dazu passt, ein Auszug aus meinem Review zur Enterprise-Folge "Kopfgeld":
Was diese Folge schließlich ziemlich schwach werden lässt, ist die höchst entbehrliche B-Story rund um "Vulcanettenluder" T'Pol. Dass UPN in Amerika diese Folge mit der Zeile "T'Pol in Heat" beworben hat, sollte bereits ausreichend Warnung dafür bieten, welchen Anspruch man sich von der B-Story erwarten kann... doch dass es SO schlimm werden könnte, hätte selbst ich mir nicht gedacht. Natürlich, wie ich es auch in meiner abschließenden Kritik zur 1. Staffel gesagt habe, ist Sex bzw. insbesondere das ins rechte Licht rücken von weiblichen Vorzügen in gewisser Weise eine alte Tradition von Star Trek - die ich nicht unbedingt begrüße, wie ich hinzufügen möchte. Bestreiten kann man es dennoch nicht. Was nun den Unterschied ausmacht, ist die Plumpheit, mit der dies in Enterprise eingebaut wird. Da fällt Archer auf T'Pols Brüste, da verliert Hoshi mal unabsichtlich ihr Top, da überkommen T'Pol heiße Träume, da wird Archer notgeil, weil "Do it yourself" in 200 Jahren offensichtlich nicht mehr angesagt ist... aber selbst diese zwar absolut überflüssigen und niveaulosen, aber noch vergleichsweise harmlosen Anspielungen sind nichts im Vergleich zur Nebenhandlung in "Kopfgeld". Mein Vergleich mit Baywatch bei meiner Kritik der 1. Staffel mag einigen überzogen erscheinen, aber Tatsache ist, selbst bei "Die gut gebauten und leicht bekleideten Rettungsschwimmer von Malibu" hat man sich nie dazu herabgelassen, die mit 2 hervorstechenden Eigenschaften ausgerüsteten Frauen sich auch noch lasziv räkeln zu lassen. Eben dies darf jedoch T'Pol tun, als der Virus ihr Pon Farr auslöst. Sie betatscht sich und den Doc, sie schwitzt, sie ist heiß, willig und absolut notgeil. Für feuchte Träume vorpubertierender Jugendlicher mag das ja gerade das richtige Betthupferl sein, doch in Star Trek hat so etwas doch bitte schön nun wirklich nichts verloren. Wenn ich Lust auf so etwas verspüre, schaue ich bei Kabel 1 oder VOX am Wochenende ins Nachtprogramm - in Star Trek möchte ich aber von derartigen Erotik-Szene verschont bleiben. Oder, wie es die weiblichen Mitglieder unserer Gesellschaft ausdrücken würden: Ich bin dafür gerade nicht in Stimmung .