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Thema: A Scanner Darkly (Der dunkle Schirm)

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  1. #1
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    Standard AW: A Scanner Darkly (Der dunkle Schirm)

    Der Film kommt in Deutschland mal wieder ohne Umweg ins Kino direkt auf DVD: http://www.areadvd.de/dvd/2007/A_Sca...rkly_DVD.shtml. Naja, gegen Spider-Man und Karibikpiraten würde sich eh nicht lohnen. Sollte aber wieder ein gutes Beispiel sein, wieviele gute Filme in der Videothek (oder im Handel) auf einen warten.

  2. #2
    Super-Moderator Avatar von cornholio1980
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    Standard AW: A Scanner Darkly (Der dunkle Schirm)

    So, nenne "A Scanner Darkly" mittlerweile auch mein Eigen: Hier mein Review:

    "A Scanner Darkly" war eine sehr ungewöhnliche Filmerfahrung für mich. Mittlerweile sind mehr als 2 Wochen vergangen, dass ich ihn gesehen habe, trotzdem weiß ich immer noch nicht so recht was ich von ihm halten soll. Zwar gibt es einige positive Elemente, aber leider auch vieles, dass weniger gelungen war. Was mich positiv überrascht hat war die Optik: Diese war für mich vorab der Hauptgrund dafür, dass ich eher skeptisch an den Film herangegangen bin, hat sich jedoch im Endeffekt als dessen größte Stärke erwiesen. Zugegeben, der sehr eigenwillige optische Zeichentrickstil wird sicher nicht jedem liegen, und auch ich stelle mir die Frage ob es wirklich notwendig war, den kompletten Film so zu gestalten - und ob man dieses Stilmittel nicht besser ein wenig sporadischer verwendet hätte (z.B. nur während Szenen im Drogenrausch). Andererseits wird "A Scanner Darkly" erst bzw. nur durch diese außergewöhnliche Optik zu einem faszinierenden Film: Es gibt zahlreiche interessante Bilder und originelle Ideen, die sich ohne dieses Verfahren so wohl nicht hätten umsetzen lassen. Jedenfalls verleiht dieser optisch ausgefallene Ansatz "A Scanner Darkly" jenen Reiz des Besonderen, den der Film andernorts leider vermissen lässt. Zwar wissen auch abseits der Optik einige originelle Einfälle und Ideen zu gefallen, wie die Jedermann-Anzüge oder auch die Hintergründe von Substanz T, doch die Handlung an sich ist leider wenig gelungen. Man hangelt sich von einer Drogenszene zur nächsten, ohne Spannung, ohne Tempo, ohne Dramaturgie, und ohne auch nur die geringste Ahnung zu haben, was das ganze eigentlich soll und wohin man sich hinbewegt - oder ob man sich denn überhaupt bewegt.

    Eine weitere große Schwäche sind die pseudo-tatantinoartigen Drogendialoge, die nicht - wie es wohl beabsichtigt war - witzig sind, sondern einfach nur öde. Den Protagonisten bei ihrer ewigen Lamentei zuzuhören ist ungefähr so, als wenn man sich vollkommen nüchtern in eine Gruppe besoffener Leute mischt - für die mag zwar alles unheimlich komisch sein und auf irgend eine abgedrehte Art und Weise auch Sinn ergeben, aber als nichtalkoholisierter Zuhörer kann man meist nur den Kopf schütteln. Auch hier war es mir meist unmöglich, den seltsamen Gedankengängen zu folgen, und so hockte ich schon ziemlich bald ziemlich gelangweilt vor dem Fernseher. Leider schafft es Linklater auch nicht, dem Zuschauer die Figuren wirklich nahe zu bringen. Zu abgefahren sind die Charaktere bzw. die eigene Drogenwelt, die sie für sich erschaffen haben, als dass man sich mit ihnen identifizieren könnte. Dass macht das Schneckentempo in dem sich der Film fortbewegt gleich noch deutlich spürbarer. Es tut sich halt einfach die meiste Zeit über nichts, man mangelt sich von einem drögen Drogendialog zum nächsten, anstatt die Handlung konsequent weiterzuentwickeln. Stattdessen wird diese soweit vernachlässigt, dass es im weiteren Verlauf bei einigen Szenen und Entwicklungen schwer wird, dem Film zu folgen; durch die oberflächliche Behandlung wird alles unnötig kompliziert und konfus, wodurch sich zur Langeweile auch noch Frust gesellt.

