Ich glaube im Moment nerven mich 99% der Medienbranche bis zum Abwinken. Wenn es dann mal so kleine Lichtblicke gibt wie TMoS einer war, dann gehen sie meistens schneller den Bach runter als man gucken kann. Zuerst hats eben JMS abgekriegt, dann hab ich mich auf die Medienbranche als Ganzes verlegt und weil ich meine Zeit mit dem Tippen meiner JMS-Kritik nicht umsonst verplempert haben wollte verzichtete ich auf das Löschen der vorherigen Absätze.

Ich will einfach nicht daran glauben, daß die Mehrzahl der Leute eine Handvoll Containerbewohner beim Pop(p)eln beobachten will, nachdem sie mehrere Stunden lang von Richter Hold und Kollegin Salesch in die Tiefen der 3. Fassung des bürgerlich-fiktiven Gesetzbuches eingewiesen wurden. Zwischendurch noch eine Dosis Heimwerkerkunde aus der billig aufgekauften öffentlich-rechtlichen Kreativkonserve von Jean Pütz, wo Deckenlampen eben mal fix mit Krepp-Papier dekoriert werden. Brandschutz hin oder her, Hauptsache es sieht irgendwie ulkig aus.

Wenn die Bude dann schön in Flammen steht rufen wir mal eben Hans Meiser an mit seiner Notruftruppe, der bringt das schon wieder ins Lot. Oh, so ein Pech, der ist ja abgesetzt. Mist, wie war doch gleich die Nummer der Feuerwehr? Mal bei DSF gucken... ah ja richtig, 0190-87654321... Aber aufpassen, daß man nicht versehentlich die Feuerwehr von Neun Live erwischt, die stecken einem erstmal in eine Warteschleife und wenn man dann nach 3 Stunden dran kommt hat man 10 Sekunden Zeit herauszufinden wie der Bürgermeister von Timbuktus Hauptstadt im Jahre 1968 hieß.

Apropos DSF - Deutsches Sex Fernsehen oder wie? Fickelfilmchen auf Sparflamme und häppchenweise gespickt mit 150% Werbe-Overhead. Toll, das ist doch die ultimative Wunschvorstellung des privaten Fernsehens.

Was ich damit sagen will: Wo ist die Qualität geblieben? Beim ZDF mit Bodo Hauser und Ulrich Kienzle abgesetzt. So könnte man fast vermuten. Ist es wirklich das, was wir sehen wollen? Big Brother? Richter Hold? Heimwerkersendungen? Pseudoreale Hetzjagden der wuppertaler Polizeistreife auf einen alkoholisierten Schäferhundmischling? 29 verschiedene Volksmusik-Formate? Fickelfilmchen bei den Sportsendern? Nächtliche Quiz-Marathons quer durch alle Privatsender mit phänomenalen Jackpots von 500 Euro, die einmal pro Woche ausgespielt werden? Die dicke Vera oder deren ältere Stiefschwester Kallwass, die das Psycho-Studium nach den ersten 20 Semestern abgebrochen hat? Diesen Jean Pütz Verschnitt als Tierarzt, der eine halbe Stunde lang der Kamera erklärt woran man einen Darmverschluß bei Kleinsäugern erkennt während die Meersau auf seinem OP-Tisch in den letzten Japsern liegt? Diesen dümmlichen Möchtegern-Sielmann aus Australien, der vor laufender Kamera Kleinkinder in einen vorsorglich sedierten Alligator stopft? Täglich frische Talkshows und deren wöchentliche Zusammenfassung von Sonja Kraus, bei der man nicht weiß ob sie sich künstlich dumm stellt oder nur versucht schlauer zu erscheinen als sie ist? Diese ganzen Pseudoreportagen, die man jahrelang in buntem Mix quer durch alle Formate wiederfindet?

Ich bitte euch, wer soll diesen ganzen Mist verdauen? Gibt es tatsächlich Leute die das konsumieren? Ich meine, "Takeshis Castle" vor einigen Jahren war ja schon dümmlich, aber wenigstens noch unterhaltsam. Doch das was derzeit geboten wird ist nicht einmal mehr das. Manchmal gucke ich zwei Stunden lang Bloomberg TV auf der Suche nach dem Versteck, wo die Telekom meine Grundgebühren bunkert. Derzeit interessantester Sender ist N24, dort laufen noch Reportagen aus dem letzten Jahrtausend, das ist noch halbwegs brauchbar. Den SciFi Channel würd ich mir gern anschauen, aber das Geld muß man erstmal haben. Manchmal wünsche ich mir, das Alles wäre eines dieser Holodeck-Programme und ich könnte sagen "Computer: Alterieren, Programm beenden und löschen". Damit wieder zurück zum Thema SF.

