Nager hat irgendwo mal angedeutet das man über Musik nicht diskutieren kann. Er hat wohl recht, denn da würden wohl wirklich alle anfangen andere bekehren zu wollen.
Irgendwann legt sich ja der Musikgeschmack fest. Irgendwie kommt man dann auch nie mehr davon los. Die liebgewonnen Vorurteile, die man sich so wunderbar um die Ohren hauen kann, wären dann ja plötzlich unnütz. Und was wäre wenn man selber so ein Alien wäre?
Wenn ich so meinen Kommentar hiervor lese geh ich wohl auch mit diesem Thema recht dogmatisch um.
Ich bin ja immer wieder überrascht wie mächtig Musik ist. Es reichen nur ein paar Zeilen und Noten und schon ändert sich die Stimmung. Ob Euphorie, alles ist scheiße, man braucht nur die passende CD und ab geht´s.
Ich war vor ein paar Tagen bei einem Freund zu Besuch. Er wollte mir, kurz bevor ich ging, dann noch eine CD andrehen. Vom Cover war ich angetan, hübsche Frau, dunkle Haare, schöne Augen. Das macht natürlich gleich stutzig. Sie sieht aber echt gut aus. Da hätten wir also schon mal Aufmerksamkeit und das Interesse.
Dann kommen die Informationen. Die schreibt selber, kam als nächstes. Na ja, Britney mit Hose. Wer es mag. Ich habe keinen Kotakt mehr zu meiner Hosenjungendfreundin. Das nächste Argument war dann das Album wäre etwas poppig. Ich wollte gerade gehen als es dann plötzlich jazzig sagte. Hm, Altherrenmusik. Letztens kam ein Konzert von Diana Krall auf 3sat, war irgendwie interessant. So richtig begeistert hat sie mich aber nicht. Noch dazu wo sie Vorreiterin einer New Jazz Welle sein soll. Jazz anpassen an den MAINSTREAM, pfui! Ich werde aber alt und blieb stehen, packte die CD in den Rucksack und ging. Das ist nun einige Tage her. Heute ist Sonntag und somit große Langeweile. Also landete die CD dann doch noch im CD Player.
Ich muss jetzt etwas Positives schreiben. Noch dazu über Musik. Ich finde es ja einfacher etwas in der Luft zu zerreißen. Dafür gibt es herrlich viele Wörter und Spaß macht es auch noch. Gerade als jemand der ab und zu SciFi schaut / liest hat man ja Erfahrung mit dem zerreißen. Etwas Positives schreiben gleitet ja meistens in die Aneinanderreihung von Superlativen ab, so das man eigentlich keinen Sinn mehr in den Zeilen findet. Besonders bei Musik ist das schwer. Musik ist nämlich, wenn sie gut, intim. Mal sehen ...
Irgendwo habe ich mal gelesen man bestimmte Platten zu genau der richtigen Zeit findet. IMO ist das ja eher umgekehrt, die Platten finden einen. „Nervermind“ war das erste Mal bei mir. Ich stellte fest das auch ich irgendwann erwachsen werden müsste und da trafen wir uns. Jetzt bin ich erwachsen, ich glaube, hoffe, es zumindest, - ok, ich bilde es mir ein - und es ist das zweite Mal passiert.
Ich saß, wie jetzt, vor dem Computer und wollte die CD im Hintergrund über mich ergehen lassen. Ich habe den Anfang kaum mitbekommen. Pianos hört man ja im Moment an jeder Ecke. Nach kurzer Zeit hatte sie aber meine ganze Aufmerksamkeit. Nicht der Text, ich habe ja nicht zugehört, sondern diese Stimme. Sie klingt alt, reif möchte man fast sagen, obwohl sie erst knapp über 20 ist. Ich höre ja immer wieder mit Belustigung wie sich viele Menschen mit den Noten quälen. Sie trifft sie mit so spielerisch Leichtigkeit das man fast weinen möchte. Man versteht ihre Stimme, muss man in der heutigen Zeit in der alles überproduziert ist, wohl noch erwähnen. Denn es gibt nur ihre Stimme und mich, die wenigen Instrumente dienen dazu sie zu unterstützen, sie dominieren nicht.
Ich musste nach dem ersten Stück erst mal eine Pause machen. Denn ich wusste das sie mich hatte. Ich sträubte mich einige Minuten weiter zu machen. Aber wie immer geht es halt nicht anders. „Don´t know why“ lautet der Titel des ersten Stückes. Er ist wie das ganze Album herrlich Melancholisch. Oft fühlt man sich beim zuhören solcher Platten ja alleine. Sie war aber immer bei mir. Sehnsucht, Trauer, immer war sie da, sie sagte nicht das alles besser wird, sondern das es einfach so ist. Tröstender als so manch kläglicher Versuch einem zu erklären das alles irgendwann besser wird. So verbrachten wir dann unsere ersten gemeinsamen 45 Minuten. Ständig hatte ich das Gefühl ihre Stimme würde auf irgend etwas warten, irgendwann würde sie vor Zorn aufschreien. Es passierte nichts. Sie blieb immer ruhig und so ging es mir auch. Ich saß nur da und lauschte ihrer faszinierenden Stimme.
Dann war alles vorbei und ich war glücklich. Es gibt Dinge die einfach gesagt werden müssen, egal ob man es hören will oder nicht. Mir ging es so. Ich fühlte mich frei.
Der bezeichnende Titel des Albums von Ms. Jones ist übrigens „Come away with me.“ Einordnen lässt sich die Musik auch nicht. Ich bin froh das ich mit ihr gegangen bin. Am Ende wäre es dann fast doch noch rührselig geworden. Nähe ist schön und gut, doch bitte nicht zu nah. Sie ist dann aber doch rechtzeitig gegangen. Auch eine Kunst.
Hm, ziemlich lang das alles. Klingt außerdem fast nach einem Plattenreview. Soll aber keins sein. Eher meine Erkenntnis das es doch nicht so schlecht ist mal über den „Plattenrand“ (scheiß Wortspiel) zu schauen. Man wird zwar oft enttäuscht, wenn man aber Glück hat, der richtige Zeitpunkt gekommen ist ... Anklicken werde ich da oben übrigens nichts. Gründe hoffe ich genannt zu haben.
Erinnert mich auch irgendwie an die Spielereviews aus der guten alten Zeit. Alles viel zu subjektiv, und mit viel unnötigem Gekritzel. Verzeihung dafür. Aber wie schrieb vor langer Zeit mal jemand so passend: „Verlangt nicht von mir verständlich zu schreiben, sonst geht glatt der Spaß an der Sache verloren.“





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