    Etwas überstürzt erschien mir auch die Wendung rund um Keanu Reeves. Während man im Roman von Seite zu Seite seinen zunehmenden (Ver-)Fall und Realitätsverlust mitverfolgen kann, konnte zumindest ich im Film keine Anzeichen ausmachen,
    Achtung Spoiler!
    Auch der Twist am Ende konnte mich nicht wirklich überzeugen. Ich kann zwar die Hintergründe verstehen, wirklich Sinn ergibt es für mich allerdings nicht.
    Achtung Spoiler!
    Immerhin war das unmittelbare Ende und auch die darin verpackte Wendung wieder recht gelungen.

    Jedenfalls kann man "A Scanner Darkly" eines attestieren: Er ist mit Sicherheit die bisher treueste Adaption einer Vorlage von Philip K. Dick. Zwar fehlen naturgemäß einige Stellen aus dem Buch, aber fast alle Szenen aus dem Film finden sich auch im Roman wieder. Und ich denke, genau darin liegt der Hund begraben. Mal ganz abgesehen davon, dass Bücher und Filme zwei gänzlich unterschiedliche Medien mit sehr unterschiedlichen Anforderungen sind... so sehr ich Philip K. Dick als visionären Autor auch schätzen mag, so bin ich doch nicht gänzlich blind gegenüber seinen Schwächen. Und dazu zählen insbesondere Charakterisierung, Dramaturgie, Atmosphäre und Spannungsaufbau. Eben hier braucht es - insbesondere bei einer Filmadaption - etwas Überarbeitung. Stattdessen hat Linklater den Roman fast 1:1 verfilmt, und erbt aufgrund dieser (zu) werkgetreuen Adaption einige Schwächen der Vorlage, während es ihm nicht gelingt, einige jener Aspekte die im Roman recht gut gelungen sind (wie Bob Actors langsamer Verfall) erfolgreich in den Film zu übertragen. Was bleibt sind interessante Ansätze, die jedoch von Linklater leider konsequent vernachlässigt werden - und der Beweis dafür, dass eine werkgetreue Verfilmung eines guten Buches noch lange keinen guten Film ergeben muss. Hätte sich Ridley Scott bei Blade Runner ähnlich akribisch an Dicks Vorlage gehalten wie Linklater, wäre der Film in der Versenkung verschwunden, und wir wären um einen absoluten Klassiker des SF-Genres ärmer...

    Fazit: "A Scanner Darkly" ist ein sehr durchwachsener SF-Film. Es gibt einige gute (wenn auch kaum überraschende) Wendungen, die hier beschriebene Zukunftsvision ist sehr interessant, und die von mir im Vorfeld eher skeptisch beäugte Optik des Films hat sich als dessen größte Stärke erwiesen. Andererseits verliert sich Linklater in zu vielen sinnlosen Drogendialogen und vergisst darob nicht nur auf seine Figuren, sondern auch auf die Handlung und die Dramaturgie. Anstatt auf Philip K. Dicks Vorlage aufzubauen, verfilmt er sie fast 1:1, und übernimmt dabei leider einige Schwächen des Buches, während einige Stärken auf der Strecke bleiben. Was bleibt, sind faszinierende Einzelelemente, verwoben in einem - immerhin schön anzusehenden - dichten Netz gediegener Langweile...
    Wertung: 5/10
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