Wer kennt hier noch "The Tripods"? Diese kleine geniale SF-Serie, die Mitte der 80er beim ZDF lief? Oder auch das legendäre Raumschiff Orion das nach schweren Gefechten mit den Frogs ein beschädigtes Bügeleisen - äh meine natürlich Steuerpult - verkraften muß und den Rücksturz zur Erde antritt. Wer kennt noch die Space Rangers? Alles Beispiele für Low-Budget-Produktionen, die mit ausgefeilten Dialogen, starken Darstellern, tiefgründigen Stories oder einfach nur genialer Hintergrundmusik zu begeistern wußten.

Deshalb habe ich die Diskussion um madige SFX bei Babylon 5 nie mit geführt. In meinen Augen spielen die Effekte nur eine Nebenrolle. Sobald man es den SFX-Leuten überläßt Lücken in Story und Drehbuch zu übertünchen kommt sowas heraus wie Terminator 3. Viel BUMM BUMM und PENG PENG, ab und zu auch mal BRUMM BRUMM und ZISCH ZISCH. Ganz toll.

Bei TMoS das gleiche Theater. Alles hat sich über einen Recast aufgeregt den es nicht gab bzw. der nicht der Willkür der Verantwortlichen entsprang sondern schlicht der Tatsache Rechnung trug daß Richard Biggs nun mal tot und Peter Woodward anderweitig verplant war. Ich hatte mich auf eine tiefgründige Story mit anspruchsvollen Dialogen in einem SF-Ambiente gefreut.

Es frustriert mich auch, daß ich Filme gut finde die anderweitig als Flop angesehen werden und ich mich deswegen auch noch rechtfertigen muß. Bestes Beispiel: "Event Horizon". Ich find den Film total genial, eben weil es kaum BUMM BUMM gibt und er vielmehr durch gezielt plazierte Shocker glänzt. Sam Neill in einer seiner besten Rollen.

Dagegen finden die meisten meiner Bekannten "Starship Troopers" gut, was ich absolut nicht verstehen kann. Mehr sinnloses Gemetzel wurde in einem SF-Streifen wohl nie so hochglänzend verpackt. Sogar die Anhänger von Schlammcatchen wurden bedient als kräftig in den Eingeweiden von überdimensionalen Käfern gerührt wurde. Dümmlich, banal und ekelhaft. Ok, "Event Horizon" war streckenweise auch eklig, aber spannend eklig, nicht dümmlich eklig.

Ich hab noch einen Konterstandpunkt: Star Trek Nemesis. Die Story ist zwar ein wenig flach, aber im Detail zeigen Picard und Shinzon immernoch das klassische Gut-Böse-Schema. Außerdem gab es das wohl beste Föderationsraumschiff aller Zeiten zu sehen: Den Deltaflyer. Nebenbei bemerkt das allerallereinzigste, das ich an Voyager gut fand war eben dieses kleine Schiff. Noch etwas hat mich an Nemesis beeindruckt: Zum ersten Mal in der Star Trek Geschichte sind wohl zwei derart große Raumschiffe kollidiert ohne infolge dessen ausgiebig zu explodieren.

Einer der Gründe, weshalb mir auch die Schattenschiffe in Babylon 5 so gut gefielen. Erstens sind die nie explodiert sondern bestenfalls geplatzt. Zweitens hat man sie nie richtig gesehen was sie sehr mystisch erscheinen ließ. Drittens dieser unvergleichliche Schrei, den ich so nie wieder gehört habe in einer SF-Serie oder sonstwo. Allein schon dieser Schrei in THX-Sound aus 8 Surround-Kanälen im Kino zu hören wäre schon ein Grund gewesen TMoS im Kino zu schauen. Egal welcher Cast nun genommen worden wäre.

Nun nochmal zu Straczynski und Berman: Hätte ich die Wahl und gäbe es die Möglicheit als Zuschauer Einfluß zu nehmen auf die Produktion, dann würde ich mich für Berman entscheiden. Er ist der vernünftigere von beiden.

Zum Schluß möchte ich gern die Diskussion noch toppen und eine ketzerische Idee anbringen. Wenn von B5 gesprochen wird, denkt man sofort an JMS. Aber welchen Anteil am Gesamtwerk Babylon 5 hat er wirklich gehabt? Ok, er hat sich die Story ausgedacht und die Charaktere. Aber: Was haben Doug Netter, Harlan Ellison und Chris Franke dazu beigetragen? Oder die vielen anderen Mitwirkenden Nicht-Darsteller? Eigentlich hätte ich mir gewünscht daß er Star Trek in die Finger bekommt. Dann hätten wir gesehen ob er es tatsächlich so viel besser kann. Ich habe wirklich in letzter Zeit Zweifel daran bekommen. Nicht erst seit dem TMoS offiziell tot ist sondern schon vorher. Seit Babylon 5 hat er keinen wirklichen Renner mehr gehabt. Das ist immerhin schon sieben Jahre her. Vielleicht war B5 auch nur die berühmte Ausnahme von der Regel? Einen Gegenbeweis ist er uns bis heute eigentlich schuldig geblieben.

Nein, ich will JMS nicht diskreditieren. Aber ich will Überlegungen anregen, nicht alles zu schlucken ohne es zu hinterfragen. Das ist alles.