Zitat Zitat von Simara
Das Argument: "In Afrika sterben jährlich mehr Menschen" kommt in dem Zusammenhang immer wieder. Und darauf kann ich nur sagen "Afrika ist nunmal verdammt weit weg". Es liegt in der Natur des Menschen, dass ihm Dinge, die ihm nicht so nahe liegen eher vernachlässigt.
Ist aber eine natürliche Schutzfunktion. Würden wir um jeden Menschen den gleichen "Aufwand" machen, wie um einen nahestehenden, dann würden wir verrückt werden.
Falls du nichts dagegen hast, würde ich gerne das Gesagte erweitern.
In unseren Zeiten hat Distanz nicht wirklich eine grosse Bedeutung. LA ist gefühlsmässig soweit weg wie Sydney. Man kommt sehr schnell an jeden beliebigen Ort, also ist die grösse Distanz auf unserem Erdball gemessen weniger relevant als zuvor.
Veranschaulichen kann man sich das vielleicht an der Reaktion auf, sagen wir, 9/11 und die Krise in Darfur. Ohne jetzt genau der Sache genau nachzugehen, würde ich mal behaupten in Darfur waren mehr Menschen über einen längeren Zeitraum betroffen. Ausserdem liegt Darfur näher an, sagen wir, Berlin als NYC. Warum hat 9/11, oder besser gesagt die Opfer von 9/11 das hundertfache der Aufmerksamkeit von Darfur bekommen?
Weil die vielleicht 3500 Toten in NYC politisch und ökonomisch betrachtet mehr Bedeutung haben als zig Millionen Sudanesen. Sie haben mehr Macht in unserem System, was sich über Geld definiert, als die zum allergrössten Teil extrem marginalisierten Afrikaner.
Daher bekommen sie mehr mediale Aufmerksamkeit, welche unsere Trauer gewissermassen lenkt.


Zu der Entwicklung des Terrorismus: Für mich verliert er durch die Brutalisierung extreme Willkür an Bedeutung. RAF-Entführungen konnte man logisch deuten, aber die Londoner Anschläge sind ein einfaches Jeder-ist-ein-Ziel. Da der Terrorismus bisher aber nur extrem wenige Menschen umbringt, ist für mich die Möglichkeit von einem Anschlag betroffen zu sein vergleichsweise gering, auch wenn ich gerade jeden Tag in der Pariser Metro fahre.